Kriegsbeginn im Eichsfeld 1939
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Dienstag 01 Sep 2026 · 3 Minuten
Tags: Kriegsgebinn, 1939
Tags: Kriegsgebinn, 1939
Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen. Im ländlich und stark katholisch geprägten Eichsfeld führte der Kriegsausbruch zu sofortigen Einschränkungen im Alltag, Einberufungen zur Wehrmacht und Beginn der Lebensmittelzuteilung (Verdunkelung, Bezugsscheine), während die Region selbst von den direkten Kampfhandlungen zunächst verschont blieb.
Ab dem ersten Tag galt ab der Dämmerung strenge Verdunkelungspflicht für alle Gebäude. Lebensmittel wie Fleisch, Fett und Milch wurden sofort streng über Marken und Kundenlisten zugeteilt. Männliche Jahrgänge aus den Dörfern und Städten wie Heiligenstadt oder Duderstadt wurden als Soldaten eingezogen. Die vorherrschende bäuerliche Struktur im Eichsfeld musste auf Befehl der Behörden die Ernährungswirtschaft absichern. In den Folgejahren wandelte sich die Struktur durch Rüstungsverlagerungen und den Einsatz von Zwangsarbeitern stark. In Heiligenstadt wurde die WIFO im Pferdebachtal ausgebaut.
Im Jahr 1939 änderte sich das Leben in den beiden Eichsfeld-Städten Heiligenstadt und Duderstadt schlagartig, obwohl sie weit von der Front entfernt lagen. Die Region war stark vom Katholismus und der Landwirtschaft geprägt, was den Alltag unter der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft maßgeblich beeinflusste.
Beim Umbau des Rathauses in Heiligenstadt wurde 1939 ein eigener Archivraum geschaffen. Die Stadt litt wie das Umland unter strenger Rationierung und Mangelwirtschaft. Als Militärstandort Heiligenstadt erlebte die Stadt massive Truppeneinzüge und Einquartierungen von Soldaten, die versorgt werden mussten. Ein historisch dokumentiertes Unglück erschütterte die Stadt kurz nach Kriegsbeginn. Im Oktober 1939 stürzte der einheimische Pilot Philipp Gries bei unerlaubten Flugkunststücken mit einem Militärflugzeug mitten in die Altstadt an der Lindenallee ab. Die ohnehin schon stark geschrumpfte jüdische Gemeinde Heiligenstadts war zu diesem Zeitpunkt durch die NS-Verfolgung fast vollständig zum Erliegen gekommen.
Duderstadt wurde schnell zu einem logistischen Ziel für Gefangene. Bereits im November 1939 trafen die ersten Kriegsgefangenen in der Stadt ein. Sie wurden nach den rassistischen NS-Richtlinien als „Untermenschen“ behandelt; ihnen wurde beispielsweise der gemeinsame Tisch mit Deutschen oder der Besuch von Gottesdiensten strikt verboten. Die Stadt profitierte im Vergleich zu Großstädten von ihrer ländlichen Struktur. Die Lebensmittelproduktion wurde sofort auf Kriegsernährung umgestellt, wodurch die Versorgungslage vor Ort zunächst noch stabiler blieb. Die lokalen Betriebe bereiteten sich Ende 1939 auf die Umstellung für die deutsche Kriegswirtschaft vor, was in den Folgejahren zu massiver Rüstungsproduktion (u. a. Polte-Werke) führte.
Meine Großmutter erzählte mir von einem französischen Kriegsgefangenen, den sie alle „Meuse“ nannten und alle anfallenden Arbeiten rund um die Gaststätte „Norddeutscher Bund“ erledigen musste.
Quelle: Eigene Aufzeichnungen – Bild: Lager Polte in Duderstadt um 1942