Die Gloriosa im Erfurter Dom
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Thüringen · Samstag 22 Nov 2025 · 2:30
Tags: Erfurt, Dom, Gloriosa
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Die Gloriosa ist die größte Glocke im Mittelturm des Erfurter Doms und trägt ihren Namen aus dem Lateinischen: „die Ruhmreiche“ oder „die Glorreiche“. Meister Gerhard van Wou goss sie in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1497. Mit ihren beeindruckenden Maßen – 11,45 Tonnen Gewicht, 2,62 Meter Höhe und einem Durchmesser von 2,56 Metern – ist sie nicht nur die größte freischwingende mittelalterliche Glocke weltweit, sondern zählt auch zu den klangschönsten Glocken überhaupt. Deshalb nennt man sie auch „Königin aller Glocken“ (omnium campanarum regina).
Die aktuelle Gloriosa ist bereits die sechste Glocke dieses Namens im Erfurter Dom. Mehrfach mussten Vorgänger wegen Schäden oder Zerstörung durch Brände ersetzt werden: Die erste Glocke entstand 1251 und wurde vom Bischof von Naumburg geweiht. Aufgrund von Schäden wurden 1307 und 1363 neue Glocken gegossen. Nach dem Dombrand von 1416, der sämtliche Glocken vernichtete, entstand 1423 die vierte Gloriosa. Auch sie fiel schließlich 1472 einem Brand zum Opfer. Die fünfte Glocke, gegossen 1477 durch Meister Klaus von Mühlhausen, wog zehn Tonnen, erlitt aber schon nach zwei Jahren einen fatalen Schaden, sodass eine weitere gefertigt werden musste.
„Den Auftrag für ihre Herstellung hatte der Weihbischof Johannes Bonemilch maßgeblich vorangetrieben und auch den erfahrenen Glockengießer Gerhard Wou van Kampen auf eigene Kosten bei sich zu Hause einquartiert. Mittags um zwei Uhr am 7. Juli 1497 wurde der Ofen auf dem Severihof angeheizt. Abends gegen 22:00 Uhr war die Glockenspeise flüssig und die Stiftsherren prozessierten zum Gussort. Um 1 Uhr am 8. Juli schlug Wou van Kampen den ersten Zapfen aus und danach den zweiten. Gegen zwei Uhr war der Guss vollendet, die Stiftsherren sangen das Te Deum laudamus. Die „Gloriosa“ wurde 1499 auf das Glockengeschoss des Mittelturms gezogen, dabei mussten mehrere Gewölbe durchbrochen werden. Am 19. Mai 1499 wurde sie erstmals geläutet.“
Beim Turmbrand 1717 überstand sie als einzige Domglocke das Feuer unbeschadet – dank spezieller Gewölbe ober- und unterhalb des Glockenraums.
Charakteristisch für die Gloriosa sind die beiden Madonnenreliefs im Strahlenkranz an gegenüberliegenden Seiten sowie Christusköpfe an den sechs Kronenbügeln. Den Glockenhals schmückt ein Fries mit heraldischen Lilien; zudem gibt es eine lateinische Inschrift mit Datierung und Meisternamen:
„Laude patronos cano gloriosa Fulgus arcens et demones malignos Sacra templis a populo sonanda Carmine pulso Gerhardus wou de Campis me fecit. Anno Dni M.CCCC.XCVII“
Übersetzung:
Ich besinge mit ruhmreichem Lob die Schutzherren, halte Blitz und böse Geister fern, läute zum Gottesdienst, der im Dom vom Volk mit Gesang begleitet wird. Gerhardus Wou aus Kampen hat mich gegossen. Im Jahr des Herrn 1497.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gloriosa_(Erfurter_Dom) - Bild: Gloriosa 1931 (bearbeitet und coloriert) aus dem Jenaer Volksblatt vom 04.04.1931