Ibergrennen 2026
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · Donnerstag 18 Jun 2026 · 3 Minuten
Tags: Ibergrennen
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Das Ibergrennen in Heilbad Heiligenstadt ist eines der bekanntesten und traditionsreichsten Bergrennen für Touren- und Rennsportwagen in Deutschland. Es blickt auf eine faszinierende, jahrzehntelange Geschichte zurück, die eng mit den politischen und geografischen Gegebenheiten der Region verknüpft ist.
Gefahren wird auf der Landesstraße L 1005, der kurvigen Bergstraße hinauf in Richtung Forsthaus Iberg, die lokal vor allem unter dem Namen „Holzweg“ bekannt ist. Trotz ihrer verhältnismäßig kurzen Distanz gilt sie unter Fahrern als technisch extrem anspruchsvoll und knifflig. Die Streckenlänge beträgt genau 2.050 Meter mit einem Höhenunterschied von 200 Höhenmeter.
Die Steigung bewegt sich konstant zwischen 8 % und maximal 10 %. Nach einem steilen und schnellen Start folgt ein extrem kurviger Abschnitt. Besonders die scharfe Rechtskurve (Posten 7) sowie markante Kehren wie die Albertsmeyer-Kehre verlangen den Piloten höchste Präzision ab.
Der aktueller Streckenrekord wurde von Patrik Zajelsnik im Jahr 2024 mit einer spektakulären Zeit von 49,829 Sekunden (auf einem Nova-Proto NP01-2) aufgestellt.
Eine Besonderheit, die das Event bei Fahrern und Fans gleichermaßen beliebt macht, ist das Fahrerlager mitten in der Heiligenstädter Innenstadt.
Die Historie des Rennens lässt sich im Wesentlichen in drei große Epochen unterteilen. Bereits in den 1920er Jahren wurden die ersten Bergrennen und „Bergprüfungsfahrten“ am Iberg ausgetragen. Damals war die Strecke mit über 4 Kilometern noch rund doppelt so lang wie heute. Nach 1929 schlief die Tradition jedoch zunächst für viele Jahrzehnte ein.
Mitte der 1970er Jahre erlebte der Iberg ein fulminantes, aber kurzes Comeback. 1976 und 1977 wurden hier Läufe zur DDR-Meisterschaft im Auto- und Motorradrennsport ausgetragen. Tausende motorsportbegeisterte Zuschauer säumten die Strecke, auf der unter anderem namhafte DDR-Rennsportgrößen wie der mehrfache Meister Wolfgang Küter antraten.
Beim Ibergrennen 1977 wurde der legendäre DDR-Formel-Rennwagen MT77 (Melkus) zum allerersten Mal offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt und im Renneinsatz getestet. Schon 1978 wurde das Rennen offiziell wegen „schlechter Straßenverhältnisse“ abgesagt und danach nicht wieder aufgenommen. Der wahre Grund war jedoch politischer Natur: Die unmittelbare Nähe der Rennstrecke zur innerdeutschen Grenze war der DDR-Führung bei einer solchen Großveranstaltung schlichtweg zu riskant.
Nach der Wiedervereinigung erweckte der Motorsportclub Heilbad Heiligenstadt e.V. im ADAC das Event zu neuem Leben. Im Jahr 1997 wurde das erste Nachwende-Ibergrennen organisiert – es war das erste Bergrennen überhaupt, das nach dem Mauerfall in den neuen Bundesländern stattfand. Seitdem hat es sich als fester Bestandteil der Deutschen Bergmeisterschaft etabliert und zieht jährlich hochkarätige internationale Starter an.
Nachdem das Rennen im Jahr 2025 aufgrund umfangreicher Baumaßnahmen pausieren musste, stand die Durchführung für das Jahr 2026 zunächst auf der Kippe. Inzwischen haben die Stadt Heilbad Heiligenstadt und der Motorsportclub jedoch grünes Licht gegeben: Da wichtige Bauarbeiten abgeschlossen oder im Zeitplan angepasst werden konnten, findet das 28. Internationale ADAC Ibergrennen vom 19. bis 21. Juni 2026 statt.
Quelle: Eigene Aufzeichnungen – Bild: 1977