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Aus dem Archiv: Kirchen und Kapellen um 1900
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · Donnerstag 07 Mai 2026 · Lesezeit 2:15
Tags: Kirchen;Kapellen
„Von romanischer Bauweise, die in Mitteldeutschland bis Ausgang des 12. Jahrhunderts geherrscht hat, sind im Kreise nur an zwei Stellen Baureste erhalten geblieben. Es sind dies einmal die Grundmauern der Kirche in Uder, bei denen unter anderem durch die ausgesprochen romanischen Profile der Rundbogen am Querschiff der Stil zweifellos gekennzeichnet wird; dies und die geschichtliche Tatsache, daß im Jahre 1162 eine Kirche in Uder dem Heiligenstädter Stifte geschenkt wurde, läßt mit ziemlicher Sicherheit den Schluß zu, daß das Mauerwerk, das mit jenen Bögen im Zusammenhang steht - und das sind fast alle Grundmauern der Kirche - vor 1162 gebaut ist. Das Mauerwerk des Turmes ist vermutlich noch älter, weist jedoch keine für den Baustil charakteristischen Formen auf.

Ferner stammt aus romanischer Zeit die Krypta der Bergkirche in Heiligenstadt. Hier weisen die Stilformen ebenfalls auf das Ende des 12. Jahrhunderts hin, urkundliche Nachrichten über die Entstehungszeit dieses Bauteiles liegen nicht vor. Die übrigen romanischen Kirchen, die vermutlich zumeist in Fachwerk errichtet waren, sind verschwunden und durch Neubauten ersetzt.

Aus gotischer Zeit, die hier für Architektur bis etwa zum Jahre 1575, für die Kleinkunst noch einige Jahrzehnte länger gedauert hat, sind ganze Bauwerke hauptsächlich in Heiligenstadt erhalten. Es sind dies die drei großen Kirchen St. Martin, vollendet 1487, St. Marien, im wesentlichen vollendet 1420 und St. Ägidien, vollendet bis auf die Erneuerung des Turmteiles vor 1370. Ferner drei Kapellenbauten: die St. Annenkapelle, Mitte des 14. Jahrhunderts, die Hospitalkirche, vor 1363 und die Reste der Nikolauskirche, etwa aus derselben Zeit. Eine gotische Kirche, im wesentlichen noch als solche erhalten, findet sich ferner auf dem Hülfensberge, sie stammt anscheinend aus dem 14. Jahrhundert, hat jedoch mehrfache Änderungen erfahren. Ferner sind hier zwei spätgotische Schloßkapellen zu nennen: die in Unterstein (1554) und in Steinheuterode (1575). Bei vier weiteren Kirchen sind die Grundmauern gotisch, doch haben in späteren Zeiten eingreifende Umbauten das Gepräge verändert.“

Anmerkung:
Die spitz zulaufenden Rundbögen weisen auf die gotische Zeit hin. Die Krypta ist die eigentliche Vorgängerkirche der heutigen Martinskirche und wurde in den letzten 3. Kirchenbau integriert und angepasst. Der Verlauf der romanischen Kirche ist außen an der Kirche im Boden markiert.

Quelle: Walter Rassow: „Bau und Kunstdenkmäler des Kreises Heiligenstadt“ – Verlag Cordier 2002 - Bild: Krypta der Martinskirche 2013 © Thomas Schuster Heiligenstadt


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