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Leopold Freiherr von Stralendorf
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Samstag 05 Sep 2026 · Lesezeit 3 Minuten
Tags: Oberamtmann, und, Vizedom
Der Buchautor und Heimatforscher Matthias Stude wies gestern auf einen besonderen Gedenktag hin: Vor genau 400 Jahren, am 4. September 1626, starb Leopold Freiherr von Stralendorf in Heiligenstadt. Der um 1545 geborene Adlige war eine der prägenden Figuren der Gegenreformation im Eichsfeld und maßgeblich an der Ansiedlung der Jesuiten beteiligt. Im Laufe seines Lebens stieg er bis zum Kaiserlichen Geheimen Rat und Reichsvizekanzler auf.

Leopold entstammte der alten mecklenburgischen Ritterfamilie von Stralendorff, die nach der Unterwerfung der Slawen durch Heinrich den Löwen (nach 1160) den Ort Stralendorf gegründet hatte. Anfang der 1570er Jahre trat er in den Dienst des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Daniel Brendel von Homburg. 1574 begleitete er den Erzbischof zur Visitation ins Eichsfeld und wurde am 7. Juni als Nachfolger des verstorbenen Caspar von Berlepsch zum neuen Oberamtmann (Statthalter) ernannt. Seine erste wichtige Aufgabe war die Festnahme von Berthold von Wintzingerode auf Schloss Bodenstein, der wegen Mordes angeklagt war. Am 8. Juli 1576 heiratete er auf Schloss Neuhof Margaretha von Dernbach, die Schwester des Fuldaer Fürstabts.

Stralendorf, der unter dem Einfluss der Jesuiten vom protestantischen zum katholischen Glauben gewechselt war, setzte die Gegenreformation im Auftrag des Mainzer Erzbischofs mit harter Hand durch. Nach 26-jähriger, strenger Amtsführung klagte ihn die protestantische Ritterschaft des Amtsmissbrauchs an.

„… Als Pater Johannes Kopper 1602 mit der Arbeit begann (Autor der „Historia“), war Freiherr Leopold von Stralendorf, aus Prensberg in Mecklenburg gebürtig, gerade seines Amtes als Statthalter des Eichsfeldes enthoben worden. Unter jesuitischem Einfluß vom Protestantismus zum Katholizismus übergetreten, hatte er als konsequenter Verfechter der Gegenreformation das Eichsfeldamt von Daniel erhalten. Nach 26jähriger strenger Führung seiner Geschäfte klagte ihn die protestantische Ritterschaft wegen Amtsmißbrauchs an, so daß er demissionieren mußte und als Amtmann nach Stadtprozelten bei Aschaffenburg ging. …“

In dieser Epoche verlegte die Verwaltung ihren Sitz vom Rusteberg nach Heiligenstadt auf den Stiftsberg. Stralendorf wohnte zunächst in einer Stiftskurie und zog 1558 in das damalige Stiftskorn- und Brauhaus. An dessen Stelle ließ er und der Erzbischof 1603/1604 ein zweistöckiges Steinhaus errichten – den Vorläufer des heutigen Schlosses.

Gemeinsam mit seinem Schwager Balthasar von Dernbach (Fürstabt von Fulda) trug Stralendorf auch die Verantwortung für zahlreiche Hexenverfolgungen und Folterungen. Dass es im Kurfürstentum Mainz vergleichsweise weniger Verbrennungen gab, lag vor allem daran, dass die damaligen Erzbischöfe der Inquisition eher zurückhaltend gegenüberstanden.

„… Übergriffe gegenüber den in den Rustebergverliesen eingekerkerten Männern und Frauen blieben nicht aus. Die „Historia“ berichtet von Gefangenen zu Stralendorfs Amtszeit, „daß sie in finsteren Gelassen gehalten und auf der Folter übel zugerichtet würden, daß man sie brenne und steche und sie vor Schmerzen nicht zu bleiben wüßten“. Allerdings war man dazumal mit Verdächtigungen bis hin zum Vorwurf der Gotteslästerung schnell bei der Hand. Wenn auch spektakuläre Verfahren nicht mehr aktenkundig sind, waren Inhaftierungen „Hexerey wegen“ nichts Außergewöhnliches. Es gibt über eichsfeldische Verliese Urkunden, daß Henker inhaftierte Frauen sogar schwängerten. …“

Quelle: Wolfgang Trappe „Erzähltes Alt-Eichsfeld“ 1991 – Bild: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_von_Stralendorf#/media/Datei:Leopoldus_a_Stralendorff_15



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