Blog der Familie Schuster aus Heiligenstadt - Heiligenstadt im Eichsfeld

© Thomas Schuster Heiligenstadt
Direkt zum Seiteninhalt

Aus dem Archiv: Dorfkirchen in Thüringen - Röhrig

Heiligenstadt im Eichsfeld
Veröffentlicht von Thomas Schuster in Eichsfeld · 18 Juni 2020
Tags: RöhrigSt.Elisabeth
Die Elisabeth-Kirche in Röhrig
In den Jahren 1975/76 gründlich renoviert — Mehrere wertvolle Plastiken

"Wenn wir dem Lauf des Flüsschens Asbach, das im FDGB-Ferienort in die Leine mündet, folgen, kommen wir in das schön gelegene Eichsfelddorf Röhrig. Der Name Röhrig wird erstmals 1535 genannt und bedeutet „Dorf im Röhricht“. Die kleine Gemeinde, die sich durch gepflegte Fassaden und saubere Straßen auszeichnet, hat eine Besonderheit. Ihre Kirche ist die einzige im Eichsfeld, die der hl. Elisabeth geweiht ist.

Zunächst etwas zur Geschichte der schmucken Dorfkirche von Röhrig. 1799 berichtet Zimmermeister Weinrich von Heiligenstadt, daß die alte Kirche in so schlechtem Zustand ist, daß sie nicht mehr renoviert werden kann, sondern abgerissen werden muß. Sie lag höher als die jetzige Kirche, etwa auf dem Platz des Friedhofes, und bestand aus Holz. 1880 wurde die heutige Kirche weiter unten im Dorf – der Schule gegenüber – erbaut. Das ganze Eichsfeld steuerte Geldspenden dazu. In die neue Kirche kam ein Altar aus dem aufgehobenen Kloster Reifenstein.  Im Oberaufbau zeigt er heute noch die Nebenpatronin des Klosters, die hl. Margaretha mit dem Drachen an der Kette, als Haupt- und Mittelbild enthält er ein Gemälde vom Kunstmaler Hunold, das die Kirchenpatronin, die hl. Elisabeth mit dem Rosenwunder, darstellt. 1909 berichtet Walter Rassow in „Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Heiligenstadt“ über die Kirche in Röhrig: Am Portal ist das Erbauungsjahr der Kirche – 1800 – angegeben. Darüber befindet sich eine Nische mit der Figur „Verspottung Christi“. Letztere Figur steht heute auf einer Konsole an der Nordwand im Innen der Kirche. Das fromme Mittelalter nannte dieses Bildnis auch „Unser Herr im Elend“ oder „unseres herren letzte Rast“. Es ist dies auch das Herz Jesu Bild der spätgotischen Zeit. „Die Kanzel", schreibt W. Rassow, „ist ein Kunstwerk ersten Ranges. Sie wurde 1584 für die Martinskirche in Heiligenstadt ausgeführt. Der Renaissancezeit entsprechend ist sie in edelsten Formen und Verhältnissen gestaltet.“

1934 wurden großzügige Instantsetzungsarbeiten an der Dorfkirche von Rührig durchgeführt. Eine Trockenlegung des Kirchenbaues war notwendig. Der Chor erhielt neue Platten, das Kirchenschiff neue Dielen. Die Turmhaube wurde neu beschiefert. Decken und Wände bekamen einen neuen Anstrich. Letzteres besorgte Malermeister Baumgarten.

In den Jahren 1975/76 erfolgte nun eine gründliche Renovierung der Elisabeth-Kirche. Das zweiteilige Mannshaus wurde beseitigt, an seine Stelle traten stufenförmig gestaltete Kirchenbänke. Die unschöne alte Orgel wurde entfernt und durch eine elektronische Orgel ersetzt. Neue Bänke zieren das Kirchenschiff. Die Fenster wurden von der Firma Roemer, Leipzig, mit Antikglas in Wabenform neu gefaßt. Die Polychromierung des Altares und der Figuren nahm der Kreuzebraer Kunstmaler Walter Kruse vor.

Wenn wir heute in die renoviere Dorfkirche von Röhrig eintreten, so fallen einem zwei schöne Ausstattungsstücke ins Auge. In der Nische der früheren Seitentür an der Südseite steht eine spätgotische Pieta. Mit großer Innigkeit und Ergebung hält die Schmerzensmutter den Leichnam ihres Sohnes auf dem Schoß. Auf der rechten Seite im Chor sehen wir die Figur der hl. Elisabeth. Sie stammte aus der spätgotischen Zeit. Hell und licht ist der Blick der Heiligen. Als gütige Mutter ist sie dargestellt, um bildlich auszudrücken, was die Liturgie sagt: „Früh vollendet hat sie doch viele Jahre erreicht“ (Weisheit 4 Lutherbibel). Die Hände hält sie zum Helfen bereit, denn mit ihnen hat sie ja ihre vielen Wohltaten gespendet und durch sie ist sie die große Patronin der Caritas geworden. In der Pfarrchronik heißt es: „Es ist nicht bekannt, woher diese Figuren in die Kirche nach Röhrig gekommen sind“.

heiligenstadt.net

Quelle: Thüringer Tageblatt vom 26.04.1981, Siebrand



Zurück zum Seiteninhalt