Markgraf Gero und die 30 Wendenfürsten

© Thomas Schuster Heiligenstadt
Direkt zum Seiteninhalt

Markgraf Gero und die 30 Wendenfürsten

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Sachsen-Anhalt · 2 Juli 2022
Tags: KlosterGernrodeStiftskircheMarkgrafGero
Orts- und Klostergründer von Gernrode war der Legat und Oberbefehlshaber der Truppen Kaiser Otto I., der Markgraf Gero I. Von ihm gibt es viel zu berichten, denn er galt als der Eroberer der slawischen Gebiete. Um ihn ranken sich viele Geschichten, die bekannteste ist die Ermordung der Wendenfürsten:

„Als Kaiser Otto den Markgraf Gero zum Oberbefehlshaber seiner Heere gegen die Wenden gemacht hatte, berathschlagten die Bagrier, Heveller (Elbslawen), Obotriten (zwischen Elbe und Oder), Uchern und Zusiker miteinander, wie sie ihn umbringen möchten, da er allen Heiden wegen seiner ausgezeichneten Tapferkeit sowohl, wie seines Kriegsglücks furchtbar war.

Es hatte aber Kaiser Otto einen leiblichen Bruder Namens Heinrich, der hielt es mit seinen Widersachern, that sich zu den Sorben und bestärkte sie in ihrem Vorsatze. Dreißig Fürsten beschlossen hierauf, mit vereinten Kräften und einer großen Anzahl von Kriegern ihn anzugreifen und niederzuhauen. Aber Gero hatte von ihrer Ankunft Kunde erhalten, stellte sich, als wäre ihm ihr Anschlag unbekannt, und ließ sie zu sich zur Tafel laden. Diese aber aus angeborner Frechheit und übermüthiger Sicherheit folgten der Einladung wirklich. Da ließ sie Markgraf Gero durch einen Hinterhalt bei Tafel überfallen und tödten. Über diese Niederlage der Heidenfürsten haben sich folgende Volksreime erhalten:

Zu Laußnitz erster Fürst war ich,
Dreißig wendische Herren tödtet ich,
Stiftet Gernrode von eigner Hab,
Daselbst man sieht noch heut mein Grab.“

Ernst von Schönfeldt schrieb 1889 über eine Urkunde im Kloster Corvey:

„Die Übersetzung seiner authentischen Nachricht in Latein lautet: „Jene Barbaren, niemals frei von Brandstiftung, Mord und Plünderung, aber haben zu unserem Leidwesen vor, den Gero, den der König (Mieszko I. von Polen) für sich an die Heeresspitze berufen hatte, durch eine Hinterlist zu töten. Dieser aber hat, der Hinterlist durch eine List zuvorkommend, die zu einem großen Festmahl gesalbten und durch Wein eingeschläferten etwa 30 Führer der Barbaren in einer Nacht getötet.“
Ein weiterer Sohn Christian wird vereinzelt vermutet, ist aber nicht belegbar.

© Thomas Schuster Heiligenstadt

Quellen: Karl Haupt: „Sagenbuch der Lausitz“ Zweiter Teil – 1863; „Neues Lausitzisches Magazin“, Herausgeber: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften und Sagen aus dem Spreewald“, Regia-Verlag – Bild: Altarbild vom Markgrafen Gero (Mitte) und seinem Sohn Siegfried (rechts) 2022 © Thomas Schuster Heiligenstadt



Zurück zum Seiteninhalt