Ein fortschrittlicher Herr auf dem Bodenstein
Im Jahr 1520 teilte Friedrich von Wintzingerode die gesamte Feldflur zwischen Kirchohmfeld und dem Kanstein an die abhängigen Bauern auf – ein Schritt, der als echte und sinnvolle Bodenreform gelten kann. Auch sonst finden sich zahlreiche Hinweise auf das gute Verhältnis zwischen Herrschaft und Bevölkerung im Gericht Bodenstein.
Einer Überlieferung zufolge sollen die Aufständischen die Burg Bodenstein mehrere Wochen lang von einem Nachbarberg aus belagert haben, der seither den Namen „Mühlhäuser Burg“ trägt. So plausibel diese Geschichte auch klingt, lässt sie sich jedoch nicht bestätigen. Tatsächlich hielten sich die Bauern am 5. Mai 1525 nur einen Tag auf dem Bodenstein auf. Vier Jahre zuvor allerdings hatten reguläre Mühlhäuser Truppen von eben jenem Berg aus vergeblich versucht, die Burg einzunehmen – vermutlich entstand aus dieser Verwechslung die spätere Sage.
Die Bauern scheinen bei ihrem Angriff zunächst erfolgreich gewesen zu sein, doch waren sie offenbar in Eile: Die Burg wurde nicht vollständig zerstört, da sie schon wenige Jahre später wiederhergestellt war. Viele mittelalterliche Bauteile sind bis heute erhalten. Dennoch müssen die Verwüstungen erheblich gewesen sein, wie die langwierigen Verhandlungen mit der Stadt Mühlhausen über Höhe und Auszahlung der Entschädigung zum Wiederaufbau belegen.
Aus Rache gegen die Bodensteiner Bauern plünderten die Aufständischen die wintzingerodischen Dörfer und setzten sie in Brand. Danach zogen sie weiter nach Bad Frankenhausen, wo sie von den Fürsten vernichtend geschlagen wurden.
Anna von Wintzingerode, eine geborene von Oldershausen, übernahm als Regentin ihrer minderjährigen Söhne den Wiederaufbau der zerstörten Burganlagen und der fast vollständig verwüsteten Dörfer – ein Werk, das ihr innerhalb weniger Jahre gelang.
Quelle: Eigene Aufzeichnungen; Die Burg Bodenstein im Eichsfeld – Bild: Zeichnung von Duval aus der Zeit um 1840