Die (H)asenburg und das mitternächtliche Turnier

© Thomas Schuster Heiligenstadt
Direkt zum Seiteninhalt

Die (H)asenburg und das mitternächtliche Turnier

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · 26 November 2022
Tags: Hasenburg
Zwischen Wallrode und Buhla liegt auf einer isolierten 500 Meter hohen Bergkuppe die (H)asenburg. Sie gehört zu den bedeutendsten vorchristlichen Anlagen nicht nur des Eichsfeldes. Als Schutz- und Fliehburg war sie auf einer Fläche von 8 Hektar auf einem Muschelkalkplateau und teilweise senkrecht abfallende Felsen fast uneinnehmbar.

Bei Ausgrabungen wurden Funde aus der Jungsteinzeit (Neolithikum 2400 v.u.Z.) bis in das hohe Mittelalter (12. Jahrhundert) gemacht.
Sowohl in der Hallstattzeit (700 - 450 vor Christus) als auch in der Laténezeit (450 vor Christus) suchten die Umwohner Schutz auf dem Plateau. In der römischen Kaiserzeit existierte auf dem Berg wahrscheinlich eine germanische Kultstätte und Fluchtburg. Hier war nicht nur ein Begräbnisplatz sondern auch ein Volksversammlungsort (Thing).

Aus der mittelalterlichen Zeit ist eine schöne Sage erhalten geblieben:

„… Einst begab sich ein Jäger nach der Hasenburg auf den ‚„Ansitz“. Hinter einem günstig gelegenen Strauch nahm er Posten. Das Glück war ihm jedoch nicht zugetan. Er wartete und wartete, aber das erhoffte Wild wollte nicht anlaufen. Es war ein milder Abend, und der Vollmond stand klar am Himmel. Da der Weidmann durch einen steilen Aufstieg ermüdet war, schlief er ein. Als er erwachte, schlug die Turmuhr in Neustadt zwölf. Nachdem der letzte Schlag verklungen war, erschien in dem von Buhla heraufführenden Burgweg eine stattliche Anzahl gewappneter Ritter. Ihnen folgte ein von den Jahren schon gebeugter Greis, umgeben von schönen Edelfrauen, die auf einer mit frischem Grün geschmückten Empore Platz nahmen.

Nachdem das geschehen war, machten die Ritter vor den Damen eine Verbeugung, dann stellten sie sich in zwei Parteien einander gegenüber. Auf ein von dem alten Herrn gegebenes Zeichen begann der Kampf, der lange hin und her ging. Von den Rittern sank einer nach dem andern ins Gras. Zuletzt blieb von jeder Partei nur noch ein Mann kampffähig. Nunmehr traten diese beiden Letzten zum Zweikampf an. Zuerst fand ein Lanzenstechen statt, das unentschieden blieb. Dann zogen beide Ritter mächtige Schwerter. Schlag folgte auf Schlag, bis der eine zu Boden fiel. Der Sieger trat zu der Empore, und das vornehmste Edelfräulein hing ihm eine goldene Kette um den Hals. Kaum war das geschehen, so schlug die Turmuhr eins, und die nächtliche Erscheinung war so plötzlich verschwunden, wie sie aufgetaucht war.“

© Thomas Schuster Heiligenstadt

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – St. Benno Verlag Leipzig (1978) S. 289- Bild: Kammertor 2019 © Thomas Schuster Heiligenstadt



Zurück zum Seiteninhalt