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Heimatgeschichte(n) - Heiligenstadt im Eichsfeld

© Thomas Schuster Heiligenstadt
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Heimatgeschichte(n)
Neben der Fotografie interessiere ich mich für mystische Orte und Sagen. Das Eichsfeld und seine Umgebung sind reich an Sagen und Geschichten, die von den Gebrüdern Grimm und anderen Autoren wie zum Beispiel Rudolf Linge, Johann Georg Theodor Grässe und Ludwig Bechstein aufgeschrieben wurden. Durch unser schönes Eichfeld führt die Märchenstraße, die mit den Orten Heiligenstadt (Möhrenkönig) und Mackenrode (Schneeweißchen und Rosenrot) vertreten sind. Auch in der Umgebung [Hoher Meißner (Frau Holle), Sababurg (Dornröschen), Polle (Aschenputtel) und anderer Orte] finden wir Stätten der Grimm‘schen Märchenwelt.

Bisher habe ich in 35 Bänden ca. 350 Sagen, Märchen und interessante Geschichten aufgeschrieben und mit Informationen versehen. Auf dieser Seite möchte ich einige dieser Heimatgeschichte(n) vorstellen.
Der Rhumesprung als vorgeschichtliche Kultstätte
Im Süden des Harzvorlandes und des Untereichsfeldes finden wir Siedlungsspuren, die bis in das Eiszeitalter (2,6 Millionen Jahre) zurückgeht. Während der Steinzeit streiften Jäger und Sammler das Gebiet. Die ältesten Funde aus der Quelle stammen aus dem Neolithikum (5.000 – 1.700 v.u.Z.). Während dieser Zeit wurden die Menschen sesshaft und zu Ackerbauern und Viehzüchtern.
 
Seit Jahrtausenden sind Quellen Zeichen der Fruchtbarkeit sowie mystische Orte und Kultstätten. Sie werden häufig mit dem Eingang der Unterwelt in Verbindung gebracht. An diesen Orten verehrte man Götter und Geister. Die Rhumequelle zählt zu den ältesten Opferstätten des nördlichen Mitteleuropas, wo ein Kult bereits im Frühneolithikum nachgewiesen werden konnte.

1966 fand ein Taucher eine ca. 20 cm hohe Christusfigur aus Metall in Kreuzigungshaltung aus der Zeit des Spätmittelalters. Bei der Sanierung der Quelle 1999 kamen frühneolithische Keramikreste, Haken, Feuersteinklingen, Fibeln, Gewehrmunition und eine Schiffsglocke zum Vorschein.

Noch heute werfen wir Münzen in die Quelle und erhoffen die Erfüllung unserer Wünsche.

© Thomas Schuster Heiligenstadt
Über Rhuma, Statthalterin des Rhumesprunges, erzählt die Sage:

„Über Quellen, Flüsse und Teiche herrschte einst die Göttin Holda. Weil sie die Macht über alle Gewässer innehatte, sollte ihr Wohnsitz auch etwas Besonderes sein. Sie wollte in der größten Quelle des Landes wohnen. Um diese Quelle ausfindig zu machen, sandte sie einige Feen und Nixen ihres Hofstaates aus. Eifrig gingen die Dienerinnen auf die Suche, aber etwas wirklich Passendes fanden sie nicht. Die Quellen der großen Ströme, waren alle ungeeignet, so die des Rheins und der Donau.

Mit diesem traurigen Ergebnis kehrten die Wassergeister zur Göttin zurück, die dieser nun vorschlugen, doch in einem der Ströme Wohnung zu nehmen, denn auch dort gebe es schöne Stellen. „Unter keiner Bedingung“, antwortete die Göttin. „Ich will nicht in einem trüben Fluss baden, da dies gegen die Sitte unseres Geschlechts ist, gegen die Ansprüche einer Göttin. Wo erst Menschen gehaust haben, dürfen wir uns nicht niederlassen. Sucht also nochmals, vielleicht findet ihr doch noch eine Quelle, die meinen Wünschen und Ansprüchen entspricht.

Die Feen und Nixen machten sich erneut auf die Suche. Bald aber kamen die meisten von ihnen wieder ohne Erfolg zurück. Als Letzte traf schließlich die kleine Nixe Rhuma ein, die der Göttin freudestrahlend von ihrer Entdeckung berichtete: „An der Südseite des Harzgebirges, zwischen Hügeln, die von mächtigen Eichen und Buchen bewachsen sind, liegt eine Quelle, die sich für deinen Göttersitz eignet. Groß ist die Quelle, hell und klar ist ihr Wasser. Der Wald, von dem sie umgeben ist, lädt zum Spielen ein. In der Mitte der Quelle können wir einen Palast von Granit bauen, und die Ränder fassen wir mit Marmor ein. Den Grund des Quellbeckens pflastern wir mit demselben Gestein. Hirsche, Rehe und andere friedliche Tiere nehmen wir zum Spielen mit in den herrlichen Waldgarten.“

Hocherfreut begab sich Holda mit ihrem Hofstaat zu der beschriebenen Stelle. Sie fand alles genauso vor, wie es ihr die Nixe Rhuma geschildert hatte. Aus Dankbarkeit nannte die Göttin ihren neuen Herrschersitz Rhuma-Sprung, um den Namen der aufmerksamen Nixe zu verewigen.

In der Quelle wurde sogleich ein prächtiger Palast errichtet. Über und unter dem Wasser erstreckte sich der Bau, und aus der Tiefe des marmornen Quellbeckens sprudelte das frische Wasser. Zahlreiche Nebengebäude kamen hinzu, um den großen Hofstaat unterzubringen.

Von diesem Palast aus beherrschte die Göttin Holda von nun an ihr Reich, und sie verteilte unter ihre Nymphen, Feen und Nixen die Statthalterschaft über die Quellen und Flüsse der Welt. Rhuma, ihre Lieblingsnixe, wurde für ewige Zeiten die Statthalterin des Rhumesprunges.

Erst mit der Einführung des Christentums zerfiel das Reich der Königin Holda. Ihr Palast versank in den Tiefen der Quelle. Die Nymphen, Feen und Nixen mussten ihres Dienstes enthoben werden. Rhuma aber, die ihr Gebiet nicht verlassen wollte, wurde auf ihren Wunsch hin noch von der Königin in eine Forelle verwandelt. Wer diese einmal fängt, wird Herr des Rhumesprunges werden.“

Quelle: Infotafel -  https://de.wikipedia.org/wiki/Rhumequelle - Helmut Godehardt: „Die schönsten Eichsfelder Sagen“ – 2005 - Bild: © Thomas Schuster 2013

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