Vor fast 100 Jahren schwebte ein Zeppelin über Heiligenstadt
In der Nacht vom 17. auf den 18. September 1929 erlebten die Einwohner von Heiligenstadt eine große Sensation: Das Luftschiff „Graf Zeppelin“ überflog die Stadt. Auf seiner Rückfahrt nach Friedrichshafen kam es aus Richtung Göttingen und passierte auch das Eichsfeld. Da sich die erwartete Flugzeit herumgesprochen hatte, versammelten sich mehrere hundert Menschen auf den umliegenden Höhen, um das Ereignis mitzuerleben.
Gegen 1:20 Uhr war zuerst das Geräusch der Propeller zu hören, kurz darauf erschien das Hecklicht am Himmel. Wenige Minuten später zog der Zeppelin majestätisch über Heiligenstadt hinweg – in nur etwa 300 bis 400 Metern Höhe. Bei hellem Mondschein soll sogar der Schriftzug auf der silbern glänzenden Hülle zu erkennen gewesen sein. Augenzeugen berichten, dass Menschen das Deutschlandlied sangen und aus der beleuchteten Gondel zurückgewinkt wurde. Gegen 1:45 Uhr drehte das Luftschiff nach Osten ab und verschwand in Richtung Dingelstädt. Rund sechs Stunden später landete es sicher in Friedrichshafen.
Der „Graf Zeppelin“ (LZ 127) war das erfolgreichste Luftschiff seiner Zeit und markierte den Höhepunkt der Zeppelin-Luftfahrt. Er war nach Ferdinand Graf von Zeppelin benannt und hatte seinen Erstflug am 18. September 1928 – genau ein Jahr vor dem denkwürdigen Überflug über Heiligenstadt.
Mit der Katastrophe der „Hindenburg“ am 6. Mai 1937 in New York wurden die Passagierfahrten eingestellt. Heute kann man mit einem Zeppelin über den Bodensee fahren. Übrigens: Ballon und Zeppelin fliegen nicht – sie fahren.
Quelle: Eigene Aufzeichnungen – Bild: Zeppelin über dem Dün © Thomas Schuster Heiligenstadt