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Geburtstage im 19. Jahrhundert
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Montag 22 Jun 2026 · Lesezeit 2 Minuten
Tags: Traditionen
Im Laufe der Zeit hat sich stark verändert, welche Feste den Menschen wichtig sind. Ein gutes Beispiel dafür ist das Eichsfeld, wo man den Geburtstag sehr lange Zeit überhaupt nicht gefeiert hat. Das lag am christlichen Glauben, nach dem das wahre Leben erst mit der Taufe beginnt. Deshalb schrieben die Pfarrer in den Kirchenbüchern den Tauftag und die Paten viel genauer auf als die eigentliche Geburt. Für die heutige Familienforschung ist es deswegen oft unmöglich, das genaue Geburtsdatum eines Vorfahren herauszufinden. Wer Ahnenforschung in den Kirchenbüchern betreibt, weiß, wie schwierig das ist. Dazu kommt noch die alte lateinische Schreibschrift.

Noch im 19. Jahrhundert feierte man also den Tauftag statt des Geburtstags. Wenn das Kind gesund war, wurde es bereits am dritten Lebenstag getauft. Das hatte die heute seltsame Folge, dass die Mutter bei der Taufe gar nicht in der Kirche dabei sein konnte, weil sie noch im Wochenbett lag. Dadurch wurden die Paten umso wichtiger: Sie brachten das Baby nach dem Gottesdienst zurück nach Hause. Das anschließende Festessen fand dann direkt am Bett der Mutter statt, und die Paten besuchten sie dort in den ersten Tagen.

Auch die Geschenke bekamen die Kinder damals zur Taufe und nicht zum Geburtstag. Gleichzeitig zündete man eine Kerze für den Schutzpatron des Kindes an – aus diesem Brauch sind später unsere heutigen Geburtstagskerzen entstanden. Erst nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich diese Tradition langsam, und die Menschen begannen, den Geburtstag zu feiern. Im Eichsfeld hat sich die alte Tradition aber lange gehalten, und manche Menschen stiften dort bis heute am Tauf- oder Namenstag eine Kerze für ihren Schutzpatron. In meiner Kindheit war der Namenstag höher gestellt als der Geburtstag.

In der Martinskirche steht der älteste Taufkessel von Heiligenstadt. Er besteht aus rotgelber Bronze, dessen Taufschale die Geschichte vom Sündenfall zeigt. An den drei schlanken Füßen sind Madonnenbilder angebracht. An einem der Seitenfelder findet sich ein gekröntes Werkszeichen mit einem deutlichen „Z“, dass von einem senkrechten Pfeil durchschnitten ist. Hergestellt wurde der Kessel im Jahre 1430.

Quelle: Eigene Aufzeichnungen – Bild: Ältester Taufkessel in Heiligenstadt St. Martin 2013 © Thomas Schuster Heiligenstadt



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