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Die Burg Hanstein – alte Siedlungsgeschichte
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Freitag 21 Nov 2025 · Lesezeit 2:30
Tags: Hanstein
„Das Gebirge, auf dessen Rücken die stolze Ruine Hansteins sich erhebt, gehörte in der Zeit, an welche sich die zarten Fäden der inneren Geschichte Deutschlands anknüpfen lassen, im 7. u. 8. Jahrhundert n. Ch., zum thüringischen Gau Germaramark, oder es bildete vielmehr die nördliche Spitze dieses längs der Werra bis über Eschwege hinauf sich hinziehenden Gaues. Doch nicht bloß auf der Schneide eines Gaues zog sich dieses Gebirge hin, sondern es trennte auch drei mächtige, kriegerische und was noch mehr ist, mit gegenseitigem Haß erfüllte deutsche Völker, Völker, welche eben durch ihre gegenseitigen Vernichtungskämpfte ihre Namen in der Geschichte verewigt haben. Stellen wir uns im Geiste auf den Punkt, von welchem herab die Thürme des Hansteins ins Land hinausschauen, und richten wir unsere Blicke noch Osten, von dem Höhberg hin bis zu den waldumkränzten Kuppen des Thüringerwaldes, so würden wir in jenem Jahrhundert die Höfe, Weiler, Dörfer und Burgen des fleißigen Thüringervolkes erblicken.

Gegen Norden aber sind bereits die zerstreuten Gehöfe der Sachsen bis an den Fuß des Gebirges gerückt und westlich hat der Franke das linke Ufer der vorbeifließenden Werra besetzt, so daß die nahe Stadt Witzenhausen noch im 14. Jahrhundert urkundlich nachweisen konnte, daß sie auf fränkischem Boden liege und fränkisches Recht genieße. In der That giebt es vielleicht keinen Punkt in Deutschland, auf welchem die drei feindlichen Völker so nahe an einander stießen, als dieses am Fuße des Hansteins der Fall war, und merkwürdiger Meise zeigt sich noch in unseren Tagen diese dreifache Völkernscheide in vielen Anklängen der Sprache und der Sitten; noch ertönt bis nahe an dem Fuß des Hansteins das wohllautene Sassisch, gewöhnlich Plattdeutsch genannt, während die benachbarten Bewohner des Werrathals und des Eichsfeldes durch ihren fast singenden Accent, der durch Buchstaben sich nicht ausdrücken läßt, ihre Verwandtschaft mit den Thüringern beurkunden, und die rauhe, volle Sprache der Witzenhäuser an die fränkische Kraftsprache erinnert, welche unter Carl dem Großen italienischen Ohren so rauh und widerlich erklang, daß der Kirchengesang der Franken mit dem Rollen eines plumpen Wagens auf einem Knüppeldamm von ihnen verglichen wurde. - So wunderbar ist aber die Macht der Stammesverschiedenheit, so zähe ihre Gewalt, daß mehr als tausend Jahre mit allen ihren Erschütterungen und ihren Ineinanderrütteln nicht im Stande waren, den Grundcharacter der Volksstämme auf einem so kleinen Raume zu vertilgen. …“

Quelle: Carl Philipp Emil von Hanstein: „Urkundliche Geschichte des Geschlechts der von Hanstein“ - Zweiter Abschnitt. Geschichte der Burg Hanstein – Bild: Hanstein um 1900 (bearbeitet) © Thomas Schuster Heiligenstadt


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