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Aus dem Archiv: Martin im Wasserzeichen
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · Freitag 06 Mär 2026 · Lesezeit 3:15
Tags: Papiermühle;Wasserzeichen
„In der christlichen und kirchlichen Kunst ist der heilige Martin wiederholt dargestellt worden – in der Malerei, Plastik oder in sonstiger Weise, innerhalb und außerhalb der Gotteshäuser. Evangelische wie katholische Kirchen führen seinen Namen, haben ihn als Schutzheiligen. Dies zumal in den thüringischen Gebieten, die einstmals zum kurfürstlichen Erzbistum Mainz gehörten, dessen Schutzheiliger der Martin war. Aber darüber hinaus ist die Verehrung von Sanctus Martinus, der nach der Legende als Ritter für einen frierenden Bettler mit dem Schwerte seinen Mantel teilte, weit verbreitet. Man kann wohl sagen, daß er im Volke zu den beliebtesten Heiligen zählt.

In der Wasserzeichenkunst dagegen ist die Darstellung des Heiligen Martin ganz selten. Nach den Ergebnissen der bisherigen Forschung haben nur zwei Papiermühlen Wasserzeichen mit dem Bilde dieses Heiligen hergestellt. In Oberösterreich ist ein Rieszeichen des Papierwerks Steyr bekannt geworden, das Sankt Martin darstellt. In deutschen Gebieten begegnet uns dieses Motiv nur in den Wasserzeichenpapieren der Papiermühle Heiligenstadt.

In früheren Jahrhunderten, als noch nicht jedermann lesen und schreiben konnte, haben die Papiermacher für ihre Hersteller-, Sorten- und Qualitätsmarken hauptsächlich Bildliche Darstellungen gewählt, wenn ihnen solche vom Feudalherrn nicht vorgeschrieben waren. Religiöse Motive spielten dabei eine große Rolle. Ist doch das erste Wasserzeichen, das wir überhaupt kennen, ein christliches Symbol. Es stellt ein gleichschenkliges sogenanntes griechisches Kreuz dar und erscheint in Papier, das 1282 zu Bologna/Italien verwendet wurde. Unter den sakralen Motiven bilden Heilige eine besondere Gruppe, zu der u. a. St. Bonifatius, St. Lorenz, St. Nepomuk, St. Wolfgang gehören.

Der Begründer der Wasserzeichenkunde als Wissenschaft, Dr. Karl Theodor Weiß (1872 bis 1945), hat während des ersten Weltkrieges, bevor er zum Kriegsdienst eingezogen wurde, in Heiligenstadt längere Zeit umfangreiche Nachforschungen und Erhebungen zur Geschichte der dortigen Papiermühle und ihrer Wasserzeichen durchgeführt. Das Manuskript ging seiner Zeit von Verlag zu Verlag. Es hat sich bis heute nicht gefunden. Das erhobene Material an Originalpapieren, Wasserzeichenpausen und dazu gehörigen Berichten, Erläuterungen, Erkenntnissen befindet sich jetzt im Deutschen Papiermuseum der Deutschen Bücherei Leipzig; ebenso das zum verschollenen Manuskript gehörige Bildmaterial, dabei die ganze Entwicklungsreihe der in Tusche gezeichneten Wasserzeichen.

Das Martins-Wasserzeichen fand nun Dr. Weiß in drei verschiedenen Ausführungen. Bei der um 1604 gegründeten Papiermühle tritt ein Martins-Wasserzeichen auf, seine Verwendung ist bis 1629 belegt. Es stellt den Heiligen als streitbaren Bischof hoch zu Roß gespornt und mit Schwert dar. Die Zugehörigkeit zu Kurmainz deutet das Rad in seiner Fahne an, vor dem Pferd kniet der Bettler. Die als Sockel dienende Tafel zeigt die Inschrift „HILGENSTAD“. Als Vorlage diente dem Formenmacher vielleicht das damalige Stadtsiegel, in dem St. Martin ebenfalls als Bischof mit der Radfahne, jedoch ohne Bettler zu sehen ist. Der Hersteller des „Martin-Papiers“, so die zeitgenössische Bezeichnung, war der Papiermachermeister und Pächter Moritz Becker aus Mühlhausen/Thüringen. In einer anderen Gestaltung des Zeichens ist der fromme Martin als derber Reitersmann aufgefaßt, der mit dem Schwerte seinen Mantel teilt, der Bettler fehlt jedoch. Nachgewiesene Verwendungszeit 1643 bis 1655.

Am markantesten dürfte die 3. Art Formgebung den 1670er und 1680er Jahren sein.  St. Martin als stolzer Ritter in Rüstung, mit Federn am Hut geschmückt, teilt seinen Mantel mit dem Schwert, der Bettler tritt nun als Invalide auf. Dieses Martinspapier fertigte der Papiermachermeister Theodor Markus Meyer. Er war 1666 bis 1712 Pächter des Papierwerkes Heiligenstadt.“

Quelle: Thüringer Tageblatt vom 10.11.1983; Dr. Wisso Weiß – Bilder: Wasserzeichen des Heiligen Martin aus Heiligenstadt © Thomas Schuster Heiligenstadt




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