Das Denkmal des Johann Weinrich auf dem Iberg

© Thomas Schuster Heiligenstadt
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Das Denkmal des Johann Weinrich auf dem Iberg

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · 23 November 2022
Tags: IbergWeinrichDenkmal
Auf dem Weg zur Gaststätte „Iberghaus“ befindet sich vom Bahnerstieg kommend auf der rechten Seite ein kleines Denkmal. Es ist dem ehemaligen Schuhmachermeister Johann Weinrich (1793 - 1855) gewidmet, der zugleich auch Musiker und Dichter war. Er entwickelte viele Instrumente, unter anderem eine Mundharmonika, 1827 eine Art Klappentrompete, dann eine Art Klarinette, die er Psalm-Melodicon nannte. Von seinem Vermögen kaufte er den Iberg und baute in seinen Garten ein Gasthaus. Mit seinen Gesellen und Freunden pflanzte er über 10.000 Bäume an. Weinrich starb am 15.10.1855, als eine ihm gehörende kleine Kanone explodierte und er tödlich verletzt wurde. Jemand hatte den Lauf der Kanone verstopft, die er zum Geburtstag des Kaisers abschießen wollte. Durch den Rückschlag kam es zur Explosion.

Das Denkmal besteht aus einem viereckigen Würfel nach oben verjüngend. Auf allen vier Seiten befindet sich eine Inschrift:

Hier verunglückte Joh. Weinrich Erfinder des Psalm – Melodicon
War Gründer dieser Anlage, im Jahre 1825
Geb. d. 15 = März 1793 gest. d. 15 = Oktob 1855
Dieses Denkmal ist gesetzt den 24 = Juni 1863 von J. Gottesleben und dessen Frau geborene Anna Weinrich (seine Tochter)

Auf der Rückseite befindet sich ein Messingschild mit der Inschrift: Denkmalsanierung Juli 1998 durch Herrn Wagner Stadtverwaltung Heilbad Heiligenstadt.

© Thomas Schuster Heiligenstadt

Carl Duval schreibt 1845:

„Von der Egelsburg wenden wir uns zum Iberg, welcher südlich von der Stadt gelegen ist und theils seiner schönen Anlagen, theils seiner herrlichen Aussicht wegen besucht wird. Alle Anlagen, deren wir uns hier erfreuen, verdanken wir dem Musikus Johann Weinrich, welcher dieselben mit unsäglicher Mühe, unermüdlichem Fleiße und großen Aufopferunegn zu Stande gebracht hat. Das erste verdienstvolle Werk desselben um den Iberg war, daß er vor nunmehr 20 Jahren den sogenannten „Bahnerstieg“, welcher den steilen Iberg nach den drei Linden führt, gangbarer machte, in dem er zweckentsprechend Stufen von Felsblöcken anlegte und zu beiden Seiten des Weges junge Tannen anpflanzte. Auf diesem Wege gelangt man ganz bequem bis zum Saume des Berges, auf welchem die drei Linden stehen und wo der fromme Sinn der Bewohner des Eichsfeldes einige Heiligenbilder aufgestellt hat (Drei-Linden-Kapelle). Unter Weinrichs Hand entstanden nun am Saume des Berges Wege, Sitze und Grotten und man findet in dem Tannenngehölze gar manches trauliche und einladende Plätzchen. Wie man behauptet, soll Herr Weinrich seit 20 Jahren 34.000 Bäume angepflanzt haben.“

Das von Weinrich erfundene Psalmmelodicon wurde 1832 von Ernst Leopold Schmidt aus Heiligenstadt verbessert und Apollo-Lyra genannt. Die Töne entsprechen dem Zusammenspiel von Violine, Klarinette, Oboe, Fagott und Hörner. Das Instrument besteht aus Holz, mit 16 Klappen und 6 Grifflöchern. Auf einem achteckigen Gestell in der Mitte sitzt das Mundstück, unten einer Klarinette und oben einem Hornmundstück ähnlich.

Quelle: Carl Duval: „Das Eichsfeld“ (1945) – Bild: 2022 © Thomas Schuster Heiligenstadt



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