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Kirchendieb Roloff von Bünau 1484 in Heiligenstadt hingerichtet
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Samstag 14 Feb 2026 · Lesezeit 2:15
Im Jahr 1983 wurde in Göttingen die Studie „Leben und Sterben in einer spätmittelalterlichen Stadt. Über ein Göttinger Testament des 15. Jahrhunderts“ veröffentlicht. Dieses Werk ist auch für Heiligenstadt von besonderer Bedeutung, da es den Fall des Kirchenräubers Roloff von Bünau thematisiert, der in Heiligenstadt festgenommen und hingerichtet wurde.

„... Am 21. Juni 1484 brach Roloff von Bünau in die Kapelle des Bartholomäus-Spitals in Göttingen ein. Er entwendete von einer dort aufgestellten Marienstatue eine wertvolle Korallenkette sowie den kostbaren seidenen Mantel, mit dem die Statue bekleidet war. Nachdem er die silbernen Spangen vom Mantel abgeschnitten hatte, warf er diesen – die Kostbarkeit des Materials missachtend – mit einem Stein beschwert in einen Stadtgraben.

Einen Teil der Beute versuchte der Kirchendieb sofort in Göttingen zu verkaufen. So bot er einem Mann namens Corde von Asche zwei silberne Ringe an, anderen Personen einen Rosenkranz. In einem Bordell gab er außerdem ein silbernes Kreuz in Zahlung. Anschließend floh er eilig nach Heiligenstadt, wo er die silbernen Spangen einschmelzen ließ und daraus acht Lot Silber gewann.
Die Göttinger Behörden erfuhren jedoch schnell, wo sich der Täter aufhielt. Der Rat entsandte daraufhin Corde von Asche – vermutlich einen Gesellen eines Göttinger Silbergießers – gemeinsam mit einem Ratsdiener nach Heiligenstadt. Dort gelang es ihnen, Roloff von Bünau aufzuspüren und festzunehmen. Dieser Eingriff in den Stadfrieden blieb jedoch nicht ohne Folgen: Beide Göttinger wurden verhaftet, da der Heiligenstädter Rat darauf bestand, den Prozess selbst zu führen.

Trotz eines weiteren Auslieferungsversuchs des Göttinger Rates am 27. Juni 1484, bei dem die Ratsherren Hanse Helmoldis und Henricus Rogginkneder sowie der mainzische Hauptmann vom Rusteberg nach Heiligenstadt entsandt wurden, blieb der Versuch erfolglos.
Am 28. Juni 1484 wurde Roloff von Bünau, der seine Tat ohne Folter gestanden hatte, in Heiligenstadt durch Rädern hingerichtet und anschließend öffentlich zur Schau gestellt. Dieses harte Urteil sollte vermutlich abschreckend wirken, da Kirchendiebstähle zu jener Zeit offenbar häufig vorkamen. ...“

Auch in späteren Jahrhunderten ging man mit Kirchendieben äußerst streng um. So wurde am 15. Oktober 1676 in Duderstadt Johannes Kraushaar, dem Kirchendiebstähle in Duderstadt, Heiligenstadt, Worbis, Martinfeld und Westhausen nachgewiesen wurden, auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ebenso wurde am 9. November 1740 der Kirchendieb Johann Jobst Urban in Duderstadt hingerichtet. In Großbodungen verurteilte man im Jahr 1723 den Hauptangeklagten einer Diebesbande, die in die dortige Kirche eingebrochen war, zum Tode und ließ ihn rädern.

Quelle: Eigene Aufzeichnungen, Eichsfelder Heimathefte, Helmut Godehardt – Bild: Richtstätte Duderstadt an der Sulbergwarte – Zeichnung im Schützenmuseum Westerturm in Duderstadt 2016


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