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Mittelalterliche Strafen in Heiligenstadt

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · 16 Juni 2020
Tags: GalgenhügelRichtebergGefängnisHinrichtungen
Walter Prochaska schreibt in seinem Artikel „Mittelalterliche Strafen im Eichsfelde“:
„Die schlimmste Strafe, die nur auf Meineid und Felonie (Treuebruch) gesetzt war, bestand in der Entziehung des Bürgerrechtes. (Willkühr, Art. 50): „Wer abtrinnig worden, der ensal keyne Borgerschaft mehr haben noch nimmerme gewinnen.“

Das peinliche Gericht stand nur den Landesherren zu. Selbst Totschlag wurde noch im 14. und 15. Jahrhundert nicht am Leben bestraft, sondern durch Geld und „Elend“ (Verbannung im Ausland). Später jedoch wurden die Mörder hingerichtet und mit dem Ermordeten in ein Grab gelegt.
In Heiligenstadt waren Gerichtsordnung und Strafen in der „Willkühr“ vom Jahre 1335 festgelegt. Im Jahre 1534 wurde das römische Recht eingeführt. Die „Carolina“ kannte grausame Strafen, Folterung und Hinrichtung.

Wolf schreibt 1800 in der „Geschichte der Stadt Heiligenstadt“: „Für nächtliche Diebereien im Felde, in Gärten und Weinbergen und für Beschädigung der Weidenbäume war der Korb vor dem Holzbrückentor bestimmt, in welchen der Dieb eingeschlossen und nachher ins Wasser geworfen wurde. Diese Art zu strafen wird nur einmal angeführt und ist erst 1544 wieder aufgekommen. Da auch ein Trillerhaus bis über das Jahr 1763 auf dem Markte gestanden hat, so ist glaublich, daß ehedessen ein loser Gesell durch öffentlichen Spott seine Fehler, doch ohne deswegen ehrlos zu werden, darinnen abgebüßt habe.“

Auch schreibt Wolf: „Nicht weit davon (vom neuen Rathaus) hat ein kleiner Galgen gestanden, ein Trillerhäuschen und 2 Pfähle mit einem Joch verbunden, worin einige Halseisen hingen. Es soll auch ein hölzerner Esel dagestanden haben.“

Halseisen gab es im Turm von Worbis und in vielen Gemeinden des Eichsfeldes. 1583 wird in den Hansteinschen Gerichten einer, der auf der Folter sich zu 15 Diebstählen bekannt hat, „am Galgenberge“ gehängt. 1717 bekommt einer den Staupbesen (Peitsche) und wird des Landes verwiesen“. 1771 wird „eine Frau ans Halseisen geschlossen und verprügelt“. Wer sich gegen die Frondienste auflehnte, wurde zum „Rebellen“ erklärt.

Die letzten Hinrichtungen in Heiligenstadt fanden im Jahre 1836 statt. Ein Mörder wurde mit der Strafe des Rades von oben herab auf dem in der Nähe der Stadt gelegenen Richtplatz vom Leben zum Tode gebracht, eine Mörderin mit dem Handbeil hingerichtet. Der Richtklotz steht jetzt im Eichsfelder Heimatmuseum, und das Rad soll sich im Museum zu Gotha befunden haben.“

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Die letzte Hinrichtung auf dem Galgenhügel fand am 23. Dezember 1836 statt, als Georg Urbach aus Lengenfeld aufs Rad geflochten wurde.

Die Mörderin, hier handelt es sich Margarethe Hübenthal geb. Stitz aus Rustenfelde bzw. geboren in Birkenfelde, wurde am 13. Dezember 1856 auf dem Hof des damaligen Gefängnisses (Golden Kreuz Wilhelmstraße) mit dem Beil gerichtet.

Quelle: Walter Prochaska: „Eichsfelder Heimatbuch“ 1956 Rat der Stadt Heiligenstadt – Bild: Richtklotz im Eichsfeldmuseum Heiligenstadt.



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