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Heimatgeschichte(n): Die Rosenkirche von Elende

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Thüringen · 23 Juli 2020
Tags: ElendeRosenkircheMarienkircheHeiligenstadtMariaimElende
Das Dorf an der L 3080 (früher B 80) wurde erstmals 1212 urkundlich erwähnt und war früher ein bedeutender Wallfahrtsort. Die Wallfahrt wurde von einem Kollegiatstift mit 6 Kanonikern betreut. Die heute evangelische Dorfkirche „St. Marien“ oder auch „Rosenkirche“ genannt, hat schon bessere Tage gesehen.

Der Wallfahrtsort Elende hatte zu Beginn eine kleine Kapelle. Hier befand sich die schöne Marienfigur (um 1414), die heute in der Marienkirche (bis 1802 in der Martinskirche) in Heiligenstadt zu bewundern ist.

Zu dieser Madonna gehört ein Mirakelbuch mit Aufzeichnungen der Wunder. Mit Zunahme der Wallfahrt 1419 wurde die gotische Saalkirche St. Marien gebaut. Die damalige Kirche war ursprünglich 42 m lang und wurde 1799 nach Abrissarbeiten stark verkleinert. Teile des Kirchenschiffs, der Kirchturm, der angrenzende runde Treppenturm im Norden sowie die Kapelle im Süden wurden abgebrochen. Im Jahre 1804 fand die Neueinweihung statt.

Den Namen „Rosenkirche“ erhielt sie von den fünfblättriger Rosen, die am Dachgesims angebracht sind. Im Innenraum kann man noch Teile des Triumphbogens erkennen. Die Fachdecke und die Emporen bestehen aus Holz und erinnern stark an die Kirche in Wahlhausen. Die ca. 300 Jahre alte Turmuhr hat nur einen Zeiger, der viertel-, halbe- und die vollen Stunden anzeigt.

Über die Rosenkirche und das Marienbild in Elende berichtet die Geschichte:

„Die Kapelle genügte bald dem großen Andrang der Wallfahrer nicht mehr, deshalb entschloß man sich, eine geräumige Wallfahrtskirche zu errichten. Mit ihrem Bau wurde 1419 begonnen, und zugleich wurde das schon genannte Mirakelbuch eingerichtet. Zur Erinnerung an diese einmalige Hilfe der Gottesmutter, erhielt die Kirche einen Fries aus 174 in Stein gehauenen Rosen, von dem der Name „Rosenkirche“ abgeleitet wurde. Dieses Rosen-Band ist noch heute an der Kirche zu sehen. Das Mirakelbuch wurde bis zum Jahre 1517 geführt.
Um diese Zeit, so wird weiter berichtet, sei ein räuberischer Haufe in das Dorf Elende eingefallen und habe auch das Innere der Kirche zerstört, das bekannte Bildnis der Mutter Maria jedoch nicht angetastet.

Bei diesem Überfall soll es geschehen sein, daß auch das Pfarrhaus angegriffen wurde. Der Pfarrer, der sich schon beim Einrücken der Horde in das Dorf bedroht fühlte, traf seine Vorkehrungen: Er stellte seine Bienenstöcke, von denen er viele besaß mit der Vorderseite gegen das Haustor auf. Als man in das Haus eindringen wollte, schlug er mit einem Knüppel gegen die Bienenstöcke. Die wild gewordenen Bienenschwärme schossen aus ihren Behausungen, fielen über die Angreifer her und zerstachen sie so fürchterlich, daß sie auseinanderstoben und das Pfarrhaus unbehelligt ließen.

Als während der Reformation die Grafschaft Hohenstein, zu der Elende gehörte, die lutherische Lehre annahm, wurde das ehrwürdige Gnadenbild von seinem Platz entfernt und in der Sakristei abgestellt. Hier stand es Jahrzehnte hindurch, bis es eines Tages verschwunden gewesen sein soll. Es sei, so erzählt die Sage, an einem schönen taufrischen Sommermorgen aufgebrochen und nach Heiligenstadt gewandert. Dort habe man es in der Annenkapelle der Stiftskirche gefunden. Noch lange Zeit nachher sei der Saum des Gewandes zu bewundern gewesen, der vom Tau ganz nass war und nicht trocken wurde.

Wahrscheinlicher ist die andere Nachricht, nach welcher im Jahre 1626 ein kaiserlicher Offizier das Bildnis mit dem Mirakelbuch von Blende nach Heiligenstadt gebracht hat. Gewiß ist, dass es dort zunächst in der Stiftskirche in der St.-Annen-Kapelle gestanden hat und von „dem großen Haufen“, wie es in einer Urkunde heißt, der Bevölkerung also, sehr verehrt wurde.

Im Jahre 1802, als das Martinsstift aufgehoben und später die Kirche der evangelischen Gemeinde zugewiesen wurde. brachte man das Gnadenbild in die Altstädter Kirche. Zunächst aber verblieb es noch auf seinem angestammten Platz. Wie es in einem amtlichen Bericht aus dieser Zeit heißt. „… wurde das Marienbild, welches man im Volke sehr verehrte, und dessen Verlust großes Murren erregte, in aller Stille um Mitternacht in die Altstädter Kirche verbracht, damit nicht ein Volksauflauf entstände ..."

Die stiftungsgemäß zu haltenden hl. Messen wurden ebenfalls dorthin verlegt und zum erstenmal am 29. Oktober 1803 gehalten.  Soweit die Geschichte des Gnadenbildes „Maria im Elende“, das noch heute in der Marien-Kirche verehrt wird.“

© Thomas Schuster 2020

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Marien_(Elende), Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – St. Benno Verlag Leipzig 1978 – Bild: © Thomas Schuster 2020



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