Slawen und Sachsen
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Mittwoch 01 Okt 2025 · 2:45
Tags: Slawen, und, Sachsen
Tags: Slawen, und, Sachsen
Wie wir bereits wissen, finden wir hier im Eichsfeld viele Namen slawischen Ursprungs. So weist der Name „Thalwenden“ auf slawische Besiedlung hin und die Heiligenstädter Neustadt wurde vorwiegend von Wenden gebaut und besiedelt. Den Namen finden wir noch heute in der „Windischen (Wendischen) Gasse“. Der Name „Wenden“ ist eine alte Bezeichnung für Slawen. Dieser ist erst ab dem 11./12. Jahrhundert gebräuchlich, Thalwenden (1055 Dalewinthun) und die Heiligenstädter Neustadt (1227) wurden ja erst später erwähnt und erbaut. Bei uns in Deutschland bezeichnete man die Sorben auch als Wenden.
Ob die Wenden in Heiligenstadt in der Windischen Gasse angesiedelt worden sind, wie die Juden auf dem Jüdenhof, ist mir bisher unbekannt. Da der Name „Wenden“ aber eine Abgrenzung zur einheimischen Bevölkerung war, ist meine Vermutung sehr wahrscheinlich. Auch der Name „Schöllbach“ weist auf slawischen Ursprung hin. So bedeutet der Name „scil“ = rieselnder Bach.
Zu dem Thema auf unserem Gebiet schreibt der Forscher Karl Wilhelm Stuve:
„Die slawische Nordwestwanderung gelangte kaum über die mittlere und untere Elbe hinaus. Es waren die Sachsen, die die weitere slawische Expansion in das norddeutsche Flachland verhinderten. Südlich der Sachsen erstreckte sich seit 531 der Machtbereich der Franken. In diesem Jahr hatten die Sachsen auf Seiten der Franken an der Vernichtung des Königreiches der Thüringer teilgenommen. Ihnen waren dafür ehemalige thüringische Gebiete zugefallen. Für diese hatten sie jedoch den Franken fortan jährlich Tribut zu leisten.
In der Folgezeit des 6. und 7. Jh. beziehen sich alle historischen Nachrichten, die den fränkisch-sächsischen Grenzraum betreffen, auf die schwierige Situation der fränkischen Herrschaft in Thüringen. Die Franken konnten sich während der Awarenvorstöße 562 und 566 nur mühsam behaupten. In den folgenden Jahrzehnten drangen slawische Einwanderer in diese Gebiete vor. Als es den Slawen in Böhmen und Mähren um 630 gelang, sich von der awarischen Herrschaft zu befreien und das Samoreich zu gründen (siehe Kap. III), wurde die Lage für den fränkischen Vorposten in Thüringen erneut bedrohlich. Wir erfahren nämlich, daß die bis dahin mit den Franken verbündeten slawischen Sorben unter ihrem Fürsten Derwan 631 ins feindliche Lager zu Samo übergingen und nun wiederholt in Thüringen einfielen. Bei dieser Gelegenheit werden zum ersten Male Sachsen und Slawen in einem Zusammenhang erwähnt. Es heißt nämlich, Sachsen hätten dem fränkischen König Dagobert angeboten, den Schutz an der Slawengrenze gegen Erlaß der jährlichen Tribute zu übernehmen. Einzelheiten erfährt man nicht, doch soll die sächsische Abwehr wenig erfolgreich gewesen sein. Erst der von Dagobert (629-638) in Thüringen eingesetzte fränkische Herzog Radulf, der die einheimische thüringische Bevölkerung mobilisierte, brachte die Slawen an der Saale zum Halten. Er scheint sich dann um freundschaftliche Beziehungen zu den slawischen Nachbarn bemüht zu haben.“
Quelle: Eigene Aufzeichnungen, Joachim Herrmann: „Welt der Slawen“ Beitrag von Karl Wilhelm Stuve – Bild: Windische Gasse in Heiligenstadt 2023 vom Kirchturm St. Ägidien. Direkt hinter den Häusern verläuft die Stadtmauer, die zum Geisleder Tor führt. (Torwache) © Thomas Schuster Heiligenstadt