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Schacht Felsenfest
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Dienstag 15 Sep 2026 · Lesezeit 2 Minuten
Tags: Hüpstedt, Schacht, Felsenfest
Der Schacht Felsenfest war ein alter Kalischacht am nordöstlichen Ortsrand von Hüpstedt. Er gehörte zum ehemaligen Kaliwerk der „Gewerkschaft Felsenfest“, dass im Zuge des thüringischen Kali-Booms Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurde.

Das Kaliwerk wurde im Jahr 1910 gegründet, nachdem im Jahr 1907 erfolgreiche Erkundungsbohrungen am Hüpstedter Körnerberg stattgefunden hatten. Die Arbeiten am Schacht begannen am 15. Dezember 1909. Bis Ende 1911 war eine Teufe (Tiefe) von 337,5 Metern erreicht. Mitte 1912 stieß man schließlich bis auf 680 Meter vor. Beim Vortrieb stießen die Bergleute in einer Tiefe zwischen 212 und 366 Metern auf massive Wasserzuflüsse von teilweise bis zu 500 Litern pro Minute. Aus diesem Grund mussten in diesem Bereich eine Schale zur Schachtsicherung eingebaut werden.

Der Schacht besaß einen Durchmesser von 4,5 Metern. In der Tiefe stieß man auf wertvolle Kalisalze. Das Kalilager wies eine Gesamtmächtigkeit von 14,25 Metern auf und bestand aus Schichten von Sylvinit (mit einem hohen Reinkaligehalt von rund 25 %) und Carnallit. Der Schacht Felsenfest lag etwa 1200 Meter von der Doppelschachtanlage Hüpstedt (Schacht II und III) entfernt. Die Werke waren damals über eine eigene Grubenanschlussbahn an das Eisenbahnnetz angebunden. Die Schachtanlagen wurden stillgelegt und die Schachtöffnung sicher verschlossen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bauten die Nationalsozialisten im nahegelegenen Hüpstedter Wald eine militärische Infrastruktur aus, um eine Abschussrampe für V2-Raketen zu errichten. Um das Material und die schweren Raketen zu transportieren, wurde eine Anschlussbahn hinter dem Werksbahnhof des Kalischachtes direkt in den Wald verlegt. Diese Strecke zweigte von der Bahnstrecke Silberhausen–Hüpstedt ab. Zeitzeugen berichteten nach dem Krieg von mobilen Abschusslafetten und schätzungsweise 15 bis 20 V2-Waffen, die auf dem bewaldeten Plateau des Dün in nördliche Richtung ausgerichtet waren. Zum tatsächlichen scharfen Einsatz der Raketen von diesem Standort aus kam es vor dem Einmarsch der alliierten Truppen im Frühjahr 1945 jedoch nicht mehr oder nur in minimalem, kaum dokumentiertem Maße. Nach dem Krieg ging die Bahnanbindung kurzzeitig in regionale Verwaltung über, bevor die Gleisanlagen im November 1947 als Reparationsleistung für die Sowjetunion vollständig demontiert wurden.

Quelle: Eigene Aufzeichnungen – Bild: Aus dem Fundus von Michael Schön


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