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Dingelstädt um 1810
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Sonntag 02 Jun 2024
Tags: Dingelstädt
Unter den § 11 beschreibt der Jesuit, Heimatforscher und Chronist Johann Wolf in seinen „Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt … “ den Zustand des Ortes im 18. Jahrhundert. Er schreibt:

Nachheriger Zustand

„Dingelstädt zählt über 1800 Seelen und hat 166 Heerdstäten, die von undenklichen Zeiten berechtigt waren Bier zu brauen und auszufahren, jedoch ohne Bierzwang, vermöge der vom Kurfürsten Johann Philipp am 29. Mai 1661 für das Eichsfeld erlassenen Brauordnung.

Nebst der Braugerechtigkeit ist dem Flecken längst gestattet worden, Zünfte zu errichten, deren Acht bis 1808 bestanden, nämlich: die der Maurer, Metzger, Weißbäcker, Schneider, Leineweber, Schmiede, Schuhmacher und Raschmacher. An Handelsleuten und Krämern fehlt es auch nicht, bey denen man fast alle Waaren antrifft, die man in einer Stadt zu kaufen pflegt. Kranke brauchen nicht über Feld nach einem Arzte zu schicken, sie finden unter ihren Mitbürgern je drei Aerzte, und seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts waren ihrer zwey hier: die Doctoren Gliem und Strecker.

Eine Apotheke ist später, erst ums J. 1779 durch Ernst Panse von Nörten angelegt worden. Weit früher haben sich Rechtsgelehrte hier niedergelassen, die entweder als Richter beym Amte Gleichenstein und bey den Klöstern Reifenstein und Annrode angestellt waren, oder daselbst als Advokaten dienten. Endlich kam das Gleichensteinische Gericht selbst nach Dingelstädt, da der im J. 1793 ernannte Amtsvogt; Herr Hentrich seinen Wohnsitz hier aufschlug, weil das Amthaus mit dem Kammergut in Erbbestand war gegeben worden. Von der hiesigen Poststation bemerke ich, daß sie statt der zu Orschel, wohin die Wege im Winter nicht wohl zu passiren waren, am 2. Octob. 1758 angelegt, und der Bürger Georg Adam Jagemann zum Posthalter, von dem Postdirektor zu Erfurt, Adolph von Piper bestellt wurde. Nach dem Jahre 1802 ließ die Preußische Regierung eine fahrende Post errichten, die noch jetzt von Dingelstädt nach Mühlhausen und Heiligenstadt zu bestimmter Zeit abgeht.“



Quelle: Johann Wolf: „Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harz-Departement, District Heiligenstadt“ Reprint 1994 – Bild: Postkarte undatiert (um 1940?) – Blick vom Gymnasium in die Altstadt.



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