Burgstelle auf dem „Köpfchen“ bei Beinrode
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Sonntag 28 Dez 2025 · 3:00
Tags: Beinrode, Burgstelle
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Nördlich des Dün erhebt sich östlich von Beinrode eine markante Bergkuppe mit einer Höhe von 403 Metern, das sogenannte „Köpfchen“, welches etwa drei Kilometer östlich des Scharfensteins liegt. In Sichtweite liegen die Burg Bodenstein, die sehr früh verlassene Burg Birkenstein bei Birkungen sowie die Alte Burg über dem Kloster Reifenstein. In Beuren gab es eine Burganlage und auf dem Weg zum Scharfenstein lag die Beisenburg.
Bemerkenswert ist, dass entlang der Dünübergänge – ähnlich wie im Harz oder im Thüringer Wald – zahlreiche mittelalterliche Burgen existierten, deren Blütezeiten sich jedoch unterschieden. Diese Burgen deuten besonders auf eine Schutzfunktion für historische Verkehrswege hin.
Auf dem nordöstlichen Gipfel des Köpfchens finden sich Überreste einer mittelalterlichen Burganlage mit einer Länge von etwa 60 Metern. Die Spitze, auf der die Kernburg lag, misst circa 20 Meter in der Länge und rund 18 Meter an der Basis, zeigt jedoch keinerlei Mauerreste. Eine kreisförmige Vertiefung im Osten ist entweder ein Hinweis auf den ehemaligen Standort des Bergfrieds oder entstand durch spätere Grabungstätigkeiten. Ein der Hauptburg vorgelagerter Graben ist oben rund zehn Meter breit und trotz teilweiser Verfüllung noch vergleichsweise tief; dessen Enden verlaufen leicht einwärts gebogen. Am Rand der Kernburg befindet sich eine wallartige Erhöhung mit erhöhtem Erdanteil und einzelnen Steinen. In weiteren Grabungsbereichen wurden Bruchstücke dickwandiger Hohlziegel, ziegelfarbene Wandscherben spätmittelalterlicher Tongefäße sowie gebrannter Lehm aus Fachwerkstrukturen gefunden. Eine Brandschicht konnte nicht identifiziert werden.
Südwestlich schließt sich eine etwa 20 Meter lange und an der westlichen Basis rund 30 Meter breite Vorburg an, deren Fläche etwas tiefer als die der Hauptburg liegt. An der Außenseite ist ein fragmentierter Wall erhalten, während ein weiterer, breiter, aber geringerer Graben die gesamte Anlage von der südwestlich abfallenden Fläche trennt. Im Nordwesten verbindet sich dieser Graben mit dem inneren Verteidigungsgraben, zudem wird die Vorburg im Nordwesten von einem Außenwall umfasst, der unterhalb der Innenburg ausläuft. Im Süden weist der Außengraben eine mächtige Schaumkalkbank auf. Der heutige Zugang zur Burg verläuft über die Südostseite, wobei der Weg offenbar den dortigen Wall beschädigte. Sowohl Vor- als auch Innenburg zeigen je eine tiefe Einsenkung im südlichen Drittel der Wälle, was auf ehemalige Zugänge hinweisen könnte.
Die erhaltenen Wallanlagen sowie die Funde von Hohlziegeln deuten darauf hin, dass die Burg vom 14. bis ins 16. Jahrhundert bestand. Die kompakte Hauptburg und der vorgelagerte Außenwall weisen auf eine Errichtung im späten Mittelalter hin. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Fernstraße am Fuße des Berges in jener Zeit kann die Entstehung der Anlage frühestens ins Hochmittelalter datiert werden. Historische Erwähnungen der Burg fehlen bislang vollständig; ebenso existieren keine lokalen Überlieferungen. Golland vermutet, es könne sich um die 1303 erwähnte Davidsburg handeln. Im Jahr 1348 wurde „beyenrode“ beim Scharfenstein genannt, dieses Dorf war jedoch 1469 bereits verlassen. Beinrode wurde 1729 als Vorwerk des Klosters Reifenstein wieder errichtet. Es liegt nahe, dass Baumaterial der von Golland entdeckten Burgstelle auf dem Köpfchen zwischen 1739 und 1752 für den Aufbau des neuen Vorwerks verwendet wurde.
Die Burganlage befand sich oberhalb der Mülldeponie und neben dem Vorwerk. Von Edeka Simon in Leinefelde hat man einen guten Blick auf das "Köpfchen".
Quelle: Eichsfelder Heimathefte 1/85 – Rolf Aulepp – Bild: 2022/1984 © Thomas Schuster Heiligenstadt