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Wüstung Gunzerode
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Montag 27 Apr 2026 · Lesezeit 3:30
Tags: WüstungGunzerode
Vielleicht habt ihr die Werbung zur 880-Jahr-Feier der Gemeinden Westhausen und Günterode vor den Orten bemerkt, die dieses Ereignis in diesem Jahr feiern wollen.

Deshalb schaute ich im Urkundenbuch nach und fand die Urkunde, die beide Gemeinden erstmals erwähnte. Hier fand ich auch eine andere Urkunde, in der eine Gemeinde Gunzerode ebenfalls im selben Jahr genannt wurde. Der Name wurde mit Günterode in Zusammenhang gebracht.

Auf die Urkunde, die beide Gemeinden als Erstnennung betreffen, gehe ich später ein.

Urkunde vom 12. August 1146 in Erfurt ausgestellt
Dies ist eine lateinische Urkunde aus dem Jahr 1146, ausgestellt von Erzbischof Heinrich I. von Mainz. Sie dokumentiert eine Schenkung an das Peterskloster in Erfurt durch zwei Brüder. Der Aussteller ist Heinrich I. von Mainz (Erzbischof von 1142–1153). Das Peterskloster in Erfurt war ein bedeutendes Benediktinerkloster. Viele der genannten Orte liegen im heutigen Eichsfeld wie z. B. Bickenriede, Kefferhausen, Wachstedt, Günterode. Kirchberg (Kerbscher Berg) und Herzwinkel (Wüstung) liegen bei Dingelstädt.

Hier ist die Übersetzung ins Deutsche:

„Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit. Ich, Heinrich, von Gottes Gnaden Erzbischof des erzbischöflichen Stuhls von Mainz. Wir wollen allen, die in der Hoffnung auf die Annahme als Kinder Gottes in der Kirche arbeiten, bekannt machen, dass zwei leibliche Brüder, nämlich Folrad und Hertag, Männer freien Standes, nachdem die Gnade des Heiligen Geistes ihre Herzen besucht hatte, das Erfurter Kloster begehrten, welches zu Ehren der Apostelfürsten Petrus und Paulus zum Zwecke der Bekehrung errichtet wurde.
Nachdem sie von den dort Gott dienenden Brüdern gütig in die Gemeinschaft aufgenommen worden waren, opferten sie sich selbst und all ihren Besitz auf dem Altar der vorgenannten Apostel, unter Zustimmung und gleichzeitiger Darbringung ihres Bruders Hermann und ihres Vetters (Sohn des Onkels väterlicherseits) Dietmar sowie der übrigen Verwandten und Freunde.
Und dies ist es, was sie Gott und seinen Aposteln an jenem Tage opferten: In Bichenrid (Bickenriede) eine Mühle und 8 Hufe mit ebenso vielen Hofstätten und zwei Wäldchen; in Ellenhartesrode 3 Hufe; in Hirzwinkele 2 Hufe; in Kirchberc (Kirchberg) 2 Hufe und eine Wiese und 4 Unfreie (Hörige) aus dem Stande der Ministerialen; ebenso in Escherichesrode (Escherode) einen Hof mit allem Zubehör, nämlich drei Hofstätten und 4 Hufe mit dem umliegenden Wald, und auf demselben Hof eine Kapelle und das zu ihr gehörende Zubehör, drei Hofstätten und 8 Hufe, von denen sich einer in Hortene, einer in Keverenhusen (Kefferhausen), einer in Wachstete (Wachstedt), einer in Gunzerode (Günzerode) und drei in Escherichesrode befinden.
Damit aber diese Übertragung den Apostelfürsten Petrus und Paulus gegenüber fest bleibe, haben wir sie mit dem Abdruck unseres Siegels bezeichnet und durch die Autorität unseres Bannes bekräftigt, damit, falls jemand von den vorgenannten Dingen etwas wegnimmt (usurpiert), er vom Fluch der ewigen Verdammnis getroffen werde.
Die Zeugen dieser Sache sind: Heinrich, Propst von St. Marien in Erfurt; Adelhart, Propst von St. Severi; Sinlo, Propst der Regularkanoniker; Folpertus, Propst von St. Ciriacus; Erzpriester Bertoldus; Wernher, Abt des vorgenannten Klosters, und Prior Willehelm sowie der gesamte Konvent.
Freie (Laien): Graf Ernestus, Vogt desselben Klosters; Graf Lampertus; Wigger; Fridericus von Bichelingen.
Ministerialen: Harthunc, Wernher, Sigebolt.
Vollzogen wurde dies im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1146, Indiktion VIII, unter der Herrschaft [König] Konrads. Gegeben am 12. August (II. Idus Augusti) in Erfurt.“

Zur Wüstung
Günzerode, Grutzenrode, Giensrode, Gunzerode.
„Flinsberg, etwa 2000 Schritte südöstlich dieses Dorfes und 3000 Schritte südsüdwestlich des Dorfes Heuten, an der Grenze gegen die Gemeindebezirke Heuten, Kr. H. und Wachstedt, Kr. M. - Der Ort, dessen wüste Mark sich bis zur Ausführung der Gemeinheitsteilung geschlossen erhalten hat, wird von Wolf I, S. 137 unter den eingegangenen Hofen des Amtes Gleichenstein mit dem Hinzufügen genannt, dass die von Bültzingsleben mit 7 Hufen daselbst belehnt waren. …“

Quelle: Urkundenbuch des Eichsfeldes, Teil 1 und Wüstungen von Wintzingeroda-Knorr – Bild: Blick von der vermuteten Wüstung Gunzerode 2019 © Thomas Schuster Heiligenstadt



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