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Ausgrabungen und Sanierungen Bergkloster und Martinskirche

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · 12 Juli 2020
Tags: PfalzMartinskircheBergkloster
Bei den Erdarbeiten zum Neubau des Klostergebäudes der Heiligenstädter Schulschwestern auf der westlichen Seite des Stiftsberges stieß man 1995 auf alte Kulturschichten mit Resten von ausgedehnten Bauwerken sowie auf Keramik. Hier konnte eine über 300jährige Siedlungszeit mit 8 verschiedenen Bauphasen nachgewiesen werden.

Im November 1997 wurde mit der Sanierung der Martinskirche begonnen. Dabei wurden wieder interessante Entdeckungen gemacht, u.a. belegten neue Funde die Existenz eines Vorgängerbaues der heutigen Kirche. Eindeutig nachweisbar ist der Verlauf der Apsis dieser frühen Kirche. Vermutlich handelt es sich um eine Kirche aus dem 9./10. Jahrhundert. Steine dieser älteren Kirche wurden in die Grundmauern der heutigen Kirche eingebunden.

An der Nordseite des Chores fand man Gräber aus der ottonischen Zeit, sie schlossen unmittelbar direkt an die aufgefundene Apsis an.
Auch in der Krypta wurden Funde aus dieser Zeit gemacht, hier konnten die bislang vom Fußboden verdeckten Sockel der Säulen freigelegt werden. Dabei wurden, noch zwei weitere Fußböden entdeckt. Eine dünne Brandschicht deutet auf eine Zerstörung hin.
Bei weiteren Arbeiten an der Krypta stießen die Archäologen 1998 unter den nachweisbaren Vorgängerbauten auf menschliche Knochen. Die Forscher gehen hierbei nicht direkt von einem Grab aus, sondern von einer Reliquieneinbettung.

Nachgewiesen wurde auch ein Gräberfeld aus der ottonischen Zeit, das sich unter der heutigen Martinskirche befindet. Wer die Toten in den Gräbern unter der Kirche sind, kann schwer nachgewiesen werden, sie stehen vermutlich mit der Pfalz und der Kirche in Zusammenhang. Am Westportal kamen zwei etwa 1,4 Meter dicke Mauern zum Vorschein, die parallel zur ausgegrabenen Pfalz verlaufen.

Im Mai 1998 wurde vor der alten Sparkasse am Eingang zur Sperbergasse eine alte Mauer freigelegt, die wahrscheinlich von der ehemaligen Scheune des Schlosses stammt.

Bei der Sanierung des Friedensplatzes im Juli 1998 wurden weitere Mauern zwischen der Kirche (Höhe Krypta) und dem Schloß gefunden. Die Funde stammen vermutlich aus dem 13. Jahrhundert und stehen laut Zeitungsbericht im Zusammenhang mit der Krypta. Leider gab es keine Möglichkeit, die aufgefundenen Mauerreste der Vorgängerkirche in die Neugestaltung des Friedensplatzes mit einzubeziehen.

Im Kirchgarten wurde mit einem kleinen Bagger nach Überresten des Kreuzganges gesucht. Auch hier traten Funde zutage, wie verzierte Kacheln von Öfen, Scherben aus Keramik und Glas. Bemerkenswert ist auch ein Münzfund. Das Mauerwerk vom 1811/1812 abgerissenen Kreuzgang mit der Stiftsschule, sowie die mit Sandsteinplatten belegte Gänge wurden freigelegt.

© Thomas Schuster Heiligenstadt

Bild: Knochenfunde in der Krypta 1998 © Thomas Schuster



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