Das „Wurstesammeln“ im Eichsfeld
Meist an Fastnacht (Karnevalsdienstag) oder am „Fetten
Donnerstag“ rotten sich die Männer des Dorfes – oft die Prinzengarde oder der
gesamte Karnevalsverein – zusammen. Begleitet von einer Blaskapelle oder
zumindest einer Trommel ziehen sie von Haus zu Haus.
Niemand entkommt! Der Trupp klopft an jede Tür. Damit die
Narren wieder abziehen, muss der Hausherr oder die Hausfrau einen Zoll
entrichten. Traditionell besteht dieser aus einem Stück Eichsfelder Feldgieker
oder Mettwurst, einer Flasche Schnaps oder einem Kasten Bier. Meist reicht auch
eine Geldspende für die Vereinskasse.
Diese alte Tradition nennt man „Wurstsammeln“, „Wursthütt“
oder auch „Wurstjagd.“ Ob sie heute noch aktuell ist, weiß ich leider nicht. Die
Wurst gibt es nicht geschenkt, oft muss man dafür tanzen oder singen. Wer die
Tür nicht öffnet oder sich geizig zeigt, muss mit Konsequenzen rechnen. Früher
wurden die Verweigerer auch mal mit Ruß im Gesicht markiert oder symbolisch
„bestraft“.
Das gesammelte Gut wird nicht etwa privat verspeist. Am
Abend trifft sich das ganze Dorf und der Verein im Gemeindesaal oder im
Vereinslokal zum großen gemeinsamen Wurstessen.
Dort werden die gesammelten Feldgieker aufgeschnitten, es
gibt Brot und Gurken dazu, und die restlichen Vorräte an Freibier werden
vernichtet. Es ist der letzte große Essen, bevor am Aschermittwoch „alles
vorbei ist“ und die strenge Fastenzeit beginnt.
Vor der 40-tägigen Fastenzeit mussten die Fleischvorräte,
die nicht bis Ostern hielten, aufgezehrt werden. Heute hat die Tradition
sozialen Charakter.
Das Eichsfeld hat die höchste Dichte an Karnevalsvereinen
in ganz Thüringen. Fast jedes Dorf hat seinen eigenen Verein mit einer oft über
100-jährigen Tradition. Während man fast überall „Helau“ ruft, hört man im
Eichsfeld oft lokale Varianten oder sehr spezifische Rufe der einzelnen
Vereine, die ihre Eigenständigkeit betonen.
Quelle: Eigene Aufzeichnungen – Bild: Hauptstraße in Uder mit
eingefügten Karnevalisten © Thomas Schuster Heiligenstadt