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Aus dem Archiv: Erstmals „Kanzelaustausch“ im Eichsfeld
Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Heiligenstadt · Dienstag 18 Nov 2025 · Lesezeit 2:00
Tags: ÖkumeneinHeiligenstadt
„Die Ökumene kennt auch auf dem Eichsfeld viele Formen des brüderlichen Miteinanders der beiden Konfessionen - Wege der Gemeinsamkeit, die sich in den letzten Jahren, wenn auch Schritt für Schritt, so aber doch sichtlich ausprägten. Ökumenische Gottesdienste und Trauungen, ökumenische Bibelstunden, Jugendkreuzwegandachten und Gemeindeabende, ebenso die von katholischen und evangelischen Christen gleichsam getragene Diakoniegemeinschaft und die gemeinsame Vorbereitung auf die Firmung oder Konfirmation, um nur einiges herauszugreifen, sind schon längst keine Seltenheit mehr. Eines jedoch war bislang im kirchlichen Leben der beiden Eichsfeldkreise Heiligenstadt und Worbis noch offengeblieben: der „Kanzelaustausch“ zwischen protestantischer und katholischer Glaubensgemeinschaft.

Was anderenorts schon langer praktiziert, wurde nun zur Freude der Gläubigen – auch im Eichsfeld nachgeholt. Am Vorabend des Reformationstages predigte Superintendent Hans-Martin Lange auf Einladung der katholischen Kirche während des sonntäglichen Gottesdienstes in St. Marien, St. Aegidien und St. Gerhardus. Prälat Paul-Julius Kockelmann, Propst von St. Marien und Bischöflicher Kommissarius des Eichsfeldes, erwiderte am letzten Sonntag, ebenfalls als „Gastprediger“, in der Martinskirche den „Besuch“ seines evangelischen Amtsbruders. Im Martin-Luther-Jahr 1983 lag es natürlich nahe, daß Superintendent Lange in seinen drei Predigten zum Wirken des großen Reformators sprach. Kernpunkt seiner Predigt war allerdings der Leitgedanke aus dem Römerbrief, wo über die heilbringende Kraft des Evangeliums und die dem katholischen Glauben entspringende Gerechtigkeit schreibt.

Vielleicht mag es unangemessen erscheinen, solch eine Äußerlichkeit anzuführen, daß Superintendent Lange nach seiner Predigt in der Altstädter Kirche Beifall erhielt. Aber hier drückt sich letztlich akustisch die Freude und Zustimmung aller Gläubigen aus, die in den drei Gotteshäusern die Gastpredigten von Superintendent Hans-Martin Lange hörten. Nicht minder angetan waren die Mitglieder der evangelischen Kirchgemeinde von der Predigt Paul-Julius Kockelmanns. Das nun zu Ende gehende Martin-Luther-Jahr eröffnete und brachte neue Anknüpfpunkte, das ökumenische Leben zu vertiefen. So muß man auch jenen „Kanzelaustausch“ sehen, der im Eichsfeld bis dato eine Einmaligkeit war, es aber hoffentlich nicht bleiben wird.

Quelle: Thüringer Tageblatt 12.11.1983 E. B. – neue Kanzel in der Martinskirche 1998 © Thomas Schuster Heiligenstadt


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