Impfpistole
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Zeitgeschehen · Dienstag 30 Jun 2026 · 2 Minuten
Tags: Impfpistole
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Viele von euch kennen sie noch, die Impfpistole. Innerhalb
weniger Minuten wurden wir Schüler in der Klasse geimpft, später auch im Betrieb
oder Wehrkreiskommando. Alle standen in einer Reihe mit hochgekrempeltem
Pullover oder Hemd.
In der DDR wurden Impfpistolen (auch Jet-Injektor oder
Druckluft-Injektor) ab den 1960er Jahren vor allem für Reihen- und
Massenimpfungen (u.a. gegen Polio, Pocken, Diphtherie und Tetanus) eingesetzt. Ich
wurde noch gegen Pocken mit dem Messer zweimal in den Oberarm geritzt.
Die Geräte arbeiteten mit hohem Druck (bis zu 1200 atü),
wodurch der Impfstoff als feiner Strahl ohne klassische Kanüle in die Haut
geschossen wurde. Die Methode war extrem schnell (bis zu 500 Impfungen pro
Stunde), galt als schmerzarm und ersparte den Mangelwirtschafts-Engpässen der
DDR den aufwändigen Nachschub an sterilen Einmalspritzen. Ein kurzes „Klacken“
oder „Zischen“ war zu hören und manchmal entstand ein kleiner blauer Fleck oder
eine punktförmige Hautreaktion.
Ab den 1980er Jahren wurden diese Geräte weitgehend
aufgegeben, weil man erkannte, dass bei Mehrfachanwendungen theoretisch winzige
Blut- oder Gewebepartikel von einer Person zur nächsten übertragen werden
konnten. Moderne Impfprogramme verwenden deshalb überwiegend Einwegspritzen
oder speziell gesicherte Einmal-Jet-Injektoren.
Quelle: Eigene Aufzeichnungen – Bild: Aufnahme aus der Landesgartenschau
im „Blumenblock“ (bearbeitet)