Heimatgeschichte(n) - Heiligenstadt im Eichsfeld

© Thomas Schuster Heiligenstadt
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Heimatgeschichte(n)
Neben der Fotografie interessiere ich mich für mystische Orte und Sagen. Das Eichsfeld und seine Umgebung sind reich an Sagen und Geschichten, die von den Gebrüdern Grimm und anderen Autoren wie zum Beispiel Rudolf Linge, Johann Georg Theodor Grässe und Ludwig Bechstein aufgeschrieben wurden. Durch unser schönes Eichfeld führt die Märchenstraße, die mit den Orten Heiligenstadt (Möhrenkönig) und Mackenrode (Schneeweißchen und Rosenrot) vertreten sind. Auch in der Umgebung [Hoher Meißner (Frau Holle), Sababurg (Dornröschen), Polle (Aschenputtel) und anderer Orte] finden wir Stätten der Grimm‘schen Märchenwelt.

Bisher habe ich in 41 Bänden ca. 410 Sagen, Märchen und interessante Geschichten aufgeschrieben und mit Informationen versehen. Auf dieser Seite möchte ich einige dieser Heimatgeschichte(n) vorstellen.
Lehna - Warum man zu Johanni die Gebäude mit Mauerpfeffer schmückt
Lehna, eigentlich eher ein Weiler, liegt ca. 3 km von Ershausen entfernt. Am 26. April 1257 wurde erstmals das Dörfchen, das zum Gericht der Hansteiner gehörte, erwähnt. Schriftlich sicher wird Lehna erst 1522 bestätigt.

Die Namensherkunft geht auf geliehenes Gut oder Lehen zurück. Gründer waren vermutlich Hans und Seiffert von Hanstein, die Lehna anstelle des Ortes „Diedersdorf“ aufbauten und bis 1894 Gerichtsherren waren. Noch ungeklärt ist, ob der Ort um 850 entstanden ist. Heute leben nur noch wenige Personen im Dorf. Um 1900 hatte Lehna 59 Einwohner.

Lehna befindet sich auf 310 Meter Höhe und bildet seit 1957 mit Misserode eine Gemeinde. Die Kirche St. Martin wurde 1885 neben dem Vorgängerbau aus dem Jahre 1675 gebaut.
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Weshalb auf dem Südeichsfeld die Häuser zu Johanni mit Mauerpfeffer geschmückt werden, erzählt uns die Sage:

„In zahlreichen Ortschaften des Obereichsfeldes ist es allgemein üblich, daß zu Johanni unter den Fenstern der Wohnhäuser Kränze aufgehängt werden, die aus den Blüten des Mauerpfeffers (Sedum acre) gewunden sind. Welche Bewandtnis es mit diesen Kränzen hat, darüber weiß der Eichsfelder Volksmund Aufschluß zu geben.  Aus der Bibel ist bekannt, daß Herodes, Fürst von Galiläa, ein Sohn jenes Herodes, der dem Jesuskind nach dem Leben trachtete, die Frau seines noch lebenden Halbbruders Philippus zur Ehefrau genommen hatte. Das Weib hieß Herodias. Freimütig wies Johannes den leichtsinnigen Fürsten auf das Gesetz Gottes hin und sprach: „Es ist dir nicht erlaubt, das Weib deines Bruders zu haben!“

Durch sein Vorgehen zog sich der heilige Täufer den Zorn der Herodias, eines ehrgeizigen und leidenschaftlichen Weibes, in ganz besonderem Maße zu. Da Herodes selbst eine hohe Achtung vor dem heiligen Manne hatte, befürchtete Herodias, daß der Fürst sich beeinflussen lassen könnte, ihre Verbindung zu lösen und sie von seinem Hofe Zu entfernen. Das rachsüchtige Weib beschloß deshalb, den lästigen Mahner heimlich aus dem Wege zu räumen. Durch Bestechung, so geht die Legende, gewann Herodias zwei böse Männer, die sich bereiterklärten, den Johannes während einer Nacht zu überfallen und zu töten. Da Johannes von dem Vorhaben erfuhr, wechselte er oft seinen nächtlichen Aufenthaltsort. Es wurden daher noch zwei Spione gedungen, denen es gelang zu erfahren, in welchem Hause der heilige Mann die Nacht verbrachte. Damit die Mörder das Haus nicht verfehlen konnten, kamen sie mit den Spähern überein. daß diese in später Abendstunde einen Kranz von Mauerpfeffer, der an dem fraglichen Ort in großen Mengen wuchs, an das betreffende Haus hängen sollten. Als die Mörder in der Absicht, ihr verbrecherisches Vorhaben auszuführen, die betreffende Straße betreten, mußten sie mit Erstaunen feststellen, daß an jedem Hans ein Kranz von leuchtendem Mauerpfeffer angebracht war. Also konnten die gedungenen Bösewichte ihren Anschlag nicht ausführen. Johannes war zunächst einmal den Nachstellungen des rachsüchtigen Weibes entgangen. Wie Herodias aber später doch zum Ziel kam, ist aus der Bibel bekannt.

Nach dem Tode des hl. Johannes hingen, so wird weiter erzählt, seine Anhänger alljährlich am Tage seiner Geburt zum Andenken an das wunderbare Vorkommnis an ihren Häusern Kränze aus Mauerpfeffer auf. Dieser Brauch erhielt sich und soll später durch fromme Pilger auch in unsere Gegend gekommen sein, wo er sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lehna, Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – St. Benno Verlag Leipzig 1978 – Bild: © Thomas Schuster 2020
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