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Das Ende von Kurmainz und die preußische Herrschaft (3/3)
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Mittwoch 24 Sep 2025 · Lesezeit 2:00
Tags: 1802PreußischeHerrschaft
Während der napoleonischen Ära, insbesondere zwischen 1811 und 1813, wurde Heiligenstadt unter der Leitung des Präfekten Burchard von Bülow einer umfassenden städtebaulichen Umgestaltung unterzogen. In einem Bericht vom August 1811 wies Präfekt von Bülow darauf hin, dass sich die Straßen in einem äußerst schlechten Zustand befanden. Zudem kritisierte er den Sanierungsbedarf der Brücken, die baufälligen und zu hohen Stadtmauern sowie die Stadttore, die durch Gattertore ersetzt werden sollten.

Bereits im September 1811 begannen die Sanierungsarbeiten: Das Holzbrückentor wurde abgetragen, im Dezember folgte der Abriss des Kreuzgangs an der Martinskirche einschließlich der dortigen Schule. Die hierbei gewonnenen Baumaterialien wurden veräußert. Auch die Friedhöfe an den drei Kirchen wurden eingeebnet.

Die Stadtmauer wurde auf eine Höhe von 8 bis 10 Fuß reduziert. Ein neuer Friedhof entstand am Geisleder Tor und die Liboriuskapelle vor dem Kasseler Tor (Villa Lampe) wurde in Abstimmung mit dem Klerus entfernt, während die Kapelle am Heimenstein als geistliche Stiftung erhalten blieb. Die Lindenallee erhielt eine Kanalisierung und wurde neu bepflanzt.
Außerhalb des Stadtgebiets entstanden neue Promenaden und Spazierwege. Am 4. Juli 1813 besuchte König Jerome Napoleon, auch bekannt als „Bruder Lustigk“, die Stadt. Daraufhin wurde Präfekt von Bülow seines Amtes enthoben; sein Nachfolger Kuhlmeyer stoppte sämtliche Verschönerungsmaßnahmen.

Im Zusammenhang veränderter politischer Verhältnisse nach dem Sieg über Napoleon bei der Völkerschlacht bei Leipzig fehlten laut zeitgenössischen Berichten die Ressourcen und das Interesse an weiteren Verschönerungen der Stadt. Cantonmaire Monecke setzte diese Anordnungen um und ließ alle Arbeiten einstellen. Gerhard Jaritz hält hierzu fest:
„Die Heiligenstädter profitierten zwar von den Initiativen ihres Präfekten, mussten aber auch Verluste historischer Bausubstanz hinnehmen.“

Weitere durchgeführte Maßnahmen umfassten:
• Den Abriss der Jakobikirche
• Die Beseitigung von Morastlöchern in Straßen und Gassen
• Den Abriss des Bergtores im Jahr 1812
• Den Abriss des Geisleder Tores im Jahr 1813

Abschließend wurde die Stadtmauer aufgrund statischer Probleme auf eine Höhe von 3 bis 4 Metern zurückgebaut, wodurch keine sichtbaren Brüstungsansätze, Konsolen oder Abdeckungen mehr erhalten blieben.

Quelle: Eigene Aufzeichnungen – Bild: Alter Friedhof mit Kapelle im Jahre 1984. Die heute abgerissene Kapelle stammt aus dieser Zeit. Fundus Franz Bader © Thomas Schuster Heiligenstadt


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