Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Freilichtbühne auf dem Iberg 1926

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · 19 Januar 2020
Tags: IbergFreilichtbühne
X. Die Naturbühne auf dem Iberg (Thüringen)

„In der unmittelbaren Umgebung von Heiligenstadt, auf dem Iberg, findet er im Mai 1926 den geeignetsten Platz einer Naturbühne für sein neues Heimatspiel „Die Maiwiese in Heiligenstadt“.
Wie so oft widerfährt der Auswahl des Spielplatzes helle Begeisterung. Der Berichterstatter des „Eichsfelder Tageblatts und Heiligenstädtischer Zeitung“ brilliert bei Beschreibung dieser exzellent ausgesuchten Naturbühne:

„Wer das Bergtheater in Thale kennt, der ist überrascht, dass das Iberggelände in natürlicher Form ein weit besseres Spielfeld, einen viel günstigeren Hang zur Errichtung der Bänke für zirka 1.200 – 1.400 Zuschauer hergeben konnte. Bei leichtem Wind rauscht in Thale das Wort des Mimen mit dem Gesäusel der Buchenwipfel zu unverständlichem Gemurmel zusammen. Hier ist jeder Laut bis zum letzten Sitz hoch oben am Tannenwaldsaume vernehmbar. Und das dem Auge sich bietende Panorama ist schlechthin entzückend. So recht wie geschaffen zu einer heimatlichen Naturbühne. Die „Spielterrasse“ ist nach Norden zu von einer grünen Hecke abgegrenzt, über die der Blick der Zuschauer hinweg schaut, um auf den roten Dächern und den moosgrünen Kirchtürmen Heiligenstadts, auf den Saathängen des Richteberges oder auf den ostwärts sich auftürmenden Kalksteinwänden des Din winziger Bach sinnend zu haften. Fürwahr natürliche Kulissen, wie sie schöner nirgends gefunden werden. Die Bühne selbst bedarf nur wenig an Ausstattung. Ein langgestrecktes Bauwerk, das wie ein Stück Burgmauer wirkt, hinter sich aber die Ankleideräume der Bühnenkünstler birgt und deren Auftritt deckt.“

Die Uraufführung seines Heimatspiels ist auf den Feiertag 12. Mai 1926 (Christi Himmelfahrt) festgesetzt. Leider hat er Pech auf der ganzen Linie! Es regnet ununterbrochen an diesem Tag. Zudem finden in nächster Umgebung mehrere Veranstaltungen gleichzeitig statt. Da gibt es noch die Erstkommunion der Schülerinnen des Bergklosters und um das Maß voll zu machen kommen noch längst geplant Himmelfahrtsausflüge hinzu. Dennoch hört der Regen bei Spielbeginn auf und einige hundert Personen ersteigen den Berg und haben die Freude, nicht vergebens gekommen zu sein. Man würdigt ihn in hohen Maßen:

„Die von dem Spielleiter, Herrn Hottenroth, geschaffene Festspieldichtung verdient eine eingehende Würdigung, die wir uns noch vorbebalten. Heute beschränken wir uns auf die Feststellung, dass es sich um ein Stück bandelt, das wirklich einen künstlerischen Maßstab verträgt. Form, Inhalt, Sprache und Aufbau verraten den erfahrenen Dichter, der sich eines heimatgeschichtlichen Stoffes bedient, seine Hörer in packenden Szenen die alte Wahrheit erleben zu lassen, dass alle Schuld sich auf Erden rächt. Als darstellende Personen hat Herr Hottenroth, der selbst die Hauptrolle des Wernher von Hanstein spielt, eine Reihe von ausgezeichneten Berufskünstlern und Künstlerinnen gewonnen, die sich in kürzester Frist so brav in ihre Rollen eingearbeitet hatten, dass das Gesamtspiel die Zuschauer in eine tiefe, nachhaltige Spannung versetzte, die bis zum tragischen Schluss des Ganzen anhielt.“

Positiv nehmen auch die Zuschauer das Dargebotene auf, sie sind ergriffen von dem Spiel der erfahrenen Darsteller. „Bruno Hermann Hottenroth bat dem Stück den Namen „Die Maienwiese zu Heiligenstadt“ gegeben. Er hätte es auch „Das Geheimnis der Maienwiese“ nennen können, denn um ein sündiges Geheimnis einer warmen Mainacht handelt es sich.“ So lautete die Meinung eines Reporters. Die Geschichte selbst verläuft nach einem von Hottenroth gern gepflegten Schema, wie viele seiner Werke aus dem Mittelalter: Ein Edelmann oder hochgestellter edler Jüngling in einer Maiennacht... eine heimliche Liebe mit Folgen. Er ist der Verführer, wird in der Folge Vater eines Kindes, alles bleibt lange Zeit ein Geheimnis. Das Kind, ein Sohn, wird von einem treuen Diener groß gezogen, bis dieses dann als Erwachsener eines Tages, nach vielen Querelen, Fehden, Intrigen und Kämpfen, anerkannt wird als Sohn eines Fürsten (oder Herrschers) und das große Glück findet. Ende gut, alles gut!

Wie in der Kritik geäußert, eine geschickt gesponnene Dichtung nach dem Kern einer alten Legende oder Sage: „ ...Nicht der historische Kern, nicht die Gestalt des sagenumworbenen Hansteinritters allein, auch nicht die antikisierende, der Ritterzeit angepasste Sprache machen das ,Maiwiesenspiel‘ zu einem heimatliche Bühnenwerk, sondern der echt heimatliche Geist, der das Ganze glutvoll durchleucht. Die tiefe, an die Heimaterde sich anklammernde Heimatliebe ist es, die dieses Stück in all seinen bunten Szenen durchpulst. Mag der kritische Blick Mängel technischer Art an dem Drama aufdecken,- den Mangel wird er nicht finden, dass es kein heimatliches Spiel in bestem Sinne sei. Freuen wir uns des geschaffenen, - unterstützen wir alle, denen das Wort von der Heimatliebe heiligen Pflichten nicht leerer Schall und Aushängeschild ist, den wagemutigen Mimen und Dichter, der ungebeugt durch den halben Erfolg der Himmelfahrtsaufführung auf die Scharen wartet, die vom gesamten Eichsfeld kommen werden und kommen müssen, um ein echtes Heimatspiel zu sehen.“

© Frans Hermans Dilsberg

Das Bild stammt von der Vorführung auf dem Iberg und ist bisher noch nicht veröffentlicht. (Privatbesitz Frans Hermans)  

Quelle: Frans Hermans: „Bruno Hermann Hottenroth“ 1874 – 1933 – Spurensuche nach einem unbekannten deutschen Schauspieler und Theaterdirektor – nicht nur im Neckartal“ – Bild: © Frans Hermans Dilsberg



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