Aus dem Archiv: Eine Köpenickiade auf dem Eichsfeld
„Viele Jahre vor dem historischen Auftritt des Hauptmanns
von Köpenick, der zu einer ungeheuren Blamage des preußisch-deutschen
Militarismus führte, kam es zu „einer sonderbaren Schwindelei“ auf dem
Eichsfeld. In Geismar und den umliegenden Orten erschien im April 1876 „bei
mehreren Schulzen ein stattlicher Mann mit einer preußischen Polizeiuniform
(Rock und Überzieher) und gab an, der Diözesanverwalter, Regierungsassessor
Himly zu Paderborn, habe ihn beauftragt, sämtliche Kirchenrechnungen zu
revidieren. Bereitwillig, vom Glanz der Uniform geblendet, legte man ihm in
Geismar, Lengenfeld unterm Stein und anderen Orten alle gewünschten Unterlagen
vor, „obwohl er mit keiner Legitimation ausgestattet war, auch keinen Namen
nannte.“ Auf Kosten der Gemeinden zechte er tüchtig in den Gaststätten und
übernachtete auch dort. Einem Gendarmen kam er schließlich verdächtig vor. Als
dieser von dem angeblichen Revisor die Ausweispapiere zur Einsicht forderte,
„entfloh er durch einen tiefen Bach in die Wälder und wußte dadurch seine
Flucht durchzusetzen, indem die Verfolger mehr Wasserscheu fühlten als der
Uniformierte. Es ist seitdem jede Spur von ihm verloren.“
Quelle: Eichsfelder Heimathefte 2/85, Rolf Barthel – Bild:
„Eichsfelder Hof“ in Geismar um 1900