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Berthold XI. von Wintzingerode (1505–1575)
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Sonntag 05 Okt 2025 · Lesezeit 2:00
Tags: Bodenstein
Schon früh bekannte sich die Familie von Wintzingerode zu den lutherischen Thesen und zählte bald zu den eifrigsten Unterstützern der Reformation. Auch viele Städte und Ritter des Eichsfelds schlossen sich der neuen Lehre an, stießen jedoch bald auf heftigen Widerstand des Kurfürsten von Mainz und der Jesuiten.

Berthold von Wintzingerode, ein einflussreicher Ritter, trat als einer der entschiedensten Gegner der mainzischen Gegenreformation auf. Obwohl kein Graf, gehörte er zu den mächtigsten Adligen der Region. Wie andere Vertreter des niederen Adels verteidigte er alte ritterliche Ideale gegen den wachsenden Fürstenabsolutismus. Wegen seiner Verstrickung in die Grumbachschen Händel und seines lutherischen Glaubens wurde er für Kurfürst Daniel Brendel von Homburg zum Feindbild.
Sein Lehnsherr, Graf Volkmar Wolf von Honstein, verbündete sich 1573 mit Mainz und erklärte sich zum Vasallen des Kurfürsten, was zeitgenössisch als Verrat am Protestantismus galt. Berthold bereitete sich auf eine Belagerung vor, doch 1574 gelang es mainzischen Truppen durch Verrat, ihn kampflos festzusetzen.

Zur Rechtfertigung seiner Gefangenschaft griff man auf einen Vorfall zurück: Berthold hatte 1573 im Zorn den berüchtigten Gewalttäter Arnold Geilhaus erschossen, der ihn zuvor mehrfach bedroht hatte. Auf dieser Grundlage wurde ein Scheinprozess geführt, der 1575 mit seiner Enthauptung auf dem Tiermarkt in Mainz endete – ein Vorgang, den viele Fürsten, Ritter und Bürger als Justizmord verurteilten.

Trotz der Diffamierung als „wilder Ritter vom Bodenstein“ galt Berthold seinen Untertanen als gerechter Herr. Unter seiner Gerichtsbarkeit kam es nur zu einem Hexenprozess, der mit einem Freispruch endete. Zudem schützte er seine Bauern, half in Notzeiten und versuchte, Frondienste durch Pachtzahlungen zu ersetzen. Auch religiöse Toleranz war ihm eigen: Katholische Priester durften ihre Einkünfte behalten, und einer seiner engsten Freunde war ein überzeugter Katholik.
Berthold von Wintzingerode blieb eine eigenwillige Persönlichkeit. Er wurde von vielen evangelischen Eichsfeldern als Märtyrer betrachtet.

Quelle: Eigene Aufzeichnungen; Die Burg Bodenstein im Eichsfeld – Bild: Zugbrücke 1987 und angeblicher Schädel (vermutlich rechts) Berthold XI. von der Hinrichtung © Thomas Schuster Heiligenstadt


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