Aus dem Archiv: Unionsfreund Karl Jünemann wird 75 Jahre alt
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · Samstag 29 Nov 2025 · 3:15
Tags: Bürgermeister, Jünemann
Tags: Bürgermeister, Jünemann
Als Bürgermeister von 1947 bis 1971 in Heiligenstadt erwarb er sich große Verdienste
„Eine erstaunliche Vitalität hat er sich bewahrt, dazu einen herzhaften, gesunden Humor. Man mag es kaum glauben, wenn man ihn durch die Stadt, seine Stadt gehen, charmant mit alten Freunden und Bekannten plaudern sieht, daß er morgen schon 75 Jahre alt wird: Unionsfreund Karl Jünemann aus Heiligenstadt. Ein garantiert sicheres Rezept, in solch geistiger und physischer Frische alt zu werden, hat der Jubilar freilich auch nicht. Doch schwört er auf gesunde Lebensweise, viel Bewegung, Wandern und an und ab - wie beispielsweise zur morgigen Geburtstagsfeier - mal eine gute Zigarre. Auf jeden Fall jedoch ist Regsamkeit bis ins hohe Alter für ihn wichtig. So beteiligt sich das Ehren mitglied des CDU-Kreisvorstandes Heiligenstadt noch aktiv am Leben seiner Partei, fährt er als Mitglied des Redaktionskollegiums der „begegnung“ regelmäßig nach Berlin, nimmt an gesellschaftlichen Veranstaltungen teil, bringt seine politischen Erfahrungen in die Arbeit des DSF-Kreisvorstandes ein.
Oft sieht man Karl Jünemann in einem Pulk von Menschen die Stadt durchstreifen, als Referent der URANIA Reisegruppen aus nah und fern die Stadt zeigend und über ihre Entwicklung erzählend. Über 10.000 Besucher der Stadt - so schätzt er - haben an seiner Seite bei diesen Stadtführungen Heiligenstadt kennengelernt. Die da aufmerksam seinen interessanten Ausführungen lauschen, spüren, daß er ein Kenner der Regionalgeschichte ist, Heimatliebe aus ihm spricht und Unionsfreund Jünemann nicht Zuschauer gesellschaftlicher Entwicklung der vergangenen vier Jahrzehnte, sondern Mitgestalter war.

Ja, Heiligenstadt ist für Karl Jünemann wirklich „seine“ Stadt. Als Bürgermeister lenkte er von 1947 bis 1971 die Geschicke der Kreisstadt. Als Antifaschist und Katholik hatte er sich auch 1945 sogleich den demokratischen Kräften angeschlossen, war früh Mitglied der CDU geworden, Aktivist der ersten Stunde. Er war Mitbegründer der GDSF und des FDGB in Heiligenstadt, 15 Jahre lang Vorsitzender des Kreisausschusses der Nationalen Front, leitete jahrelang den GDSF-Ortsverband, war von 1950 bis 1958 Abgeordneter der Volkskammer. Durch das, was er für Heiligenstadt schaffte - in seiner Amtszeit entstanden u. a. der erste staatliche Kindergarten der Stadt (1947), die erste staatliche Kinderkrippe im Eichsfeld, das Postgebäude, das Kreiskulturhaus und das Wohngebiet „Auf den Liethen“, erfolgte die Erneuerung der Altstädter Kirche - erwarb er sich den Ruf eines erfolgreichen, geachteten und populären Kommunalpolitikers. „Man konnte damals und kann auch heute nur wirksame Kommunalpolitik mit den Bürgern, mit Unterstützung der Parteien und Massenorganisationen, der Betriebe, kurz dem Mittun möglichst vieler machen. Nur durch diese Gemeinsamkeit, die auch das Miteinander von Marxisten und Christen widerspiegelt, ebnete sich nach 1945 der Weg dieser Stadt zu erfolgreicher Entwicklung“, meint Unionsfreund Jünemann. Diese Zusammenarbeit nennt er als wesentlich für das, was unter seiner Leitung in Heiligenstadt erreicht wurde.
Demokratische Verpflichtung und christliche Verantwortung waren stets die tragenden Säulen seines kommunalpolitischen wie parteipolitischen Engagements. Gerade in der CDU, an deren Parteitagen er seit 1948 stets als Delegierter teilnahm, fand er Unterstützung und ein Betätigungsfeld, verantwortungsbewußt, politisch für die Bürger zu wirken. Unionsfreund Jünemann schrieb, verantwortete und gestaltete ein wichtiges Kapitel in der Heiligenstadt-Geschichte mit. Dafür und für sein prinzipielles politisches Engagement wurde er wiederholt ausgezeichnet, u. a. mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber, der Otto-Nuschke-Ehrenplakette dem Otto-Nuschke-Ehrenzeichen in Gold, der Ehrennadel der DSF in Silber, dem Ehrenzeichen „40 Jahre GDSF“ und der Ehrennadel der URANIA in Silber. Ausdruck bleibender Wertschätzung wird sicherlich auch morgen die Gratulation werden.“
Quelle: Thüringer Tageblatt vom 9.1.1988 E. B. – Bild: ebda (bearbeitet).