Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Richtklotz zeugt von früherer Exekutive (2/2)

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · 2 August 2020
Tags: RichtebergEichsfeldmuseum
„Die mithin wohl grausamste Strafe, das Rädern, wurde am 24. März 1830 auf dem Richtplatz bei Heiligenstadt an dem Ackerknecht Johann Joseph Schuchardt aus Kefferhausen vollzogen wegen dreifachen Mordes. Schuchardt hatte mit einer Dorothea Elisabeth Eckhardt, mit der er seit 1822 intime Beziehungen unterhält, zwei uneheliche Kinder. Sich der Frau und ihrer „Zudringlichkeit“ und der Kinder zu entledigen, plante und führte er einen grausamen Mord aus. In geheuchelter Absicht, die Frau zu heiraten, bestellte er diese sowie den vierjährigen Jungen und das eineinhalbjährige Mädchen unter dem Vorwand, mit ihnen zur Eheschließung nach Heiligenstadt zu gehen, in der Nacht vom 10. zum 11. Juni 1828 zur Scheune seines Grundstückes. Dort erwürgte er die drei, verscharrte die Leichen in der Scheune. Der Mordverdacht fiel sogleich auf ihn. Schuchardt konnte nach der ersten Verhaftung fliehen, wurde wieder ergriffen und gestand schließlich die scheußliche Tat.

Im Falle der zweiten Hinrichtung handelte es sich um den 60jährigen Schmied Johann Georg Urbach aus Lengefeld. Für sein von ihm verkauftes Schmiedehandwerkzeug hatte er 20 Reichstaler erhalten, die ihm am 30. April 1834 entwendet wurden. Er bezichtigte - wohl nicht ganz grundlos - einen Johann Georg Bickel des Diebstahls. Dieser drohte ihn wegen Belästigung anzuzeigen. Daraufhin erschlug Urbach am Abend des 12. Mai 1836 den Johann Georg Bickel mit einer Steinhacke im Schlafe. Obwohl er alle Spuren sorgsam zu verwischen suchte, wurde er schließlich der Tat überführt. Das am 22. Dezember 1836 auf dem Heiligenstädter Richtplatz vollstreckte Urteil lautete: „ ... mit der Strafe des Rades von oben herab vom Leben zum Tode gebracht zu werden“.

Die Enthauptung der Margarethe Hübenthal geb. Stitz am 13. Dezember 1856 bildete die letzte Hinrichtung in Heiligenstadt. Diese Frau hatte sich nach 23 Jahren Ehe von ihrem Mann getrennt und war von Rustenfelde nach Birkenfelde gezogen. Hier brachte sie ihre Tochter Dorothea Elisabeth zur Welt. Diese nun heiratete später den Landarbeiter Lorenz Koch, ein zank- und streitsüchtiger Mensch, der den beiden Frauen das Leben schwer machte. Am Morgen des 25. Mai 1855 alarmierten Mutter und Tochter Nachbarn und Verwandte, Lorenz Koch sei in der vergangenen Nacht vor der Haustür überfallen und von mehreren Personen mißhandelt worden. Man fand Lorenz Koch, aus 19 Kopf- und Gesichtswunden blutend, besinnungslos im Bett, wo er kurze Zeit darauf starb.

Nach längerem Verhör endlich gestanden Margarethe Hübenthal und deren Tochter, den in der Nacht vom 24. zum. 25. Mai betrunkenen heimgekehrten Lorenz Koch mit einer Hacke bzw. einem Beil „traktiert“ zu haben. Sie, Margarethe Hübenthal habe den Mord schon lange geplant und ihre Tochter zur Teilnahme überredet. Margarethe Hübenthal wurde wegen Mordes zum Tode, ihre Tochter wegen Todschlags zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt.

In Heiligenstadt wurde übrigens – so Johannes Müller – das Amt des Scharfrichters vom Wasenmeister (Abdecker) ausgeübt. Scharfrichteramt und Wasenmeierei hatte die Familie Lukas 1793 für 1.00 Taler von der Scharfrichterwitwe Gärtler gekauft. Ein Christoph Lindemeier pachtete 1835 von Lukas das Amt.

© Thomas Schuster Heiligenstadt

Quelle: Thüringer Tageblatt 1988, E.B. Foto: Galgenhügel © Thomas Schuster 2014 (bearbeitet)



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