Heimatgeschichte(n) - Heiligenstadt im Eichsfeld

© Thomas Schuster Heiligenstadt
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Heimatgeschichte(n)
Neben der Fotografie interessiere ich mich für mystische Orte und Sagen. Das Eichsfeld und seine Umgebung sind reich an Sagen und Geschichten, die von den Gebrüdern Grimm und anderen Autoren wie zum Beispiel Rudolf Linge, Johann Georg Theodor Grässe und Ludwig Bechstein aufgeschrieben wurden. Durch unser schönes Eichfeld führt die Märchenstraße, die mit den Orten Heiligenstadt (Möhrenkönig) und Mackenrode (Schneeweißchen und Rosenrot) vertreten sind. Auch in der Umgebung [Hoher Meißner (Frau Holle), Sababurg (Dornröschen), Polle (Aschenputtel) und anderer Orte] finden wir Stätten der Grimm‘schen Märchenwelt.

Bisher habe ich in 41 Bänden ca. 410 Sagen, Märchen und interessante Geschichten aufgeschrieben und mit Informationen versehen. Auf dieser Seite möchte ich einige dieser Heimatgeschichte(n) vorstellen.
Die Wüstung Ankerode bei Hilkerode
Am Radweg von Hilkerode nach Brochthausen im Untereichsfeld lag einst das Dorf Ankerode am Ankerberg. An der einstigen Stelle der Kirche steht seit 1914 ein Steinkreuz. Im Jahre 951 wurde der Ort von Otto I. und dem Mainzer Erzbischof Hatto von Mainz dem Kloster Pöhlde übereignet. Während des 16. Jahrhunderts schien das Dorf verlassen worden zu sein, vermutlich während des Bauernkrieges.  Die Informationstafel nennt den Zufluchtsort: „So geht aus einer schriftlichen Mitteilung des Freiherren von Minigerode von 1583 hervor, dass die fünfundzwanzig von Miningerödischen Untertanen in Ankerode, welche den größten Teil der damals wüsten Markgemeinde als Lehn- und Erbenzinsland innehaben, sämtlich nach Hilkerode übergesiedelt sind.“

1982 wurde das Kreuz neu aufgestellt, dabei fand man Knochenreste, Baumaterial, Ziegel, Scherben von Tongefäßen und Gipssteine (Ducksteine).
© Thomas Schuster Heiligenstadt
Die Glockensage von Hilkerode berichtet:

"Vor vielen, vielen Jahren lag zwischen der Eller und dem Rotenberg das reiche und schöne Kirchdorf Ankerode, In der Fehdezeit des Mittelalters wurde es von feindlichen Horden überfallen. Die Bauern des Ortes wollten die wertvolle Glocke nicht den Angreifern überlassen, luden sie deshalb auf einen Wagen und flohen damit. Auf dem Hilkeröder Pfingstanger blieb der Wagen im Morast stecken. Um die Glocke nicht doch in die Hände der Feinde allen zu lassen, kippte man sie vom Wagen. Wie die Bauern erwartet hatten, versank die schwere Glocke in dem sumpfigen Gelände.
Jahrhunderte vergingen, ohne daß je versucht wurde, die wertvolle Glocke auszugraben. Auch war der Ort, an dem man hätte suchen sollen, längst vergessen.

Eines Tages hütete der Hilkeröder Schweinehirt sein Borstenvieh auf dem Pfingstanger. Wohl hatte auch er von seinem Großvater gehört, daß im morastigen Grunde des Angers die Glocke von Ankerode stecken sollte, trotzdem war er nicht wenig erstaunt, als eine von seinen Sauen die Glockenkrone freiwühlte. Erfreut über den wertvollen Fund eilte er ins Dorf, während seine Tochter bei der Herde blieb. Mit Ästen, Stricken und einem Pferdegespann folgten Jung und Alt dem Hirten zur Fundstelle, um den versunkenen Schatz zu bergen. Man machte sich gleich an die Arbeit. Kräftige Männerarme zogen und hoben, aber ihr Mühen war vergeblich. Die Glocke ließ sich nicht heben, sondern steckte unbeweglich im tiefen Morast. „Sie ist verzaubert!“ meinten einige der ratlosen Hilkeröder. Während sie dastanden und nicht weiter wußten, nahm die noch junge Tochter des Hirten ihr Band aus ihren Haaren, knüpfte es an einen dünnen Stock und an die Glockenkrone. Dann zog sie ohne Anstrengung die schwere Glocke aus dem festen Boden.

Sprachlos sahen die Leute das starke Hirtenmädchen an, bis plötzlich laute Freude über die Hebung der schweren Glocke aufkam. Einige Frauen schrien aber: „Das Mädchen ist eine Hexe, schlagt sie tot!“ Jedoch schützten einige Männer das Kind in seiner Not. Dann hoben sie die glänzende Glocke mit Hilfe von Baumstämmen auf den Wagen, fuhren sie zur Kirche und zogen sie in den Turm hinauf. Weithin verkündete ihr feierliches Geläute: „Billaum- Bollaum! Sou fand - Meekens Band, drei Ih'ln lang!“
An der Stelle, wo man die Glocke fand, sprudelt seit ihrer Bergung eine Quelle."

Quelle: Christian Mecke – „Versunkene Schätze des Eichsfeldes - Die schönsten alten Sagen“
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