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Aus dem Archiv: Ein Orgelbauer im Eichsfeld

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · 22 Juni 2020
Tags: WendehausenDuderstadtCreutzburgOrgel
Ein Orgelbauer im Eichsfeld
Ein Blick in das Tagebuch von Johannes Creutzburg aus dem 18. Jahrhundert

"Daß früher die "klingende Kunst" das Orgelbaus auch im Eichsfeld heimisch war und sogar von schlichten Dorfhandwerkern der kleinsten Dörfer betrieben wurde, bezeugt ein Tagebuch eines Orgelbauers aus dem 18. Jahrhundert. Er wohnte im idyllischen, dein Werratal vorgelagerten Dörfchen Wendehausen und hieß Johannes Creutzburg. Durch einen glücklichen Zufall konnte sein Tagebuch durch den berühmten Orgelbauer Krell/Duderstadt dem südeichsfeldischen Heimtatforscher und Oberlehrer Otto Mehler/Wendehausen zur Auswertung für einige Zeit überlassen wenden. Es wurde so vor dem „Einstampfen“ bewahrt. In Leder ließ der Meister seine geschriebenen Blätter zusammenbinden unter dem Titel „Kurtze Beschreibung des in des Grüningschen Schloß-Kirchen berühmten Orgelwercks - Wie dasselbe anfangs erbaut und beschaffen gewesen; Und wie es anitzo auf allergnädigsten Befehl Sr. Kön. Preußischen Majestät ist renovieret und merklich verbessert worden. Denen anfahenden Organisten und Orgelmachern und allen so etwa ein Orgelwerck renoviren lassen wollen zu Nutz und dienlicher Nachricht aufgesetzet.“

Auf den ersten Tagebuchseiten berichtet Creutzburg über sich und die Personalien seiner Familie und besondere Dorfereignisse. Er beginnt: Anno 1686 bin ich Johannes Creutzburg den 8. Juli geboren zu Wendehausen. Gott der Allmächtige gebe mir seinen hl. Segen, an Gesundheit und der ewigen Seligkeit. Dies bitte ich durch meinen lieben Erlöser Jesum Cristum meinem Heyland. Amen.“

Nach alten Gemeindeakten des Wendehäuser Schulzenamtes war damals im Ort noch eine Reihe von Orgelbauern namens Thon ansässig. Dieser Familienname ist heute in Wendehausen noch vorhanden.  Es kann wohl daraus die Schlußfolgerung gezogen wenden, daß Creutzburg bei diesen Orgelbaumeistern in die Lehre gegangen ist. Einige Aufzeichnungen im dritten Teil seines Tagebuches deuten darauf hin, daß er als Geselle auch zu anderen Meistern wanderte und sich in dieser Kunst vervollkommnen ließ. So beschreibt er eine Orgel in Hamburg. „Ist auch eine Art Rohrstimme, steht in Hamburg in der Frauenkirche auf solche Art, wie hier zu sehen.“ (Es folgt eine Skizze).

Anno 1711 war der Meister wieder daheim und hat in diesem Jahre seine Familie gegründet. Seine Gemahlin war ebenfalls eine geborene Thon. „Schon 1716“, so berichtet er, „habe ich angefangen vor mich zu arbeiten und habe mein erstes Werk dasselbe Jahr in Heltra (Heldra a. Werra) zum Ersten gemacht.“ Von 1733 bis 1735 baut Creutzburg die große Orgel in Duderstadt und ist nach 1739 nach dort übergesiedelt. In alten Rechnungen wird auch noch ein Daniel Creutzburg genannt, der sicher ein Bruder des Meisters war. „Creutzburg war nicht nur ein meisterhafter Techniker seines Handkes; er hat mehr als Handwerkskunst geleistet, er war Künstler im wahrsten Sinne des Wortes, der einer von ihm gebauten Orgel ein Stück deiner Seele eingehaucht hat“, so lautet das Urteil des früheren Eichsfelder Organisten und Musikfachmannes Karl Wüstefeld über Creutzburg.

Er machte seine Orgeln in Wirklichkeit zur Königin der Instrumente. In den Jahren von 1718 bis 1735 baute er nicht weniger als 8 große Orgelwerke und ferner noch weitere Werke in Sandra, Teistungenburg, Bernterode, Tastungen und Rambach. Die Eichsfelder Gotteshäuser in Beberstedt, Breitenworbis und Wendehausen, verdankten ihm damals ebenfalls ausgezeichnete Orgelwerke.

Aber nicht nur des Orgelbaues, sondern auch der Klavierherstellung war Creutzburg kundig. Darüber finden sich in seinem Tagebuch ebenfalls Angaben, die wohl als Anregungen für seine Mitgenossen, in der klingenden Kunst gelten sollten. Aus seinen Aufzeichnungen geht hervor, daß Creueburg nicht nur allerlei Instrumente gebaut, sondern auch die Bezüge selbst gesponnen hat, Recht intensiv und vielseitig sind auch die Rezepte über die Behandlung und Beizung der Edelhölzer (Ebenholz), wie sie beim Orgel- und Klavierbau verwendet werden."

© Thomas Schuster Heiligenstadt

Quelle: Thüringer Tageblatt aus dem Jahre 1981, V. H.



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