Wilhelm Hagedorn: Die Neunbörner
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Dienstag 10 Mär 2026 · 1:15
Tags: Effelder, Luttergrund
Tags: Effelder, Luttergrund
Die Neunbörner
Im Luttergrunde rauscht ein Bach, kristallenklar und mild,
der unterm grünen Waldesdach dem Börnersberg entquillt.
Neunborner wird der Bach genannt, weil er neun Quellen hat,
versieget nie, ist weit bekannt als Kress'kulturenstatt.
Er hat nicht Ruhe früh und spät, sein Tun ist lauter Fleiß.
Er wirft sich bald aufs Mühlenrad und drehet es im Kreis.
Ohn' Unterlaß zum Lutterbach eilt er geschäftig fort,
und beut mit ihm vereint sein Naß der Luttermühle dort.
Er fließt zur Klostermühle hin und dreht dort ihr Getriebe,
zur Spitzmühle mit frohem Sinn, er wird nicht matt, nicht müde.
Ins Hochbassin treibt er mit Kraft das Gläsnerwasser aus dem Grund,
beschützt die Höh' vor Wassernot, macht alle dort gesund.
Nimmt dann den Lauf zur Frieda hin, zur Werra, Weser fort,
und grüßt mit bied'rem Wandersinn der grünen Ufer Bord.
Froh nimmt ihn Bremens Hafen auf, durch ihn zieht er zum Meer,
wo stolzer Schiffe schwere Last er spielend trägt umher.
Und küßt ihn dort der Sonne Glut hinweg mit heißem Blick,
dann kehret er als Regenguß und Himmelstau zurück.
Ein kleiner Bach, der emsig schafft. Aus Bächen, Flüssen wird ein Meer.
Ihr seht, es ist vereinter Kraft kein hohes Ziel zu schwer.
Du kleiner Bach, dies hohe Ziel verfolgest stetig du.
Drum schaut' ich deinem Wasserspiel, so oft ich konnt', gern zu.
Ich liebe dich, du kleiner Bach, der du so plaudernd fließt
und mich so traulich manchen Tag als deinen Freund begrüßt.
Wilhelm Hagedorn aus Effelder
Quelle: Eichsfelder Heimatbuch 1956