Innungen in Heiligenstadt 1924
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · Donnerstag 26 Mär 2026 · 1:45
Tags: Innungen, und, Zünfte
Tags: Innungen, und, Zünfte
Im Adressbuch des Jahres 1924 finden wir folgende Innungen:
Eichsfelder Handwerker-Verein. Vorsitzender: Wilhelm Wand.
Bäcker-Innung (Zwangsinnung). Obermeister: Franz Schade.
Barbier-, Friseur- und Perückenmacher-Innung (Freie Innung). Obermeister: Theod. Wiegel.
Fleischer-Innung (Freie Innung). Obermeister: Nikolaus Döring.
Maler-, Anstreicher- und Vergolder-Innung (Zwangsinnung). Obermeister: Römstedt.
Maurer- und Zimmerer-Innung (Zwangsinnung). Obermeister: Paul Lurch.
Müller-Innung (Zwangsinnung). Obermeister: Christoph Kellner (Walkmühle).
Schneider-Innung (Zwangsinnung). Obermeister: Wilhelm Wand.
Schlosser-, Schmiede-, Nagelschmiede-, Klempner-, Büchsenmacher-, Kupferschmiede-, Feilenhauer-, Schleifer-, Rot- und Gelbgießer-Innung (Freie Innung). Obermeister: Bernhard Richardt.
Schuhmacher-Innung (Zwangsinnung). Obermeister: Joh. Degenhardt.
Tischler-Innung (Zwangsinnung). Obermeister: Ignaz Poppe.
Bei einer Zwangsinnung war die Mitgliedschaft für alle Handwerker des entsprechenden Gewerbes gesetzlich vorgeschrieben (um die Qualität und Ausbildung zu sichern). Eine Freie Innung war, wie der Name schon sagt, ein freiwilliger Zusammenschluss von Handwerkern. Der Obermeister war der Vorsitzenden einer Innung (ähnlich einem heutigen Verbandsvorsitzenden).
Was ist der Unterschied zwischen der Zunft und der Innung?
Die Zunft (Mittelalter bis ca. 1800)
Zünfte waren mächtige Organisationen, die fast alle Lebensbereiche ihrer Mitglieder kontrollierten. In vielen Städten saßen Zunftmeister im Stadtrat und bestimmten die Politik mit. Ohne Zunftmitgliedschaft durfte man sein Handwerk absolut nicht ausüben („Zunftzwang“). Wer es dennoch tat, galt als „Bönhase“ (Pfuscher) und wurde verfolgt. Die Zunft legte alles fest: Preise, Löhne, die Anzahl der Lehrlinge und sogar, welche Rohstoffe ein Meister kaufen durfte. Es gab keinen freien Wettbewerb. Die Zunft war auch eine soziale und religiöse Gemeinschaft. Man feierte zusammen, zog gemeinsam in den Krieg (Stadtverteidigung) und sicherte Witwen und Waisen ab.
Die Innung (19. Jahrhundert bis heute)
Mit der Einführung der Gewerbefreiheit im 19. Jahrhundert verloren die Zünfte ihre Macht. Die Innungen entstanden als moderne Nachfolger. Im Gegensatz zur Zunft darf eine Innung heute keine Preise mehr festlegen (das wäre Kartellbildung). Der Wettbewerb ist frei. Die Hauptaufgabe moderner Innungen ist die Überwachung der Lehrlingsausbildung und das Abnehmen von Prüfungen (Gesellen- und Meisterbriefe). Sie fungieren heute eher wie ein moderner Arbeitgeberverband für Handwerksbetriebe.
Quelle: Eigene Aufzeichnungen, Adressbuch Heiligenstadt 1924 – Bild: Zunftstangen in der Ägidienkirche © Thomas Schuster Heiligenstadt