Berthold XI. von Wintzingerode (1505–1575)
Schon früh bekannte sich die Familie von Wintzingerode
zu den lutherischen Thesen und zählte bald zu den eifrigsten Unterstützern der
Reformation. Auch viele
Städte und Ritter des Eichsfelds schlossen sich der neuen Lehre an, stießen
jedoch bald auf heftigen Widerstand des Kurfürsten von Mainz und der Jesuiten.
Berthold von Wintzingerode, ein einflussreicher
Ritter, trat als einer der entschiedensten Gegner der mainzischen
Gegenreformation auf. Obwohl kein Graf, gehörte er zu den mächtigsten Adligen
der Region. Wie andere Vertreter des niederen Adels verteidigte er alte
ritterliche Ideale gegen den wachsenden Fürstenabsolutismus. Wegen seiner
Verstrickung in die Grumbachschen Händel und seines lutherischen Glaubens wurde
er für Kurfürst Daniel Brendel von Homburg zum Feindbild.
Sein Lehnsherr, Graf Volkmar Wolf von Honstein,
verbündete sich 1573 mit Mainz und erklärte sich zum Vasallen des Kurfürsten,
was zeitgenössisch als Verrat am Protestantismus galt. Berthold bereitete sich
auf eine Belagerung vor, doch 1574 gelang es mainzischen Truppen durch Verrat,
ihn kampflos festzusetzen.
Zur Rechtfertigung seiner Gefangenschaft griff man auf
einen Vorfall zurück: Berthold hatte 1573 im Zorn den berüchtigten Gewalttäter
Arnold Geilhaus erschossen, der ihn zuvor mehrfach bedroht hatte. Auf dieser
Grundlage wurde ein Scheinprozess geführt, der 1575 mit seiner Enthauptung auf
dem Tiermarkt in Mainz endete – ein Vorgang, den viele Fürsten, Ritter und
Bürger als Justizmord verurteilten.
Trotz der Diffamierung als „wilder Ritter vom
Bodenstein“ galt Berthold seinen Untertanen als gerechter Herr. Unter seiner
Gerichtsbarkeit kam es nur zu einem Hexenprozess, der mit einem Freispruch
endete. Zudem schützte er seine Bauern, half in Notzeiten und versuchte,
Frondienste durch Pachtzahlungen zu ersetzen. Auch religiöse Toleranz war ihm
eigen: Katholische Priester durften ihre Einkünfte behalten, und einer seiner
engsten Freunde war ein überzeugter Katholik.
Berthold von Wintzingerode blieb eine eigenwillige Persönlichkeit.
Er wurde von vielen evangelischen Eichsfeldern als Märtyrer betrachtet.
Quelle: Eigene Aufzeichnungen; Die Burg Bodenstein im
Eichsfeld – Bild: Zugbrücke 1987 und angeblicher Schädel (vermutlich rechts) Berthold
XI. von der Hinrichtung © Thomas Schuster Heiligenstadt