Minen- und Horchgänge in der Zitadelle Petersberg
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Thüringen · Donnerstag 09 Jul 2026 · 2 Minuten
Tags: Erfurt, Petersberg
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Das absolute Highlight auf der Zitadelle Petersberg sind die unterirdischen Minengänge (Horchgänge) in den Festungsmauern. Diese können ausschließlich im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Besonders beliebt ist die "Funzelführung", bei der man die Gänge abends im Schein von Taschenlampen erkundet.
Die sogenannten "Geheimgänge" (historisch Horchgänge) der Zitadelle Petersberg in Erfurt wurden im 17. und 18. Jahrhundert als militärisches Frühwarnsystem angelegt. Sie dienten dazu, feindliche Tunnelgräber rechtzeitig zu entdecken und zu sprengen, bevor diese die Festungsmauern untergraben konnten.
Das weit verzweigte, kilometerlange unterirdische Stollensystem wurde ab 1665 unter dem Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn errichtet. Die bis zu 2 Meter hohen Gänge verlaufen tief unter den Festungsmauern und Bastionen. Wachsoldaten patrouillierten dort regelmäßig im Dunkeln, um durch das Gestein hindurch zu lauschen, ob ein Feind sich heimlich von unten durch die Erde grub. Wurde ein feindlicher Stollen geortet, konnten die Verteidiger gezielt Gegenminen zünden, um den gegnerischen Tunnel einstürzen zu lassen.
Der militärische Sperrbezirk des Petersbergs war für normale Bürger jahrhundertelang tabu. Dies, kombiniert mit der unheimlichen Dunkelheit unter der Erde, befeuerte die Fantasie der Erfurter und brachte zahlreiche Sagen über geheime Fluchtwege in die Stadt hervor. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden Teile der Gänge durch preußische Truppen, im Zweiten Weltkrieg, und später in der DDR durch die Staatssicherheit teilweise umgenutzt oder als Luftschutzräume angepasst.
Geheime Gänge
„Bei vielen Burgen, Schlössern und Festungen gibt es Erzählungen über unterirdische Geheimgänge. Im Falle einer Belagerung wäre es gut, sich durch einen Geheimgang ungesehen absetzen zu können. Allerdings könnten durch die Gänge auch die Angreifer leicht in die Festung gelangen. Gibt es nun wirklich solche Geheimgänge vom Petersberg in die Stadt? Tatsächlich gibt es Horchgänge im Fuß der Festungsmauern, dort lauschten Soldaten auf Grabgeräusche von außen, denn niemand sollte unbemerkt eine Sprengladung unter der Mauer platzieren können. Außerdem gab es rings um die Kernfestung sogenannte „gedeckte Gräben“. Einer verband sogar die Zitadelle Petersberg mit der Cyriaksburg. Und nicht zuletzt suchten im 2. Weltkrieg viele Erfurter in den Horchgängen der Zitadelle Schutz vor Bombenangriffen. Spätestens seitdem wurde der Mythos von den geheimen Gängen von Generation zu Generation weitergegeben.“
Quelle: Eigene Aufzeichnungen und Wikipedia Erfurt, Informationstafel Petersberg – Bild: © Thomas Schuster Heiligenstadt