Nikolaus Görich: Der Name Anrode
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Samstag 15 Aug 2026 · 2 Minuten
Tags: Anrode;, Name
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„Der Name Anrode ist verschieden gedeutet worden. In keinem Falle mit zweifelloser Sicherheit. Die einen leiten das Wort her von „Am Rode“. Demgemäß würde es eine Gründung sein an einer neuen Rodung. Für viele Feldfluren unserer Gegend wird diese Erklärung ganz gewiß zutreffen. So für das Anrode 1 ½ km nordöstlich von Effelder; ferner für „Am Rode“ bei Dingelstädt und bei Ershausen; für das Änrot 1 km n. ö. von Horsmar; für das Anrod n. w. von Ammern und für das Anrode südlich vom Vorwerk Karnberg bei Kleintöpfer. Man könnte diese Deutung auch für unser Anrode gelten lassen, wenn nicht die ältesten urkundlichen Aufzeichnungen dagegen sprächen.
Andere entscheiden sich darum für Ableitung des Wortes von einem Personennamen: Anno (d.i. Kurzform von Arnold) oder Anna. Also Rodung eines Anno oder einer Anna. Die ältesten Urkunden unsers Ortes Anrode sprechen sämtlich dafür. In der Urkunde von 1267 ist die Rede von Annenrode, in der von 1268 heißt es Annerod,1269 Annenrot, 1270 Anninrod. Gelehrte wie Wintzingeroda-Knorr und Universitätsprofessor Edward Schröter Göttingen stimmen dieser Deutung unsers Anrode zu.
Eine dritte Annahme möchte den Ortsnamen mit dem kirchlichen Patrozinium in Verbindung bringen. Patrone des Anröder Gotteshauses waren im Mittelalter die hl. Apostel Andreas und Johannes. Merkwürdigerweise trat in der Klosterzeit das Patronat des hl. Johannes immer mehr zurück und wird bei dem Kirchenneubau 1591 und 1692 gar nicht mehr erwähnt. Ich vermute, daß der hl. Johannes ursprünglich bei der ehemaligen Anroder Dorfkirche der einzige Patron hinzugenommen worden ist, der damals so beliebt war, daß ihm auch das Schwesterkloster in Beuren geweiht wurde. Falls diese Vermutung richtig sein sollte, könnte das ehemalige Dorf Anrode seinen Namen von dem Kirchenpatron Johannes (mundartlich vielfach Johann) erhalten haben. Also eine Siedlung, die dem hl. Johannes geweiht war. Aus Johannerode wäre dann allmählich Annerode geworden.
Immerhin hat die zu zweit angeführte Worterklärung bislang die größere Wahrscheinlichkeit für sich.“
Nikolaus Görich: „Geschichte des eichsfeldischen ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Anrode“ – 1932 – Bild: Anrode 2015 (bearbeitet) © Thomas Schuster Heiligenstadt