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Tradition: Die Wilde Jagd und die Raunächte
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Zeitgeschehen · Dienstag 30 Dez 2025 · Lesezeit 2:45
Tags: RaunächteWildeJagd
Die Sage von der Wilden Jagd, auch Wildes Heer genannt, ist in ganz Deutschland, in anderen deutschsprachigen und nordischen Ländern verbreitet und reicht bis in vorchristliche, germanische Zeiten zurück. Sie gehört zu den bedeutendsten Volkssagen und wird bis heute weitererzählt, auch wenn kaum noch jemand behauptet, sie selbst erlebt zu haben.

Die Wilde Jagd erscheint meist in stürmischen Winternächten, besonders während der Zwölf Heiligen Nächte, der Fasnachtszeit und zu bestimmten Festtagen. Man hört ein lautes Toben in der Luft: Peitschenknallen, Hörnerklang, Hundegebell und Pferdegetrappel. Oft sieht man nichts, manchmal aber einen Reiter auf einem weißen Pferd, begleitet von Hunden oder einer Schar Reiter. Die Erscheinung zieht immer auf festen Wegen, oft entlang alter Grenz- oder Kultstraßen, und erscheint zur gleichen Zeit jedes Jahres.

In engem Zusammenhang mit der Sage stehen alte Bräuche. Maskierte Burschen stellten in bestimmten Festzeiten die Wilde Jagd dar. Wo sie tanzten oder umherzogen, glaubte man an Fruchtbarkeit und reichen Ernteertrag. Das Wilde Heer galt ursprünglich als segensbringend: Es bestand aus den Seelen gefallener Krieger, die aus dem Totenberg hervorkamen, um den Lebenden Glück und Schutz zu bringen.

Später wandelte sich die Deutung. Die Wilde Jagd wurde mit Unheil oder Krieg in Verbindung gebracht, besonders wenn sie zu ungewöhnlichen Zeiten erschien. Der Anführer des Heeres wurde häufig als „Wilder Jäger“ bezeichnet. Sein ältester Name ist jedoch Wodan (Odin), der germanische Kriegsgott. Die Wilde Jagd ist damit ein Überrest des alten Glaubens an Odin und seine gefallenen Krieger, die sich für den Endkampf versammelten.

Viele spätere Erklärungen – etwa, der Wilde Jäger sei ein verfluchter Förster – gelten als jüngere, christlich geprägte Deutungen. Im Kern bleibt die Sage ein Zeugnis sehr alter, heidnischer Vorstellungen, in denen sich Mythos, Volksglaube und Brauchtum eng miteinander verbinden.

Raunächte
Die Raunächte, auch „12 heiligen Tage“ genannt, beginnen meist am 25. Dezember und enden am 6. Januar. Sie stehen auch symbolisch für die kommenden 12 Monate. In einigen Gegenden beginnen sie auch am 21. Dezember, zur Wintersonnenwende. Die Natur und der Mensch bereiten sich auf die Wiedergeburt des ewigen Lichtes vor. Die Tage werden wieder länger, die Sonne gewinnt an Kraft.

An diesen Tagen, wo nicht gearbeitet wurde, verbreiteten sich viele Bräuche. So werden geliehenen Sachen zurückgebracht, Schulden begleichen, Rechnungen bezahlt, alte Angelegenheiten geklärt, Rückschau gehalten, aufgeräumt und geputzt und das alte Jahr abgeschlossen. Diese Traditionen sind auch heute noch für uns Eichsfelder wichtig.
An diesen Tagen, so sagt man, kann man in die Zukunft schauen und mit anderen Welten in Kontakt treten. Träume gehen während der Raunächte in Erfüllung und man reinigt sich vom Ballast des alten Jahres. Dämonen und Geister werden während in dieser Zeit vertrieben.

Man sagt, dass Tiere in den Raunächten um Mitternacht sprechen können – doch dies soll tödlich für Zuhörer sein. Für Glück im nächsten Jahr werden an Silvester alle Türen und Fenster außer der Hintertür eine halbe Stunde vor Jahreswechsel geschlossen, damit das neue Jahr durch die offene Tür eintreten kann.

Quelle: Eigene Aufzeichnungen – Bild: Wilde Jagd über dem Hanstein - erstellt von KI © Thomas Schuster Heiligenstadt


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