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Heimatgeschichte(n): Die Große Mühle in Dingelstädt

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · 30 Juli 2020
Tags: DingelstädtGroßeMühle
Zu den schönsten und ältesten Bauten der Stadt gehört die „Große Mühle“ in Dingelstädt. Der Renaissancebau wurde im Jahre 1591 vom Kaufmann Johannes Kreuß als Bauernhof errichtet. Bemerkenswert ist das schöne Steinportal mit den zwei dorischen Säulen. Der Balken mit der Jahreszahl 1591 ist mit Löwen- und Engelsköpfen und dem Familienwappen des Erbauers verziert.

Weitere Besitzer waren die Familien Hartmann und Engelhardt. 1886 kaufte der Mühlenbauer Anton Rosenthal das Gebäude, dessen Nachkommen noch heute im Besitz der Mühle sind.  Nach der Wende wurde das schöne Gebäude saniert und bis 1993 noch gemahlen. Das Eichsfeld besaß einst über 200 Wassermühlen.

An dem Mühlenwehr soll nachts ein dreibeiniger Hase sein Unwesen treiben:

„Auf dem mitten in der Stadt Dingelstädt gelegenen Mühlenwehr soll während der Geisterstunde ein dreibeiniger Hase sein Unwesen treiben und schon manchen späten Nachtwanderer erschreckt haben. Ein Bauer aus Dingelstädt hatte einst im Felde einen jungen Hasen gefangen und mit nach Hause genommen. Seine Kinder waren darüber sehr erfreut. Meister Lampe wurde in einen Stall gesperrt, und die Kleinen sorgten dafür, dass es ihm nicht an Futter mangelte. Sie brachten ihm täglich frischen Klee und später grünen Kohl, und der Hase entwickelte sich zu einem prächtigen Tier. Nun stand die Kirmes vor der Tür, und es wurde im Familienrat beschlossen, dass Lampe als Braten auf die Festtafel kommen sollte.

Die Frau des Hauses wollte ihn schlachten; der Mann jedoch entschied: „Ein Hase muss geschossen werden, sonst schmeckt der Braten nicht.“ Der Bauer schlang um das linke Hinterbein des Tieres einen Strick und befestigte diesen an einem Baum seines Gartens, der an das Mühlenwehr stieß. Dann lud er sein Gewehr mit einer kräftigen Ladung Schrot und zielte. Ein Knall – der Hase war getroffen und lag wie tot im Grase. Als aber der Bauer hinzutrat, um ihn aufzuheben, sprang Lampe wie toll auf drei Beinen über die niedrige Gartenmauer und lief das Mühlenwehr hinunter. Das linke Hinterbein aber saß noch am Stricke fest. Seit der Zeit treibt der dreibeinige Hase sich um die Geisterstunde am Mühlenwehr umher, um späte Wanderer schnell heimzubringen.“

© Thomas Schuster Heiligenstadt

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – St. Benno Verlag Leipzig 1978, https://www.grosse-mühle.de/geschichte/ – Bild: © Thomas Schuster 2017



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