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Aus dem Archiv: 50 Jahre Eichsfelder Heimatmuseum in Heiligenstadt

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · 31 Juli 2020
Tags: EichsfeldmuseumKolleg
„Magnet“ für Gäste aus nah und fern - 43.000 Besucher in letzten 4 Jahren - Sonderausstellungen und Museumskonzerte

Heiligenstadt (TT). Wenn für den Leiter eines Heimatmuseums als oberste Maxime der Grundsatz gilt, daß die Kenntnis der Vergangenheit unumgänglich ist für das Verständnis der Gegenwart, dann läßt dies starke persönliche Engagement auf eine museale Einrichtung mit großer Ausstrahlungskraft und markanter Profilierung schließen. Das Eichsfelder Heimatmuseum, weithin bekannt auch über die Grenzen des Eichsfelder hinaus, begeht dieser Tage ein festliches Jubiläum: Vor nunmehr 50 Jahren wurde es in der zweiten Etage in einem der ältesten Gebäude der Stadt, dem 1740 erbauten Jesuiten-Kolleg, eröffnet.
Den Grundstock des Heiligenstädter Museums bildete einst die vom Dingelstädter Sanitätsrat Dr. Strecker der Stadt Heiligenstadt testamentarisch vermachte umfangreiche Naturaliensammlung. Durch Geschenke und Anschaffungen der Stadt noch bedeutend vergrößert, präsentiert sich die etwa 1000 Vögel, 3000 Käfer und 2000 Schmetterlinge umfassende Sammlung heute in einem besonderen Ausstellungsraum und findet bei den Besuchern großes Interesse. Obwohl diese Exponate einen bedeutenden Wert darstellen, so trugen sie allerdings wenig zum Charakter eines Museums, noch viel weniger zu dem eines Heimatmuseum bei. Erst mit der Gründung des Vereins für eichsfeldische Heimatkunde im Jahre 1906 und der Übernahme des Jesuiten-Kollegs im Jahre 1928 durch die Stadt nahm der Museumsgedanke konkrete Formen an und erhielt einen festen Rückhalt in der Gründung eines Museumvereins im Mai 1931. Der Verein hatte den Zweck, in den von der Stadt zur Verfügung gestellten Räumen ein Museum einzurichten und zu erhalten, welches als eine echte Volksbildungsstätte wirken sollte.

Nach der Eröffnung 1932 machte das Sammeln und Ordnen historisch wertvoller und für die Regionalgeschichte bedeutsamer Stücke gute Fortschritte. 1943 wurde dann das Museum geschlossen und die Sammlung ausgelagert. Eine nerve Qualität erhielt die Museumsarbeit in den Jahren nach 1945. Die Pflege des kulturellen Erbes, nurmehr untrennbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, wurde auch im Eichsfelder Heimatmuseum unter völlig neuen Gesichtspunkten betrieben. Der Schwerpunkt der Exponate in dem 1951 wiedereröffneten Museum legt seitdem auf der Widerspiegelung der regionalen Entwicklung des Eichsfelder vom unterentwickelten Industriegebiet zur heutigen ökonomisch starken Industrie- und Agrarlandschaft. Dieses „Thema“ des Museums findet seinen Ausdruck in einer großen Vielfalt der Ausstellungsstücke, einer immer neuen Aufbereitung bedeutender Details, die das Wachsen und Werden des Eichsfelder auf lebendige Art veranschaulichen.

Und der sich solcherart um ein Nahebringen der ältesten bis jüngsten Vergangenheit bemüht, ist Unionsfreund Josef Bode, Leiter des Museums seit November 1977 und in der Geschichte des Eichsfelder außerordentlich gut bewandert. Mit viel Sachkunde, gepaart mit Geschick und Ideenreichtum widmet sich Unionsfreund Bode anspruchsvollen musealen Aufgaben. Unter seiner Regie wurde seit 1980 in die gesamte Dauerausstellung ein chronologischer Ablauf hineingebracht und so eine Führung von der Ur- und Frühgeschichte bis in die Neuzeit ermöglicht. Diese umgreifende Änderung fand und findet beredten Ausdruck in den Besucherzahlen.

Kamen 1978 etwa 6600 Bürger ins Museum, so waren es 1980 schon 13.600. Und im vergangenen Jahr lockten die Ausstellungsräume gar 15.100 Besucher aus nah und fern zur Besichtigung. Neben der ständigen Ausstellung – sie umfaßt beispielsweise die Darstellung der Weberei auf dem Eichsfeld, eine alte Eichsfelder Bauernstube, eine ansehnliche Trachtensammlung, ein komplettiertes Theodor-Storm-Traditions-Zimmer, solche Raritäten wie ein geschnitzter Eichenschrank von 1546, Kopien einer von Tilman Riemenschneider geschnitzten Konsole und einer Statue der hl. Elisabeth - gibt es im Wechsel von sechs bis acht Wochen laufend Sonderausstellungen. Zum größten Teil aus Arbeiten von Bürgern gestaltet, finden sie aufgrund ihrer Lokalbezogenheit das besondere Interesse der Besitzer. Außerdem enthalten die Magazine des Museums einen so reichen Fundus, daß immer wieder den Gästen etwas Neues geboten werden kann.
Die Kenntnis der Vergangenheit nutzen zum Verständnis der Gegenwart - das Eichsfelder Heimatmuseum unter Leitung von Unionsfreund Bade weiß diesen Grundsatz gut zu verwirklichen.
Der Leiter des Heimatmuseums, Unionsfreund Josef Bode, erläutert einer Schülergruppe die Einrichtung einer Eichsfelder Arbeiterwohnung um die Jahrhundertwende."



Quelle: Thüringer Tageblatt vom 30. Juni 1982



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