Heimatgeschichte(n) - Heiligenstadt im Eichsfeld

© Thomas Schuster Heiligenstadt
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Heimatgeschichte(n)
Neben der Fotografie interessiere ich mich für mystische Orte und Sagen. Das Eichsfeld und seine Umgebung sind reich an Sagen und Geschichten, die von den Gebrüdern Grimm und anderen Autoren wie zum Beispiel Rudolf Linge, Johann Georg Theodor Grässe und Ludwig Bechstein aufgeschrieben wurden. Durch unser schönes Eichfeld führt die Märchenstraße, die mit den Orten Heiligenstadt (Möhrenkönig) und Mackenrode (Schneeweißchen und Rosenrot) vertreten sind. Auch in der Umgebung [Hoher Meißner (Frau Holle), Sababurg (Dornröschen), Polle (Aschenputtel) und anderer Orte] finden wir Stätten der Grimm‘schen Märchenwelt.

Bisher habe ich in 44 Bänden ca. 440 Sagen, Märchen und interessante Geschichten aufgeschrieben und mit Informationen versehen. Auf dieser Seite möchte ich einige dieser Heimatgeschichte(n) vorstellen.
Über Schädel auf Burg Bodenstein
Im Verließ der Burg befinden sich zwei Schädel, einem davon soll Berthold XI. von Wintzingerode (1505 – 1575) gehören. Während des Bauernkrieges wurden die beiden Burgen Bodenstein und Scharfenstein verwüstet. Seine Mutter trieb den Wiederaufbau des Bodensteins und der Gerichtsdörfer voran und auch sein Onkel, Stadthauptmann von Duderstadt, baute den Scharfenstein wieder auf.

Berthold trat in verschiedene Dienste, kehrte aber ins Eichsfeld zurück, um die Herrschaft gegen plündernde Truppen des katholischen Herzogs Heinrich von Braunschweig-Lüneburg und die Einfälle der Herren von Bültzingslöwen zu schützen. Geschichte machte Berthold aber mit folgender Geschichte:

„1573 trat Graf Volkmar Wolf von Honstein im Bleicheröder Vertrag die Oberlehnsherrschaft über Bodenstein an Mainz ab. Berthold XI. von Wintzingerode sah das als Bruch der Lehnstreue an und erklärte Burg und Herrschaft zu seinem freien Eigentum.“
„In der Nacht vom 29. zum 30. Juni 1574 rückte der Mainzer Oberamtmann des Eichsfeldes, Lippold von Stralendorff, mit 2000 Mann vor den Bodenstein, nahm ihn ein und brachte Berthold und 16 seiner Landsknechte ins Gefängnis nach Heiligenstadt.“

Um seine Befreiung zu verhindern, wurde er sofort nach Steinheim gebracht und in Mainz vor Gericht gestellt.
„Im Konflikt mit seinen Scharfensteiner Vettern hatte Berthold im Jahr zuvor deren Parteigänger und Handlanger Arnold Geilhaus erschossen. Dieser Vorfall wurde ihm jetzt vorgeworfen. Trotz umfangreicher Verteidigung und ohne Eintritt in die Beweisaufnahme wurde Berthold dafür 1575 zum Tode verurteilt und am 19. September enthauptet. Burg und Herrschaft Bodenstein fielen danach an Hans und Bertram von Wintzingerode, seine mit Berthold verfeindeten Vettern, deren Erben ihrerseits 1582 die Pfandherrschaft Scharfenstein verloren.“

Berthold wurde in der Geschichtsschreibung von den beiden Glaubensrichtungen benutzt, entweder als „Aufrührer, Raubritter, Totschläger und Unterdrücker, oder aber als Blutzeuge des protestantischen Kampfes um die Freiheit des Bekenntnisses.
© Thomas Schuster Heiligenstadt
Was es mit einem Pferdeschädel auf sich hat, erzählt die Sage:

„Unweit des alten Schlosses Bodenstein liegt nach Nordosten zu der Bernberg. Er ist mit Gras bewachsen und mit niedrigem Gehölz bestanden. Die Aussicht, die man von ihm nach allen Seiten hat, ist großartig. Der Harz mit dem Brocken, das hessische Bergland mit dem Hohen Meißner und der ragende Thüringer Wald sind deutlich zu erkennen.

Einst hütete der Schäfer vom Bodenstein am Bornberge seine Herde. Als die Sonne sich anschickte schlafen zu gehen, trieb er seine Schafe auf das nahe Ackerland in den Pferch. Dann begab er sich nach seiner Wohnung und aß mit den Seinen das einfache Abendbrot. Nach Beendigung des Mahles trat er wieder den Weg zu seiner Herde an. In seiner Begleitung befand sich sein den Kinderjahren entwachsener Sohn. Da der Schäfer die Hürde weiterschlagen mußte, dies aber für eine Person eine mühsame Arbeit ist, so sollte der Bursche ihm dabei behilflich sein. Nachdem beide bei der Herde angekommen waren, verrichteten sie ihre Arbeit und schauten nach, ob bei den Schafen alles in Ordnung sei. Dann legten sie sich in der Schäferhütte zur Ruhe nieder. Der Hund spielte den treuen Wächter.

Gegen Mitternacht weckte der Vater den Sohn. Aus der Ferne tönte ein immer stärker werdendes Sausen und Brausen. Sie horchten auf und unterschieden deutlich wildes Rufen und Hundegebell. Der Vater sprach ängstlich: „Das ist der wilde Jäger mit seinem Gefolge!”

Nach kurzer Zeit erblickten beide in der Luft gespenstische Reiter mit langen Peitschen in den Händen, gefolgt von einer Meute großer schwarzer Hunde. Während diese ein heiseres Gebell ausstießen, erscholl aus der Luft eine wütende Stimme, die mehrmals hintereinander rief: „Hüh, har, hott!”

Der Schäferssohn, keck und vorwitzig wie er war, äffte diese Töne nach und schrie auch, so laut wie er konnte: „Hüh, har, hott!” Kaum war dies geschehen, so fiel aus der Luft dicht neben den beiden ein Pferdeschädel nieder, und eine Stimme rief: „Habt ihr mit helfen jagen, so müßt ihr auch helfen nagen!” Der Schäferhund aber sprang dem Zuge laut kläffend nach,

Nachdem die Erscheinung vorübergezogen war, nahmen Vater und Sohn den Schädel in Augenschein: er war von außergewöhnlicher Größe; das Fell war abgezogen. Auf Geheiß des Vaters warf ihn der Sohn in eine in der Nähe befindliche Grube. Doch der Schädel sprang sogleich wieder heraus und hüpfte nach der Schäferhütte. Das wiederholte sich noch zweimal. Nun nahm der Alte sein Taschenmesser zur Hand und entfernte damit das an den Schädelknochen hängende Fleisch, und warf es dem zurückkehrenden Schäferhund vor, der es begierig fraß. Als dann der Schädel von dem Burschen wiederum in die Vertiefung geworfen wurde, blieb er unbeweglich liegen.

Durch die nächtliche Erscheinung erschreckt, waren die Schafe unruhig geworden und hatten den Pferch durchbrochen. Nachdem Vater und Sohn die Schafe zurück in die Hürde getrieben hatten, stiegen sie wieder in ihre Hütte. Jedoch an Schlaf war nicht mehr zu denken, so sehr waren sie durch das nächtliche Ereignis in Aufregung versetzt worden. Als dann der Tag angebrochen war und der Bursche nach dem Pferdeschädel schauen wollte, war dieser spurlos verschwunden.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Bodenstein - https://dewiki.de/Lexikon/Berthold_XI._von_Wintzingerode - Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – St. Benno Verlag Leipzig 1978 - Bild: © Thomas Schuster
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