Walter Rassow: Die Etzelsbachkapelle
„Jetzt Wallfahrtskapelle, an der Stelle der Wüstung Etzelbach; am gleichnamigen Bache, einem Nebenfluß der Leine, ein Kilometer östlich von Steinbach belegen. An Ort und Stelle heißt die Kapelle „Die Klus“, Das Dorf Achzelsbach, an dessen Stelle die Etzelsbachkapelle steht, ist bei seiner ersten Erwähnung im Jahre 1556 schon wüst. Ob es eine Kapelle gehabt hat, kann nicht erwiesen werden. Wolf nennt zwar Etzelsbach im Jahre 1809 eine zerstörte Kirche, einen ehemals geweihten Ort („ecclesia deolata" - „locus quondam votivus"), aber ohne Begründung.
Die bis vor einigen Jahren vorhandene, 1707 erbaute Wallfahrtskapelle, wird zuerst 1709 erwähnt. Wolf berichtet, daß nach der Kapelle alljährlich drei Wallfahrten stattgefunden hätten; statt dieser drei finden jetzt vier statt. Die erste und letzte Wallfahrt sind um je acht Tage später gelegt, und neu eingeschoben ist nach dem ersten Wallfahrtstage die Wallfahrt auf „Maria im Schnee“ (5. August). Nach der Überlieferung soll nach der Zerstörung des Dorfes Etzelsbach im Jahre 1525 auf einer Wiese des Ortes eine Statue der Mutter Gottes gefunden worden sein, die dann in der Kapelle zur Verehrung ausgestellt wurde. Sie heißt jetzt das Gnadenbild.
Die Verehrung derselben und die Wallfahrten dahin sind offenbar auf den mit sehr vielen Irrtümern versehenen Bericht des Geistlichen Johann Simmerott zurückzuführen, der die Pfarreien Beuren und Wingerode um 1560 verwaltet haben soll.
Die zierliche Fachwerkkapelle vom Jahre 1707 ist vor einigen Jahren abgebrochen, aber glücklicherweise kurz vorher photographiert worden. Sie ist „Maria Auffahrt“ geweiht. Am Neubau, in gotisierender Form, ist außen an der Fassade eine Pieta von 1805 wieder angebracht. Im Inneren der heutigen Kapelle sind nur noch folgende, anscheinend alte Stücke wieder verwandt:
unter modernen Altären zwei plastische Bildwerke: das eine stellt die schmerzhafte Mutter Gottes dar, das oben genannte Gnadenbild, das andere Maria-Selbdritt, also die Mutter Anna mit Maria und dem Jesuskinde; anscheinend aus dem 16. Jahrhundert.
Auf halbem Wege von Steinbach her und vierzig Meter vor der Kapelle findet sich je eine schöne, derbe, steinerne Votivnische, von Gebrüdern Wiederhold (1792) hergestellt. Die letztere hat im Giebel MRA und ferner die Inschrift:
VIRGO DEI
GENETRIX PRE
COR HORA SIT UL
TIMA FELIX
M …
Das übrige ist verwittert.“
Inschrift:
"Jungfrau, Gottesmutter, ich bitte (dich): Möge die letzte Stunde glücklich sein."
Dieser Spruch ist ein traditionelles christliches Stoßgebet, meist mit Blick auf die eigene Sterbestunde (die "letzte Stunde"). Der Verfasser bittet Maria um Beistand, damit das Lebensende friedvoll und gnadenreich verläuft.
Quelle und Bild: Walter Rassow: „Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Worbis.“ – Verlag Cordier 1994 - Abbildung 255. Etzelsbach. Alte Fachwerkkapelle.