Die Cholera wütet 1850 in Heiligenstadt
Im 19. Jahrhundert wütete die Cholera als verheerende Seuche in Europa, die Zehntausende Opfer forderte. Die Krankheit war auch als "blauer Tod" wegen seiner Symptome wie eingefallene Augen, schrumpeliger Haut und bläulichen Flecken bekannt. Sie betraf besonders Ältere, Arme und Kinder. Der „Gallenfluss“ ist eine akute Darminfektion, die durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht wird und massive wässrige Durchfälle sowie Erbrechen auslöst, was zu lebensbedrohlichem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust führt. Die Übertragung erfolgt meist über verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel, besonders in Gebieten mit schlechter Hygiene. Die Cholera ist behandelbar durch Rehydrierung und Wärme. Sie kann aber auch schnell tödlich enden. Die Übertragung erfolgt durch kontaminiertes Wasser oder Nahrung und durch Kontakt mit Stuhl oder Erbrochenem einer infizierten Person.
Helmut Godehardt beschäftigte sich intensiv mit der Thematik:
„Heiligenstadt wurde in der zweiten Augusthälfte (1850) von der Cholera erfaßt. Sie war, wie Dr. Wunsch berichtet, „unter der ärmeren Klasse in der Stadt aufgetreten“ und hatte „ihren Herd besonders in zwei engen Straßen, dumpfigen Wohnungen und wo die Menschen sehr gedrängt wohnen, aufgeschlagen. Sie schont kein Alter und Geschlecht Die meisten Opfer hat sie unter alten Leuten, unter Kindern und Personen, welche einen wüsten Lebenswandel führen.“
Dr. Wunsch und Dr. Rinke behandelten die Kranken der Stadt durch örtliche Erwärmung der Bauchdecke und indem sie ihnen Meerrettich auf die Herzgrube, die Schienbeine und Waden legten, was oft unglaublich gewirkt haben soll.
Im Hospital zum hl. Geist war ein Lazarett für die Erkrankten eingerichtet worden. Die Leichen brachte man umgehend in die Leichenhalle des Friedhofes, um sie so schnell wie möglich zu bestatten. Von den 5154 Einwohnern der Stadt Heiligenstadt erkrankten 286 und starben 102 Personen.
Dr. Wunsch war damals der Ansicht, „daß diese bösartige epidemische Krankheit ursprünglich im Delta in Indien“ sich entwickele, als „Gift dorten aus der Erde seinen ersten Ausgangspunkt“ nehme, sich dann der Atmosphäre beimische, „miasmatisch in Folge der Rotation der Erde und durch Luftströmungen“ weiterverbreitet werde, um dann an den „Orten ihren Herd“ aufzuschlagen, „wo sie ihren Zunder gefunden“.
Erwähnt werden soll auch, daß Dr. Wunsch für den Monat August 1850 eine Witterungstabelle führte. Täglich trug er die Thermometer- und Barometerbeobachtungen sowie die Windrichtung ein. „Tabellarisch nachgewiesen“, so schrieb er am 15.10.1850 an die Regierung in Erfurt, „wälzte sich die Krankheit von Osten nach Westen und Nordost nach Südwest, fast möchte man sagen nach den vorherrschenden Windrichtungen.“
Was den relativ hohen Anteil an Toten während der Choleraepidemie auf dem Eichsfeld betraf, urteilte Dr. Wunsch: „Hätte die Mehrzahl der erkrankten Personen die ihnen so oft und vielseitig mitgeteilten diätischen Vorschriften sich mehr zu Herzen genommen, so bin ich der Überzeugung, dass ein Drittel derselben weniger gestorben wäre.“
Quelle: Eichsfelder Heimathefte 4/81, Helmut Godehardt: „Das Wüten der Cholera auf dem Eichsfeld im 19. Jahrhundert“ - Bild: Krankenheilanstalt Heiligenstadt um 1900 (Postkarte aus dem Fundus Franz Bader) bearbeitet mit KI