Sagen zur Sommersonnenwende und ihre Bräuche
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Zeitgeschehen · Dienstag 23 Jun 2026 · 3 Minuten
Tags: Sommersonnenwende
Tags: Sommersonnenwende
Die Sommersonnenwende – die kürzeste Nacht und der längste Tag des Jahres – fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden. Um diese magische Zeit ranken sich unzählige Mythen, Bräuche und Sagen.
Eine besonders schöne und atmosphärische alte Geschichte stammt aus der europäischen Volkssaga und dreht sich um die magischen Kräfte der Mittsommernacht, in der die Grenze zwischen unserer Welt und der Geisterwelt hauchdünn wird.
In vielen Regionen Mitteleuropas erzählte man sich früher am Dorfabend die Geschichte vom Farnkraut, das nur ein einziges Mal im Jahr blüht: exakt in der Geisterstunde der Sommersonnenwende. Der Glaube besagte, dass der Farn eigentlich keine Blüten trägt – außer in dieser einen, magischen Nacht. Punkt Mitternacht, so hieß es, treibt die Pflanze eine leuchtend rote oder goldene Blüte, die wie eine kleine Flamme im Dunkeln glüht. Doch diese Blüte verblüht innerhalb weniger Augenblicke und fällt unhörbar zu Boden. Wer es schaffte, diese flüchtige Blüte zu fangen, dem wurden übernatürliche Kräfte verliehen: Man konnte plötzlich das Flüstern der Bäume, die Sprache der Tiere und den Gesang der Vögel verstehen. Die Blüte verlieh die Fähigkeit, durch die Erdoberfläche zu blicken und verborgene Schätze oder alte Goldadern zu sehen, die tief im Boden vergraben lagen. Trug man die Blüte bei sich, konnte man sich unsichtbar durch die Welt bewegen.
Die Geschichte war jedoch immer auch eine Warnung. Viele junge Männer und Frauen zogen in der Sonnenwendenacht mutig (oder leichtsinnig) allein in die tiefsten Wälder, um den blühenden Farn zu suchen.
Der Sage nach war der Wald in dieser Nacht jedoch voller Trugbilder, Irrlichter und Waldgeister. Die Geister taten alles, um die Schatzsucher abzulenken, sie in die Irre zu führen oder ihnen Angst einzujagen. Man durfte unter keinen Umständen vom Weg abkommen oder sich umdrehen, wenn man seinen Namen flüstern hörte – sonst war man für immer im Dickicht verloren.
Diejenigen, die mit reinem Herzen und festem Willen suchten, kehrten manchmal am nächsten Morgen verwandelt zurück: Sie brauchten keinen materiellen Reichtum mehr, denn sie hatten die tiefe Weisheit der Natur geschaut.
Diese Geschichten entstanden nicht von ungefähr. Sie spiegeln den realen Glauben wider, dass die Natur zur Sommersonnenwende auf dem Höhepunkt ihrer Kraft steht. Kräuter, die in dieser Nacht gesammelt wurden (wie das Johanniskraut, das damals oft „Sonnwendkraut“ genannt wurde), galten als doppelt so heilkräftig wie sonst. Man band sie zu Kränzen, um Mensch und Vieh vor Unheil zu schützen. Das Entzünden der großen Sonnenwendfeuer auf den Bergen sollte die Kraft der Sonne stärken und böse Dämonen fernhalten. Gleichzeitig galt der Tau, der am Morgen nach der Sonnenwende auf den Wiesen lag, als Schönheits- und Heilmittel.
Quelle: Eigene Aufzeichnungen – Bild: Altenstein 2021 von KI aufbereitet © Thomas Schuster Heiligenstadt