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Heimatgeschichten: Die Egelsburg in Heiligenstadt

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · 14 Mai 2020
Tags: Egelsburg
Gab es im Pferdebachtal eine Burg? Die Geschichtsschreiber des Eichsfeldes sind sich da auch nicht einig. Zur Burgstelle gibt es unterschiedliche Beschreibungen:

Am westlichen Fuße des Berges waren noch Spuren von Erdaufwürfen und Gräben zu sehen und um 1700 sollen sogar noch Ruinen sichtbar gewesen sein. Das nördlich gelegene Tal wird „Kirchtal“ genannt.

Auf dieser Feste sollen die Herren von Egel residiert haben. Ihr Erbbegräbnis befand sich in der Jakobikirche vor dem Geisleder Tor in Heiligenstadt. Dort fand man bei Ausgrabungen Leichensteine, Ritterwaffen und Skelette. Bei der Ausbesserung des Holzfahrweges fand man im 19. Jahrhundert unter Schutt einen sehr großen Rittersporn aus Messing, sowie einige sehr lange nicht sehr starke Sandsteine, durch welche schlitzartige Löcher gearbeitet waren.

Der Geschichtsschreiber Johann Wolf berichtet von seiner Besichtigung, dass Quadersteine kunstgemäß aufeinander lagen und eine Zirkellinie um den Berg bildeten. Auf dem Berg stand ein Mauerwerk mit stumpfem Winkel, das ehemals über einem Gewölbe errichtet wurde. Am unteren Berg fand er Spuren eines ehemaligen Teiches und Wassergrabens und berichtet von einer Mühle. Egge heißt soviel wie scharf, spitz; daher könnte der Name der Egelsburg abstammen.

Über die Egelsburg gibt es viele Sagen, darunter die des Eichsfelder Romantikers Carl Duval:

„Alle sieben Jahre ist die Egelsburg sichtbar und fromme, rechtschaffene Leute, welche in dieser Zeit zu der Burgstätte kommen, sehen das prächtige Schloß, die in demselben aufgehäufte Schätze und eine wunderholde Jungfrau, welche sich in den Umgebungen der Veste ergeht. So lange sie nicht von einem Glücklichen gesehen und erlöst wird, kehrt sie stets zur bestimmten Zeit wieder.

Zu derselben Zeit, wenn die Jungfrau umgeht, wächst im Mittelberge und im Pferdebache eine herrliche Blume. Wer das Glück hat, dieselbe zu finden und zu pflücken, der sieht das Schloß und kann die verwünschte Jungfrau samt den unermeßlichen Schätzen erwerben.
Einstmals weidete im Pferdebachsthale ein alter Schäfer und sammelte allerlei Blumen und Kräuter ein. Ohne daß er es wußte, hatte er auch die Wunderblume mit gepflückt und plötzlich stand das schöne Schloß vor seinen Augen und auf einem Balkon desselben stand eine weiße Jungfrau, welche ihm freundlich winkte.

Der Schäfer, welcher hier schon unzählige Male geweidet hatte, traute seinen Augen kaum, doch erinnerte er sich an die Sagen von dem verwünschten Burgfräulein und den hier verborgenen Schätzen und schritt daher, obwohl mit pochendem Herzen, dem Schlosse zu. An der Thür, welche zu dem Hauptgebäude führte, stak ein Schlüssel und die Jungfrau rufte ihm vom Balkon herab ein „Willkommen!“ entgegen und ertheilte ihm die Weisung, daß er öffnen, eintreten und wieder verschließen solle. Der Schäfer vollführt die gegebenen Befehle und betritt das Innere des Schlosses, in welchem Alles von Gold und Edelsteinen funkelte. Als sich der arme Mann von seinem ersten Erstaunen erholt hatte, füllte er seine Taschen mit den daliegenden Schätzen, auch der sack, in welchem er die nöthigen Lebensmittel aufzubewahren pflegt, wird vollgestopft, der Hut sogar mit köstlichem Metall und Edelsteinen angefüllt und erst dann, als er nichts mehr fortzubringen im Stande war, schickt er sich zum Rückzuge an.

„Vergiß das Beste nicht!“ ertönt es abermals hinter ihm her, aber er, der nichts mehr zu bergen vermag, hörte nicht auf den warnende Ruf und entfernt sich. Da erhebt sich plötzlich ein donnerähnliches Gebrause in der Luft und die Thür, welche er eben durchschritten, schlägt mit solcher Schnelligkeit hinter ihm zu, daß ihm die Ferse zerschmettert wird.
Als sich der Mann von der Ohnmacht, die ihn befallen, erholt hatte, war das Schloß samt der holden Jungfrau verschwunden und statt des Goldes und der Edelsteine fand er in Sack und Tasche nur werthlose Kiesel.

Hätte der Schäfer auf die Warnung der Jungfrau, das Beste nicht zu vergessen, gehört, die Tür verschlossen und den Schlüssel zu sich gesteckt, so hätte er die verwünschte Jungfrau erlöst und wäre zu dem Besitze unermeßlicher Schätze gelangt.
Da seit dieser Zeit noch Niemand die Jungfrau wieder erblickt hat, so harrt sie noch immer der Erlösung und die lockenden Schätze sind noch heute zu gewinnen.“

© Thomas Schuster Heiligenstadt

Quelle: Carl Duval: „Das Eichsfeld“ – 1845 – Bild: Pferdebachtal mit Egelsburg © Thomas Schuster 2020



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