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Aus dem Archiv: Zur früheren Befestigungsanlage der Stadt Worbis
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Samstag 24 Jan 2026 · Lesezeit 3:30
Tags: Worbis
„In einer Urkunde aus dem Jahre 1251 wird Worbis als „civitas“ (Stadt) bezeichnet. Mit diesem Begriff verbinden Wolf-Löffler die Feststellung, daß der Ort schon am Ende des 13. Jahrhunderts von einer Mauer umgeben war. Wahrscheinlich haben die Grafen von Beichlingen als damalige Landesherren die Befestigung errichten lassen. Auf der Karte „Die Herrschaft Bodenstein und ihre Umgebung“ aus dem Jahre 1567 wurde die Stadt von dem Maler mit einer Mauer und den beiden Toren, dem Untertor und dem Obertor, sowie einem Wallgraben gezeichnet. Diese Befestigungsanlage hat lange Bestand gehabt, da die Stadt sich nur langsam ausdehnte. In dem „Situations-Plan von Stadtworbis“ aus dem Jahre 1818 ist der Mauerring noch fast vollständig vorhanden.

Die Stadtmauer umgab danach in einer fast regelmäßigen quadratischen Form die Stadt. Die Längenangaben in Schritten entsprechen einer Mauerlänge von 300 bis 400 Metern auf jeder Seite. An der dem Klien zugewandten Stadtseite sind in den Mauerring mehrere rechteckige oder halbkreisförmige Türme eingezeichnet. Damit wollte man die seitlichen Mauern der Befestigungsanlage besser mit Geschossen bestreichen können. Wahrscheinlich sah man in dem die Stadt überragenden Höhenzug des Kliens eine größere Gefahr bei feindlichen Angriffen. Früher trug die Umgebung des heutigen Bahnhofs den Namen „hinterm Turm“. In die Befestigungsanlage war sicher auch die Burg in der Nordecke der Stadtmauer mit einbezogen.
Ein doppelter Wallgraben zog sich um die Stadt. Zwischen den Gräben befand sich der sogenannte „Knick“, er war mit Büschen bewachsen und wurde später in Gärten umgewandelt. Am 7. Mai 1560 beschwerte sich die Gemeinde, daß „die Klägerin (Margaretha von Bültzingslöwen) uns unseren Knick und Graben veringert, darinnen Roden, Gärten und Teiche machen läßt, auch ein Backhaus darinn gesetzt, das vor ihrer Zeit also nicht gewesen“. Am Ende des 16. Jahrhunderts schenkte der Mainzer Kurfürst der Stadt die Hälfte des Zapfenzinses, um unter anderem die Stadtmauern ausbessern zu können.

Die beiden Tore waren die markantesten Teile der Stadtbefestigung. Das Untertor befand sich bei der früheren Solf'schen Mühle. Es wurde 1673 erneuert und dem Stadtknecht als Wohnung zugewiesen. Im Jahre 1679 wurde das Tor vom Blitz getroffen, dabei kam der Stadtknecht Jacob Watteroth ums Leben. Bei dem Gefecht am Untertor 1761 besetzten die Lucknerschen Jäger das Tor und verteidigten sich hier gegen die angreifenden französischen Dragoner. Später muß die Anlage abgebrochen worden sein, denn 1810 war sie nicht mehr vorhanden. Auf dem Plan von 1818 ist das Tor nur noch als Lücke in der Stadtmauer dargestellt. Wahrscheinlich mußte es den Neubauten der sich nach dem Franziskanerkloster zu ausdehnenden Stadt weichen. Das Obertor ist ungefähr 100 Jahre länger, zumindest in Bauresten, erhalten geblieben. Es befand sich hinter dem an seiner Turmuhr kenntlichen alten Holzmärkerschen Haus. Das Tor bestand aus einem massiven Unterbau und einem Oberbau aus Fachwerk. In der Wohnung wohnte der Hirt, später erhielt sie der Feldhüter. Im Jahre 1864 soll ein Brand das Gebäude zerstört haben. Die letzten baulichen Überreste, ein Teil der Stadtmauer und einer der beiden Tortürme, wurden 1898 beseitigt, um Platz für die Straße nach dem Bahnhof zu gewinnen. Von einer damaligen Fotoaufnahme fertigte Dr. Johannes Müller eine Zeichnung an.

Th. Türich hat versucht, daraus eine zeichnerische Rekonstruktion des alten Obertores herzustellen. Das Tor wurde von zwei halbkreisförmigen Tortürmen, den sogenannten „Rondells“, flankiert. Wegen der eigenartigen kreuzförmigen Schießscharten in den Türmen wurde der Turmrest als „Kreuzturm“ bezeichnet. Damit verband sich sicher die Erinnerung an den alten Gasthof „Zum goldenen Kreuz“ im Holzmärkerschen Haus. Bei den Schießscharten handelt es sich um Schlüsselscharten. Sie wurden wegen der Ähnlichkeit mit einem umgekehrten Schlüssel so genannt und ermöglichten nach Erfindung der Feuerwaffen eine bessere Drehung derselben in der unteren rundlichen Erweiterung. Von der alten Worbiser Befestigung, die jahrhundertelang die Kleinstadt schützen sollte, sind keine Reste mehr vorhanden. Nur die Namen „Untertor“ und „Obertor“ weisen auf die frühere Anlage hin."

Quelle: Eichsfelder Heimathefte 3/79, Heinrich Türich


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