Direkt zum Seiteninhalt
Menü überspringen
Menü überspringen
© www.schuster-heiligenstadt.de
Menü überspringen
Windische Mark im Südeichsfeld
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Samstag 10 Jan 2026 · Lesezeit 4:00
Tags: Völkerwanderung
Sehr interessant sind die Völkerwanderungen und Verschiebungen der Grenzen im frühen Mittelalter. Im Eichsfeld finden wir slawischen Namen wie Worbis, Thalwenden, Windische Gasse, Pfaffschwende, Wendehausen, Wehnde, Wintzingerode …
In der fränkischen Zeit nach dem Untergang des Thüringischen Reiches kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den fränkischen Herzögen und den benachbarte Slawen. Die führte im 9. Jahrhundert zur Errichtung der sogenannten Sorbenmark. Sie bekriegten sich nicht nur, sondern lebten auch friedlich nebeneinander.

Die Wendische Mark war ein spätmittelalterliches Gebiet im heutigen Süden des Landkreises Eichsfeld und westlichen Unstrut-Hainich-Kreis an der Grenze zu Hessen. Ihre genaue Ausdehnung ist nicht bekannt; vermutlich reichte sie von Ershausen bis zum Landgraben bei Faulungen. Die Region gehörte zur Germarmark und später zum Amt Bischofstein. Im Laufe der Zeit wurde sie nach Südosten erweitert und war kein offizieller Amtsbezirk.

„Im dritten Jahre nach dem Tode des Kaisers Justinus und nach dem Regierungsantritt des siegreichen Tiberius brach das verwünschte Volk der Slawen auf, durchzog ganz Hellas, die thessalischen und thrakischen Provinzen, nahm viele Städte und Kastelle ein, verheerte, verbrannte, plünderte und beherrschte das Land und wohnte darin ganz frei und ohne Furcht, wie in seinem eigenen. Das dauerte vier Jahre lang und so lange wie der Kaiser mit dem Perserkrieg beschäftigt war und alle seine Heere nach dem Orient schickte. Dadurch hatten sie im Lande freies Spiel, bewohnten es und breiteten sich bald darin aus ... Und so ist es auch heute noch, im Jahre 895 (d.h. 584 u.Z. - d. V.). Sie leben und verweilen ruhig und sorglos in den römischen Provinzen, plündernd, mordend und brennend, sind reich geworden und besitzen Gold und Silber, Pferde-Herden und viele Waffen und haben gelernt, Krieg zu führen . . .“

Johannes von Ephesus - Kirchengeschichte

Die Slawenwanderung über Thüringen bis zum Main
„Seit der Zeit der Einwanderung gerieten slawische Siedlergruppen in Verbindung zum fränkischen Reich. Sie drangen über dessen Grenzen in Thüringen, in die Altmark und in Sachsen ein oder wurden von Fürsten und Adel des Frankenreiches ins Land gerufen. Auf diese Weise legten slawische Einwanderer ihre Siedlungen bei Weimar und Erfurt, im Herzen Thüringens, an und nahmen große Landstriche an Main und Regnitz in Nordostbayern ein. Sie bildeten zum Teil eigene Siedlungsgemeinschaften, die man gegen Tribute bzw. Abgaben vom fränkischen Feudaladel zum Landesausbau, zur Neurodung und Kultivierung des Landes einsetzte. Nicht wenige mögen als Gefangene ins Land gekommen sein. So nutzten beispielsweise die Alemannen im Jahre 631 ihren Erfolg gegen den Stammesverband Samos in Böhmen und Mähren, um eine riesige Menge gefangener Slawen mit sich zu schleppen. Kleinere Gruppen slawischer Ansiedler wurden - ebenso wie die einheimischen thüringischen, fränkischen oder bayrischen Bauern - in die feudaladligen Grundherrschaften einbezogen und der feudalen Ausbeutung unterworfen. Die Dörfer erhielten entsprechende Namen, die sich aus teils germanischsprachigen, teils slawischsprachigen Komponenten zusammensetzten, wie Arnoltici (Leute des Arnolt), Winidi (germanische Bezeichnung für eine slawische Siedlung) oder auch Nemci, z. B. Nimtschen, als slawischsprachige Bezeichnung für eine germanische Ansiedlung. Alle drei Namentypen finden sich bis zum Main und zeugen vom friedlichen, symbiotischen, nachbarschaftlichen Zusammenleben der arbeitenden Menschen beider Nationalitäten.
Anders sah es in der politischen Geschichte aus. Gegenüber den slawischen Stammesgewalten, deren Fürsten und Gefolgschaften errichtete der fränkische Staat an Saale und Elbe und in Ostholstein ganze Ketten von Befestigungsanlagen. Eine große Anzahl fränkischer Burgen entstand seit dem 8. Jh. Ebenso suchten die slawischen Stämme ihre Gebiete zu sichern. Um diese Grenzlinien pendelten im 8./9. Jh. im wesentlichen die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Frankenreich und slawischen Stämmen.
Kriegszüge, wie die Karls im Jahre 789 gegen die Wilzen, zwangen slawische Stammesverbände im fränkischen Vorfeld zeitweilig in Abhängigkeit, veränderten jedoch die politisch-militärischen Verhältnisse nicht grundlegend. Während es im Saalegebiet und an der mittleren Elbe unter den Bedingungen der offenen Landschaft und der intensiven germanisch-slawischen Mischsiedlung innerhalb des Frankenreiches seit dem Ende des 6. Jh. zu mannigfachen Formen germanisch-slawischen Zusammenlebens kam, aus dem die sozialen Schichten der ostfränkisch-deutschen Feudalgesellschaft dieser Gebiete hervorgingen - Knechte und Leibeigene, Hörige, Grundherren und Dienstadel-, bildet sich an der unteren Elbe eine stabile Grenze heraus. Limes Saxonicus genannt, an der sich Sachsen und Obodriten bis zum 12. Jh. gegenüberstanden. …“

Quelle: Eigene Aufzeichnungen; Joachim Herrmann: „Welt der Slawen“ Beitrag von Karl Wilhelm Stuve - Bild: KI erstellt nach meinen Vorgaben.



Zurück zum Seiteninhalt