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Schloss Wörth an der Donau
Das vollständig erhaltene Renaissanceschloss thront weithin sichtbar auf einem Berg mitten im gleichnamigen Ort. Die Anlage geht auf eine Fliehburg des 10. Jahrhunderts zurück. Das heutige Hauptgebäude im Renaissancestil wurde zwischen 1522 und 1525 auf älteren Grundmauern errichtet. Jahrhundertelang diente es den Regensburger Bischöfen als Sommerresidenz. Im Jahr 1806 wurde hier von Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg die Rheinbundakte mitunterzeichnet. Später gelangte es in den Besitz des Hauses Thurn und Taxis.
Das Schloss beherbergt heute das private Seniorenheim Pro Seniore Schloss Wörth. Der vom Landkreis verwaltete Südflügel birgt das prachtvolle Rondellzimmer mit einem umfangreichen mythologischen Freskenzyklus von Jakob Heybel (1676). Zudem existieren die barocke Schlosskapelle St. Martin sowie historische Gefängniszellen im alten Bergfried.

In der Martinskirche des Wörther Schlosses hängt ein altes Kreuzigungsbild. Über dem Kopf Jesu befindet sich die Tafel mit der Inschrift. Doch etwas fehlt: Die sonst üblichen Anfangsbuchstaben sind nicht darauf zu sehen. Um diese Besonderheit rankt sich eine alte Sage:
„Vor langer Zeit lebte ein junger Maler. Er war ehrgeizig und wollte unbedingt berühmt werden. Leider fehlte ihm das große Talent. Deshalb war er neidisch auf andere Künstler, deren Bilder viel besser gelangen als seine Eigenen. Eines Nachts konnte er wieder nicht schlafen. Voller Wut und Verzweiflung lief er hinaus in den dunklen Wald. Dort begegnete ihm plötzlich ein großer, unheimlicher Jäger.

„Was suchst du zu so später Stunde im Wald?“, fragte der Fremde.
Der Maler antwortete: „Ich möchte ein großer Künstler werden. Aber mir gelingt kein wirklich gutes Bild. Andere Maler werden berühmt, nur ich habe keinen Erfolg.“
Da machte ihm der Jäger ein seltsames Angebot:
„Ich kann dir die Kunst beibringen. Du wirst der größte Maler weit und breit sein. Dafür musst du mir deine Seele versprechen.“
Der junge Maler dachte nicht lange nach. Zu sehr wünschte er sich Ruhm und Anerkennung.
„Wenn du mir hilfst, ein wirklich meisterhaftes Bild zu malen, soll meine Seele dir gehören“, versprach er.
Am nächsten Morgen erwachte der Maler mit einem schweren Gefühl im Herzen. Gleichzeitig verspürte er plötzlich eine große Lust zu malen.
Schon seit längerer Zeit hatte er den Auftrag, für ein Kloster ein Bild von Jesus am Kreuz zu malen. Bisher war ihm das nie gelungen. Doch nun ging ihm die Arbeit leicht von der Hand. Jeder Pinselstrich gelang, und bald war zu erkennen, dass es ein wunderschönes Bild werden würde.
Je näher das Bild seiner Vollendung kam, desto größer wurde jedoch seine Angst. Er dachte an den Pakt mit dem unheimlichen Jäger und bekam große Sorgen.
Da kam ein Mönch aus dem Kloster zu ihm. Der Maler vertraute ihm sein Geheimnis an.

Der Mönch überlegte und sagte schließlich:
„Dann lass einfach die Inschrift über dem Kopf Jesu weg. Solange das Bild nicht vollständig ist, kann der Böse seinen Anspruch nicht geltend machen.“
Der Maler war erleichtert. Er folgte dem Rat des Mönches und ließ die Inschrift unvollendet.
Damit war er gerettet.
Von diesem Tag an dachte er nicht mehr an Ruhm und Reichtum. Er blieb beim Kloster und fand dort etwas, das ihm bisher gefehlt hatte: Ruhe und inneren Frieden.
So soll es gekommen sein, dass auf dem alten Kreuzigungsbild in der Martinskirche bis heute die Initialen auf der Inschriftentafel fehlen.“

Der versetzte Grenzstein

„Am Unterlauf des Wellerbaches, den die Menschen früher auch „Schinderbachl“ nannten, erzählt man sich seit langer Zeit von geheimnisvollen Erscheinungen.
Auf einer Anhöhe östlich des Baches, ungefähr auf halbem Weg zwischen Wörth und Tiefenthal, stand einst der Wörther Galgen. Wer nachts dort vorbeikam, konnte angeblich eine seltsame Gestalt sehen. Ein Mann trug einen schweren Grenzstein auf seinem Rücken und ging damit suchend umher.
Immer wieder rief er:
„Wo soll ich ihn denn hintun?“
Doch niemand wagte es, ihm zu antworten.
Eines Nachts kam ein junger Wanderbursche an dieser Stelle vorbei. Es war schon Mitternacht, als er den unheimlichen Mann mit dem Grenzstein sah.
Wieder hörte er die Frage:
„Wo soll ich ihn denn hintun?“
Der junge Mann hatte keine Angst und antwortete:
„Dorthin, wo du ihn genommen hast!“
Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, warf der Mann den Grenzstein zu Boden.
„Gott sei Dank! Jetzt bin ich erlöst!“, rief er.
Im selben Augenblick verschwand die Gestalt.
Seit dieser Nacht wurde der Mann mit dem Grenzstein nicht mehr gesehen. Der Wanderbursche aber hatte, so erzählt die Sage, einen ruhelosen Geist erlöst.
Vielleicht erinnert die Geschichte noch heute daran, dass man einen Grenzstein nicht einfach an eine andere Stelle versetzen darf.“

Quelle: Eigene Aufzeichnungen; Überlieferung von Ottilie Schütz – Bild: 2026 Alexander Schuster
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