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Schafskälte
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Zeitgeschehen · Dienstag 09 Jun 2026 · Lesezeit 3 Minuten
Tags: Schafskälte
Die Schafskälte tritt in diesem Jahr zwischen dem 4. und 20. Juni auf, wobei der meteorologische Höhepunkt traditionell um den 11. Juni (den Lostag des heiligen Barnabas) herum erwartet wird.

In diesem Zeitraum strömt oftmals kalte Polarluft nach Mitteleuropa, was die Temperaturen um bis zu 10 Grad abkühlen lassen kann. Ihren Namen hat diese Wetterphase von den frisch geschorenen Schafen, die in dieser Zeit besonders unter dem plötzlichen Kälteeinbruch leiden.

„Schafskälte“
Bericht der Thüringischen Landeswetterwarte vom 4. bis 10. Juni 1932

„Auf der Rückseite des über Finnland liegenden Tiefdruckgebietes erfolgte ein neuer Vorstoß kühler maritimer Polarluftmassen aus Nordwesten in der Nacht zum Sonnabend in Begleitung von Gewittern und länger andauernden Regenfällen, die erst im Laufe des Nachmittags bei zeitweise aufbrechender Wolkendecke zu Ende gingen. Die Besserung war nur vorübergehend, da sich die südwesteuropäischen Tiefdruckgebiete mit dem finnischen Tief zu einem ganz Mittel- und Osteuropa bedeckenden Tiefdrucksystem zusammenschlossen, während westlich von Großbritannien und Spanien ein mächtiges Hoch lagerte. Demzufolge verschärfte sich die Bewölkung schon am Sonntag, die bald wieder ausgedehnte, lang anhaltende Regenfälle bis zum Montag abend und starke Abkühlung bei rein nördlichen Winden zur Folge hatte.

Das am Dienstag und Mittwoch von Südwesten her dem weichenden Finnlandtief energisch nachstoßende Azorenhoch brachte allmählich Aufheiterung bei unverändert kühler, nun aus Nordwesten einströmender Luft, die sich tagsüber unter dem Einfluß der Sonnenstrahlung nur mäßig zu erwärmen vermochte. Am Donnerstag lagerte ein selbständiger Kern des Azorenhochs über Frankreich und den Alpen, der sich langsam nordostwärts weiterbewegte. Bei abflauendem Nordwest näherte sich die Temperatur tagsüber wieder sommerlichen Werten, um bei völlig wolkenlosem und ganz windschwachem Wetter in der Nacht zum Freitag durch Ausstrahlung in Thüringen örtlich bis unter 5 Grad zu sinken. Damit ist der bekannte Kälterückfall des ersten Junidrittels, der im Volksmunde vielerorts Schafskälte genannt wird, beendet.

Die „Schafskälte“ gibt sich allen Meteorologen fast in jedem Jahre und besonders scharf ausgeprägt in den langjährigen Temperaturmittelwerten zu erkennen, deutlicher noch als der Mai-Kälterückfall der berüchtigten Eisheiligen; da aber die Schafskälte nur ganz selten einmal zu Nachtfrösten führt und daher volkswirtschaftlich weniger Schaden anzurichten pflegt, wird sie weniger beachtet. Inzwischen hat das isländische Tief eine südwärts bis nach Spanien reichende Furche tiefen Druckes vorgeschoben, die sich über Frankreich zu einem selbständigen Tief zu entwickeln scheint. Unser Hoch weicht weiter nordwärts zurück und wird, wie der Druckfall über Mittel- und Süddeutschland anzeigt, abgebaut. Dadurch wird zum Wochenende nach kräftiger Erwärmung wieder mit stärkerer Bewölkung und mit Gewittern zu rechnen sein.“

Quelle: Jenaer Volksblatt vom 11. Juni 1932


Quelle: Eigene Aufzeichnungen - Bild: Dieteröder Klippen mit eingefügten Schafen 2026 © Thomas Schuster Heiligenstadt


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