Schloss Molsdorf
Molsdorf ist ein malerischer, historischer Ortsteil im äußersten Südwesten der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Das idyllische Dorf liegt in einer Senke der Gera und ist besonders für sein prachtvolles, spätbarockes Schloss Molsdorf bekannt, das im Volksmund auch als das „Thüringer Versailles“ bezeichnet wird.
Das heutige Barockschloss wurde zwischen 1734 und 1740 auf den Mauern einer alten Wasserburg aus dem 16. Jahrhundert errichtet. Es diente dem Reichsgrafen Gustav Adolf von Gotter als repräsentativer Landsitz. Das Schlossmuseum zeigt eindrucksvoll die barocke Lebenswelt des Grafen Gotter. Eine Besonderheit ist die gut gepflegte Erotika-Sammlung. Der Park war ursprünglich ein streng geometrischer Barockgarten und wurde ab 1789 in einen großzügigen englischen Landschaftspark umgewandelt. Er lädt mit seinen geschwungenen Wegen und dem alten Baumbestand zu entspannten Spaziergängen ein.
Die Sage von der Nixe
Eine schöne Nixe verlässt die Sülzenbrücker Teiche. Sie geht heimlich zum Kirmestanz nach Molsdorf und vergisst dabei die Zeit und tanzt, bis der Hahn kräht. Als der Morgen anbricht, flieht sie zurück in den Teich. Ihr menschlicher Tänzer stürzt ihr aus Kummer oder Verlangen hinterher und verliert sein Leben in der Tiefe.
Die Sage von dem Sülzenbrücker Teiche bei Molsdorf
Zu Molsdorf in dem Schenkensaal’
Ertönt ein lustiges Geigen;
Da dreht sich jauchzend Paar an Paar
Im nächtlichen Kirmsereigen.
Im nahen Sülzenbrücker Teich
Vernimmt im stillen Fluthenreich
Ein Nixelein mit schilfigem Kranze
Die Melodie zum Tanze.
Sie hebt ihr triefendes Haupt und lauscht,
Es lockt sie aus dem Bade,
Sie hüpft im grünlichen Gewand
Bei’m Mondlicht an’s Gestade.
Sie trocknet sich und schmückt sich fein,
Schleicht flink sich in den Saal hinein,
Und mischt sich unter die Mädchen
Vom Land’ und aus dem Städtchen.
Hier, denkt sie, kann ich einige Zeit
Im wirbelnden Tanze mich freuen;
Doch eh’ die Strahlen des Morgenlichts
Die nächtlichen Schatten zerstreuen,
Schlüpf’ ich in’s freie Feld hinaus,
Zurück in mein krystallenes Haus;
Sonst müßt’ ich ja mein Leben
Für flüchtige Freude geben.
Bald an des schönsten Burschen Hand
Schwebt sie dahin im Kreise;
Bezaubert sieht sie jeder Blick
Sich wiegen zierlich leise.
Und höher schlägt des Jünglings Herz,
Er empfindet wechselnd Lust und Schmerz;
Sein Flammenblick ist trunken
In ihrem Aug’ versunken.
Auch ihr ist bald so wohl, so weh’,
Sie weiß nicht, wie ihr geschehen.
Sie fühlt der irdischen Liebe Gluth,
Und hört nicht auf zu drehen.
Sie achtet nicht der schwindenden Zeit,
Bis draußen im Hofe der Haushahn schreit,
Und sie der Kerzen Geflimmer
Sieht erbleichen im Morgenschimmer.
Da stöhnt sie „Ach und Weh!“ vor Schreck
Wird blaß und immer blässer,
Reißt sich vom Theuren, stürzt hinaus,
Fliegt pfeilschnell zum Gewässer,
Wirft athemlos sich in die Fluth,
Die schäumt empor in wilder Wuth;
Getrübt ist ihre Helle,
Blut schwimmt auf jeder Welle.
Als dies der liebende Jüngling sieht,
Fühlt er unendliches Leiden;
Es drängt und reißt ihn mit Gewalt,
Rasch von der Welt zu scheiden.
Er stürzt sich vom Gestad’ hinab,
Und versinket im schäumenden Fluthengrab,
Dort, wo aus dämmernder Ferne
Sich spiegeln die goldenen Sterne.
Quelle: Eigene Aufzeichnungen; Deutsche Sagen und sagenhafte Anklänge: Hrsg. von J. Günther – Bild: Gartenseite 2026 © Thomas Schuster Heiligenstadt
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