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Aus dem Archiv: Priesterweihe in Heiligenstadt am 26. 5. 1939
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · Samstag 22 Aug 2026 · Lesezeit 4 Minuten
Tags: Marienkirche
Priesterweihe in St. Marien! Ein Ereignis, das diese altehrwürdige Kirche in den 700 Jahren ihres Bestehens in ihren Annalen noch nicht berichten konnte. Festlich ist die Kirche geschmückt. Der Weihealtar ist auf erhöhtem Podium zwischen Kreuz- und Gnadenaltar aufgebaut. Froh grüßen die Fahnen von den Türmen und die Glocken rufen laut und feierlich die Gläubigen von nah und fern herbei.
In feierlichem Zuge wird Bischof Dr. Johannes Dietz abgeholt. Voll tiefen Ernstes ziehen die Weihekandidaten vor ihrem Bischof her. Nun kommt die Stunde, auf die sie sich in langen Jahren vorbereitet haben.

„Es spricht der Herr: Hört! Ihr sollt mich verkünden!
Bereitet euch! Euch habe ich erwählt!
Ihr sollt ein Feuer sein und Feuer zünden!
Herr, deinem Willen bleiben wir vermählt!“

Die heilige Feier beginnt. Vier Eichsfelder werden zur hl. Priesterweihe aufgerufen und einer zur hl. Diakonatsweihe. Ignaz Degenhardt aus Rustenfelde, Karl Göbel aus Ershausen, Albin Metze aus Zella, Georg Steinberg aus Heiligenstadt und als Diakon Hubert Lendeckel aus Lutter.

Fünfmal klingt fest und sicher: „Adsum!“ Hier bin ich, Herr! Ich stelle mich bereit zu allem Opfer-Werk, das Gott mit mir vorhat, zu allem Opferdienst des Priesterlebens. – Nun geht unter vielen ergreifenden Zeremonien die Weihe der Kandidaten vor sich. Sie liegen auf dem Boden ausgestreckt und erflehen in der Allerheiligen-Litanei mit ihrem Bischof und dem ganzen Volke den Segen Gottes für ihre große Aufgabe.
Der wichtigste Augenblick ist gekommen, der Höhepunkt der Weihe: die Händeauflegung des Bischofs. Tiefes Schweigen herrscht im Gotteshaus. Kein Lied ertönt, keine Orgel spielt. Der Bischof legt jedem beide Hände auf das Haupt. Die sakramentale Gnade wird erteilt, das unauslöschliche Merkmal wird eingeprägt auf immer und ewig. Nach dem Bischof gehen der Reihe nach alle 50 anwesenden Geistlichen an den jungen Priestern vorbei und legen ihnen die Hände auf das Haupt und rufen den Heiligen Geist auf sie herab. Immer wieder müssen die Weihekandidaten einzeln vor den Bischof treten, die Hände werden gesalbt, damit alles, was sie segnen, gesegnet werde und alles, was sie weihen, geweiht und geheiligt sei.

Ganz still ist es in den weiten Hallen der Kirche und doch sind weit über tausend Menschen hier versammelt. Jetzt packt es wohl jeden Gläubigen mit aller Eindringlichkeit: Groß und heilig ist das Amt des Priesters in der Kirche Christi. – Die hl. Handlung schreitet weiter. Im Verein mit dem Bischof bringen nun die Neugeweihten zum erstenmal das Opfer dar.
Als Sinnbild ihrer Opfergesinnung und ihrer Opferbereitschaft überreichen sie dem Bischof bei der Opferung eine brennende Kerze. Wandlung, Kommunion, was bedeuten sie in dieser Stunde für die Neugeweihten! – Nach dem letzten Segen macht der Bischof die jungen Priester noch einmal aufmerksam aus die Schwere ihres Amtes: „Erwäget ernstlich, was für eine Weihe ihr nun erhalten habt und welche Bürde euch aufgelegt worden ist. Befleißigt euch, heilig und gottselig zu leben und dem allmächtigen Gott wohlzugefallen, damit ihr seiner Gnade teilhaftig werden könnet, welche er euch nach seiner Barmherzigkeit verleihen wolle.“

Das feierliche Pontifikalamt ist zu Ende! Der Bischof spricht Worte der Freude und Ermunterung zu Volk und Klerus und unter dem brausenden Lobgesang des „Großer Gott, wir loben dich“ verläßt Bischof Johannes in Begleitung des gesamten Klerus die Kirche.

Herzlich sind beim Abschied am Pfarrhaus des Bischofs Glückwünsche an die Neugeweihten. Priester und Angehörige drängen sich herbei, um Glück- und Segenswünsche auszusprechen.

In stiller Freude kehren die Neupriester zur Kirche zurück, ergriffen von ihrer Sendung, und beten:
„Ich danke dir, o Gott, daß du mir eine Sendung gegeben und dadurch meinem Leben Sinn u. Bedeutung. Laß mich durch keine Trübsal, durch keine Dunkelheit, durch keinen Zweifel, dieses heilige Wissen verlieren, und in deinem Auftrag gehen die vielen Schritte irdischen Lebens. Amen.“

Quelle: Eichsfelder Heimathefte 1939



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